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Kulturnachrichten

Donnerstag, 25. Januar 2018

Horrorautor Jack Ketchum ist tot

"Psycho"-Autor Bloch war sein Mentor

Der amerikanische Horrorschriftsteller und Drehbuchautor Jack Ketchum ist im Alter von 71 Jahren gestorben. Ketchum, mit bürgerlichem Namen Dallas Mayr, schrieb Bücher wie "Beutezeit" und "Evil". Der Horrorautor Stephen King bezeichnete Ketchum einmal als wahrscheinlich erschreckendsten Schriftsteller in Amerika. Er twitterte, er sei sehr traurig über den Tod seines alten Freundes. Ketchum, vielfach ausgezeichnet, wurde in Newark geboren und hatte das angesehene Emerson College besucht. Als junger Mann arbeitete er unter anderem als Koch, Schauspieler und Lehrer. In seinen Jugendjahren war Robert Bloch sein Mentor. Bloch hatte den Roman "Psycho" geschrieben, der die Grundlage für den Film von Regisseur Alfred Hitchcock war.

Sender sichten Archive im Fall Dieter Wedel

NDR und SR lassen Produktionsunterlagen prüfen

Mehrere Fernsehsender wollen nach den Vorwürfen gegen den Regisseur Dieter Wedel ihre Archive nach frühen Hinweisen auf mutmaßliche sexuelle Übergriffe auswerten. Mit einer eigenen "Task Force" will der Saarländische Rundfunk (SR) die eigene Reaktion auf 1981 erhobene Vorwürfe umfassend aufarbeiten. Akten von damals seien bereits gesichtet worden. "Schon jetzt steht fest, dass sich der SR 1981 nicht richtig verhalten hat", teilte der Sender in Bezug auf Dreharbeiten für die Fernsehserie "Bretter, die die Welt bedeuten" mit. Der SR habe Kontakt zu mutmaßlichen Opfern und zu Zeitzeugen aufgenommen. Die 1981 für die Serie engagierte Schauspielerin Esther Gemsch hatte in der Wochenzeitung "Die Zeit" einen mutmaßlichen Vergewaltigungsversuch Wedels geschildert. Auch der Norddeutsche Rundfunk (NDR) teilte mit, er prüfe, ob sich in den Produktionsunterlagen Hinweise auf entsprechende Vorkommnisse im Zusammenhang mit Wedel-Produktionen finden. Mehrere Schauspielerinnen hatten jüngst Vorwürfe erhoben, die von sexueller Belästigung bis hin zur Vergewaltigung reichen. Der heute 75 Jahre alte Wedel wies diese zurück.

Riesige Statue von Ramses II. an neuem Platz in Gizeh

Atrium des Großen Ägypten Museums soll mit 43 Statuen eingeweiht werden

Eine gewaltige Statue von Ramses II. hat im ägyptischen Gizeh seinen neuen Platz gefunden. Der 12 Meter hohe Koloss soll in der künftigen Eingangshalle des Großen Ägyptischen Museums bei Kairo die Besucher beeindrucken. Rund 80 Tonnen wiegt das steinerne Abbild von Ramses II., dem Pharao, der von 1279 bis 1213 vor Christus in Ägypten herrschte. "Wir feiern die Ankunft des ersten Artefakts an seinem endgültigen Ort im Atrium des Großen Ägypten Museums", erklärte der Altertumsminister Chaled al-Anani bei der Feier. In der Eingangshalle des Museums sollen noch 87 weitere Kunstwerke Platz finden, darunter 43 riesige Statuen. Das Atrium wird nach den Worten des Ministers in diesem Jahr eingeweiht, die Eröffnung des Museums wird für 2022 erwartet. Die etwa 3300 Jahre alte Statue wurde 1820 von dem italienischen Ägyptologen Giovanni Battista Caviglia entdeckt. Mehr als 50 Jahre lang stand sie auf einem Platz in der Innenstadt von Kairo.

Mumie aus Basel ist Vorfahrin von Boris Johnson

Pfarrersfrau starb an Syphilis

Die berühmteste Schweizer Mumie ist identifiziert. Die sterblichen Überreste stammten von der 1787 gestorbenen Pfarrersfrau Anna Catharina Bischoff, berichtete das naturhistorische Museum Basel. Die Entdeckung historischer Dokumente, die Hilfe eines Ötzi-Experten und DNA-Analysen hätten die Zuordnung möglich gemacht. Die Mumie war vor gut 40 Jahren bei einer Sanierung der Barfüßerkirche in Basel in einer Gruft entdeckt worden. Eine unerwartete Entdeckung machten die Forscher auch: "Anna Katharina Gernler, die Tochter der 'Dame aus der Barfüßerkirche', hat einen berühmten Ururururururenkel (6x Urenkel): den britischen Außenminister Boris Johnson", teilte das Museum mit. Die Pfarrersfrau Bischof starb an Syphilis. "Wir gehen davon aus, dass sie sich durch die Pflege Kranker infiziert hat", teilte das Museum mit. Sie war wie damals üblich mit Quecksilberdämpfen behandelt worden. Das endete für sie tödlich. Das Quecksilber führte aber dazu, dass die Leiche mumifiziert erhalten blieb.

Weißrussland sperrt Zugang zu Opposition-Webseite

Informationsministerium: Charter 97 verbreitete "illegale" Inhalte

Weißrusslands Behörden haben den Zugang zu einer wichtigen Webseite der Opposition gesperrt. Die Seite Charter 97 habe Informationen veröffentlicht, deren Verbreitung "illegal" sei, erklärte das weißrussische Informationsministerium. Das Ministerium verwies auf ein Gesetz, demzufolge Medien keine Informationen von nicht registrierten Organisationen verbreiten dürfen. Auch die Veröffentlichung von Hassinhalten oder Inhalten, die dem nationalen Interesse schaden, ist demnach verboten. Das Ministerium erklärte jedoch nicht, gegen welchen Teil des Gesetzes die Webseite verstoßen haben soll. Charter 97 erhält nach eigenen Angaben drei Millionen Besuche monatlich. Die Herausgeberin Natalia Radina bezeichnete die Sperrung als "weiteren Schlag gegen die Redefreiheit in Weißrussland".

Kultursenator nennt Gedicht-Übermalung absurd

"Kunstwerke lassen sich unterschiedlich interpretieren"

Kultursenator Klaus Lederer (Linke) hat die geplante Übermalung eines Gedichts an einer Berliner Hochschulfassade als überzogen und absurd bezeichnet. "Ich halte den Vorwurf des Sexismus gegen den Dichter Eugen Gomringer für absurd", sagte Lederer in der Fragestunde des Abgeordnetenhauses. Es geht um den Satz: "Alleen und Blumen und Frauen und ein Bewunderer". Hochschulangehörige hatten kritisiert, damit würden Frauen zum Objekt männlicher Bewunderung degradiert. Der Akademische Senat der Hochschule hatte daraufhin entschieden, das Gedicht zu übermalen. Er habe zwar Respekt vor der Hochschulautonomie, sagte Lederer. Doch viele Kunstwerke ließen sich unterschiedlich interpretieren. Es könne nicht jedes Werk getilgt werden, weil es ambivalent sei. Der Linken-Politiker sprach sich für eine gesellschaftliche Debatte aus, auch über strukturellen Sexismus.

Neuer Stiftungsdirektor will Rassismus entgegentreten

"Rassistische und antisemitische Gedanken" von Gedenkort-Besuchern

Der Münchner Historiker Axel Drecoll will als neuer Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten rassistischen Tendenzen entgegentreten. Der 43-Jährige leitet den Erinnerungsort "Dokumentation Obersalzberg" und tritt am 1. Juni die Nachfolge von Stiftungsdirektor Günter Mosch an. "Ich habe erlebt, dass von Besuchern der Gedenkorte häufiger rassistische und antisemitische Gedanken offen geäußert werden", sagte Drecoll bei seiner Vorstellung in Potsdam. Dem wolle er auch bei der Arbeit mit Besuchern der ehemaligen Konzentrationslager Sachsenhausen und Ravensbrück entgegentreten.

Schauspielerin Tscheplanowa gewinnt Hörbuchpreis

Mit "verzauberter Stimme" gelesen

Die Schauspielerin Valery Tscheplanowa und der Sprecher Andreas Fröhlich erhalten den Deutschen Hörbuchpreis. Die Jury urteilte, dass Tscheplanowa Paulus Hochgatterers Erzählung "Der Tag, an dem mein Großvater ein Held war" mit "verzaubernder Stimme" lese. Daher werde sie als "Beste Interpretin" ausgezeichnet. Andreas Fröhlich wird für seine Leistung in Walter Moers' "Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr" geehrt. Die Jury nennt ihn einen "alleskönnenden Hörspieler". Fröhlich bekommt den Hörbuchpreis damit zum dritten Mal. 2016 hatte er mit seinen "Die drei ???"-Kollegen Oliver Rohrbeck und Jens Wawrczeck die Sonderauszeichnung für das Lebenswerk erhalten. Dieser Preis geht in diesem Jahr an Schauspielerin Eva Mattes. Der Preis für das "Beste Hörspiel" bekommt der Berliner Autor und Regisseur Paul Plamper für "Dienstbare Geister".

Vorwürfe gegen Dieter Wedel schon lange bekannt

SR ließ Regisseur trotz Vergewaltigungsvorwurf weiter arbeiten

Der Saarländische Rundfunk hat bereits in den 1980er Jahren von Vorwürfen sexueller Übergriffe durch den Regisseur Dieter Wedel gewusst und dennoch damals die Zusammenarbeit mit Wedel fortgesetzt. Wie der Sender berichtete, geht dies aus Akten zu der von Wedel produzierten Vorabend-Fernsehserie "Bretter, die die Welt bedeuten" hervor, die im Zusammenhang mit den zu Jahresbeginn von mehreren Frauen erhobenen Vorwürfen gegen den 75-Jährigen gesichtet wurden. In der Wochenzeitung "Die Zeit" hatten zu Jahresbeginn mehrere Frauen Wedel sexuelle Übergriffe bis hin zu Vergewaltigungen vorgeworfen, was dieser per eidesstattlicher Erklärung zurückwies. In der aktuellen Ausgabe der "Zeit" geht es nun um weitere Vorwürfe, die teils bis in die 1970er Jahre zurückgehen. Der Intendant des Saarländischen Rundfunks, Thomas Kleist, zeigte sich "sehr berührt" von den Berichten, diese hätten ihn betroffen gemacht. Er versprach Transparenz und kündigte an, aufzuklären, welche Verantwortung der SR übernehmen müsse. Wedel selbst hatte sich zuletzt nicht mehr geäußert, er befindet sich laut seiner Sprecherin mit Herzproblemen im Krankenhaus.

Sammelklagen gegen Facebook in EU nicht möglich

Datenschutz-Aktivist kann aber als Verbraucher in Österreich klagen

EU-Recht ermöglicht keine Sammelklagen gegen das soziale Netzwerk Facebook. Nutzer-Klagen im jeweiligen Heimatland sind nur individuell zulässig, entschied der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg. Demnach kann der österreichische Datenschützer Maximilian Schrems als Verbraucher in Österreich klagen, obwohl er sich auch beruflich mit dem Datenschutz bei Facebook beschäftigt. Schrems wollte Facebook in seiner Heimat wegen Datenschutzverstößen verklagen und zugleich die Interessen von rund 25.000 weiteren Facebook-Nutzern vertreten, mehr als 5000 davon in Deutschland.

The-Fall-Sänger Mark E. Smith gestorben

Musiker wurde 60 Jahre alt

Der Sänger der britischen Post-Punk-Band The Fall, Mark E. Smith, ist tot. Wie seine Bandmanagerin Pam Van Damned mitteilte, starb Smith am Mittwoch mit 60 Jahren. Smith zählte 1976 zu den Gründern von The Fall und gehörte der Band als einziges Mitglied immer an. Zu den bekanntesten Liedern der Gruppe gehören "Totally Wired", "Eat Y'Self Fitter" und "Mr.
Pharmacist". Im vergangenen Jahr hatte die Band mehrere Auftritte absagen müssen, weil sich der Gesundheitszustand von Smith verschlechtert hatte. The Fall beeinflusste viele bekannte Musiker der vergangenen Jahrzehnte. Die deutsche Rockband Tocotronic widmete dem Sänger 1996 den Song "Ich habe geträumt, ich wäre Pizza essen mit Mark E. Smith".

Grütters kritisiert geplante Gedicht-Entfernung

CDU-Politikerin: "Erschreckender Akt der Kulturbarberei"

Kulturstaatsministerin Monika Grütters hat sich in die Debatte über ein Gedicht von Eugen Gomringer eingeschaltet. Das Gedicht, das an der Wand der Alice-Salomon-Hochschule geschrieben steht, soll übermalt werden. Studentinnen empfinden es als sexistisch - Frauen würden darin als Objekte behandelt. Die Übermalung wäre ein "erschreckender Akt der Kulturbarbarei" kritisierte die CDU-Politikerin. Der Axel Springer Verlag stellte das Gedicht unterdessen in spanischer Sprache auf das Leuchtband an seiner Fassade. Welt-Chefredakteur Ulf Poschardt twitterte: "Gegen den Irrsinn der Gedichtübermaler und Kunstfreiheitsgegner".

Elton John kündigt Rückzug von der Bühne an

Musiker will sich mit Welttournee verabschieden

Elton John hat seine Abschiedstournee angekündigt. Sie soll drei Jahre dauern. Vom kommenden September an will der 70-Jährige bis 2021 Konzerte auf der ganzen Welt geben. Danach wolle er sich intensiver um seine Familie kümmern, teilte der Musiker in New York mit. John hat mit seinem Ehemann, einem Filmproduzenten, zwei Kinder. Diese sind dann zehn und acht Jahre alt. Der Sänger und Komponist steht seit 50 Jahren auf der Bühne, er verkaufte 300 Millionen Alben. Zu seinen bekanntesten Hits gehören "Your Song" und "Candle in the Wind". John gewann fünf Grammys, einen Oscar und einen Golden Globe für "König der Löwen" sowie einen Tony Award für "Aida".

Syrische Autorin erhält Stipendium für Geflüchtete

Rasha Habbal ist erste Torschreiberin am Pariser Platz

Die Syrerin Rasha Habbal wird erste Torschreiberin am Pariser Platz in Berlin. Die 1982 in Hama geborene Autorin, die in Trier lebt, kann damit sechs Monate an einem eigenen literarischen Projekt arbeiten.Die Allianz Kulturstiftung und die Stiftung Brandenburger Tor haben in Zusammenarbeit mit dem Literarischen Colloquium Berlin das Stipendium erstmals für 2018 ausgelobt, wie sie mitteilten. Es richtet sich an Schriftsteller, die in Deutschland leben, weil sie in ihren Heimatländern bedroht oder verfolgt wurden. Habbal lebt seit 2015 in Trier. Sie schreibt auf Arabisch. Derzeit arbeitet sie nach Ansicht der Jury an einem besonders vielversprechenden Roman über die Lebensbedingungen im Exil in Deutschland. Am 1. Februar soll die Stipendiatin bei einem Empfang bei der Stiftung Brandenburger Tor vorgestellt werden.

Musikpreis für Berliner Vision String Quartet

Jürgen Ponto-Stiftung zeichnet herausragende Streichquartette aus

Das Vision String Quartet aus Berlin erhält den mit 60 000 Euro dotierten Musikpreis der Jürgen Ponto-Stiftung. Das Ensemble um Jakob Encke, Daniel Stoll, Sander Stuart und Leonard Disselhorst habe eine eigene künstlerische Handschrift entwickelt, erklärte die Jury der Frankfurter Stiftung. "Das gleichberechtigte Nebeneinander von klassischer und populärer Musik halten wir für einen vielversprechenden Weg, neue Publikumsschichten für das Genre der Kammermusik zu gewinnen." Der Preis soll am 4. September beim Beethovenfest in Bonn verliehen werden. Mit dem Preis zeichnet die Jürgen Ponto-Stiftung seit 2012 herausragende Streichquartette aus.

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Fazit

"Staatssicherheitstheater"Ein Ventil für Gegenwartsekel
Drei Männer lesen einen Stadtplan Berlin, den sie auf den Rücken eines vierten Mannes gelegt haben, der vor ihnen sitzt. (Harald Hauswald/Volksbühne Berlin)

In Leander Haußmanns "Staatssicherheitstheater" sieht unser Kritiker viele Männer mit Handtäschchen in krustigen Klamotten. Deren Stasi-Tätigkeit taugt Haußmann, um Abscheu über die Gegenwart auszudrücken. Doch mit dem Jahr 2018 hat das wenig zu tun.Mehr

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