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Interpretationen | Beitrag vom 30.05.2021

Hommage an Wolfgang BoettcherBach als lebenslange Herausforderung

Gast: Wolfgang Boettcher, Cellist; Moderation: Mascha Drost

Bach als lebenslange Herausforderung: Der Cellist Wolfgang Boettcher (1935-2021) (Privat / Berliner Philharmoniker)
Bis zu seinem Tod im Februar bildete der Cellist Wolfgang Boettcher zahlreiche Instrumentalisten aus. (Privat / Berliner Philharmoniker)

Wer barocke Streichermusik liebt und Cello spielt, kommt um sie nicht herum: Die sechs Solo-Suiten von Johann Sebastian Bach sind ein Höhepunkt des Repertoires. Auch den verstorbenen Interpreten und Lehrer Wolfgang Boettcher haben sie herausgefordert.

Wolfgang Boettcher war Solocellist der Berliner Philharmoniker und Professor an der Universität der Künste Berlin. Bis zu seinem Tod im Februar 2021 bildete er zahlreiche Instrumentalisten aus – die oft ihrerseits renommierte Cellisten und Lehrer wurden. 2009 war er unser Studiogast und sprach auf seine unverwechselbare Weise, mit "Berliner Schnauze", über die Solo-Suiten von Johann Sebastian Bach. Diese Sendung ist hier noch einmal zu hören.

Hier geht es zur Playlist der Sendung.

Kein Cellist, keine Cellistin, die sich nicht an diesen Suiten versucht hätten – und nicht wenige der berühmten Interpreten haben sie aufgenommen, manchmal sogar mehrfach. Denn eines steht fest: Fest steht hier nichts. Man weiß weder, wann genau Bach diese Werke komponiert hat, noch für wen oder warum überhaupt.

Bei der letzten Suite, der Nummer Sechs in D-Dur, ist noch nicht einmal klar, für welches Instrument sie eigentlich gedacht war. Denn sie verlangt nach einer fünften Saite, die auf dem modernen Cello nicht vorhanden ist. Unabhängig davon werden Bachs Suiten als einer der absoluten Höhepunkte der Celloliteratur betrachtet.

Adel verpflichtet: 2016 wurde der Cellist Wolfang Boettcher von der japanischen Kaiserin Michiko am Klavier begleitet. (picture alliance / AP Images / Pool for Yomiuri)Adel verpflichtet: 2016 wurde der Cellist Wolfang Boettcher von der japanischen Kaiserin Michiko am Klavier begleitet. (picture alliance / AP Images / Pool for Yomiuri)

Dass diese Werke ihren Weg von höfischen Kammern über die stillen Kämmerlein der Cellisten schließlich in den Konzertsaal gefunden haben, dass sie nicht als cellistische Etüden, sondern als gedankentiefe Meisterwerke wahrgenommen werden, ist das Verdienst von Pablo Casals.

Die legendären Bach-Aufnahmen des katalanischen Musikers, entstanden zwischen 1927 und 1939, werden in diesen "Interpretationen" zu hören sein, ergänzt um Lesarten von Pierre Fournier, Boris Pergamenschikow, Paul Tortelier, Gavriel Lipkind und Anner Bylsma sowie natürlich von Wolfgang Boettcher.

Bach und die Quellen

Für Boettcher stand fest, dass es den einen Bach-Stil nicht gibt – "aber wir müssen uns alle bemühen, näher an das heranzukommen, was wir von diesem großen Meister wissen, wie das Instrumentarium war und was für einen Musiker um 1720 selbstverständlich war. Und da gibt es Quellen, die kann man lesen."

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Auch Bach selbst zeigt sich in diesen Suiten von sehr unterschiedlichen Seiten, von dem vergleichsweise überschaubaren Beginn in der G-Dur-Suite über die komplexe Fuge im c-Moll-Präludium bis zu den schwindelerregenden virtuosen Passagen der D-Dur-Suite, die mit der himmlischen Ruhe ihrer Allemande zugleich eines der wohl schönsten Stücke aufweist, die je für ein unbegleitetes Streichinstrument geschrieben wurden.

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