Donnerstag, 03.12.2020
 

Kulturnachrichten

Samstag, 18. April 2020

Holländer haben Corona-Wörterbuch

Corona-Huster, Händeschüttelverbot, Lockdown-Party: Die Coronakrise hat das Niederländische um viele neue Wörter bereichert. Mehr als 700 umfasst das neue online Corona-Wörterbuch, wie der niederländische TV-Sender NOS am Samstag berichtet. Es ist eine Initiative des Chefredakteurs des Standard-Wörterbuchs Van Dale, Ton den Boon. In dem Wörterbuch finden sich viele zusammengesetzte Wörter wie Corona-Krise, aber auch Corona-Huster. So heißen diejenigen, die Polizisten bei einer Festnahme absichtlich anhusten. Dazu gehören auch neue Kombinationen wie Lockdown-Kilos oder Corona-Frisur - gemeint ist der zwangsläufig wilde Haarwuchs, weil die Friseure geschlossen sind, oder der misslungene Haarschnitt, weil man selbst zur Schere griff. 70 Wörter, so schätzt der Sprachwissenschaftler, könnten dauerhaft in das Standard-Wörterbuch aufgenommen werden. Dazu gehört sicher die Eineinhalbmeter-Gesellschaft.

Auschwitz-Komitee kritisiert Versetzung eines Priesters

Das Internationale Auschwitz Komitee hat die Versetzung eines afrikanischen Priesters innerhalb des Bistums Speyer nach rassistischen Übergriffen kritisiert. Für die Demokratie und die Gemeinschaft der Gläubigen sei dies eine massive und bittere Niederlage, die weit über den betroffenen Ort hinaus Rechtsextreme in ihrem Hass bestätigen und bestärken werde, teilte das Internationale Auschwitz Komitee mit. Das Bistum Speyer hatte am Freitag bekanntgegeben, dass der katholische Pfarrer Patrick Asomugha nach einer Morddrohung und wiederholten Anfeindungen seine Pfarrei in Queidersbach im Landkreis Kaiserslautern verlässt. "Die Sorge für den Schutz und die Gesundheit von Pfarrer Asomugha macht diesen Schritt unumgänglich", teilte das Bistum mit. Asomugha, der aus Nigeria stammt und die Pfarrei seit 2017 leitet, werde die Pfarrei bis Montag verlassen. Dies hätten der Pfarrer und das Bistum gemeinsam beschlossen.

Hessen verzichtet wegen Corona auf Sitzenbleiben

Das Land Hessen verzichtet während der Corona-Krise auf das Sitzenbleiben von Schülern mit schlechten Leistungen. Das Kultusministerium in Frankfurt am Main teilte mit, wegen der Schulschließungen sei die Leistungsbewertung in diesem Schulhalbjahr nur eingeschränkt möglich. Deshalb solle in der Regel eine Versetzung erfolgen. Bei Schülern, die vor der Schließung schlechte Leistungen gezeigt hätten, solle auf die Möglichkeit der freiwilligen Wiederholung hingewiesen werden.

Grütters will Hilfe für Kulturszene nachjustieren

Nach Kritik an ersten Hilfspaketen will Kulturstaatsministerin Monika Grütters weiter an der Unterstützung für die Kulturszene feilen. Sie werde sich weiter mit aller Kraft dafür einsetzen, die einzigartige Kulturlandschaft in Deutschland in all ihrer Vielfalt zu erhalten, sagte die CDU-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Dazu gehöre natürlich auch, dass die Bundesregierung die bestehenden Hilfsmaßnahmen beständig überprüfe und gegebenenfalls auch nachjustiere. Die unterschiedlichen Hilfsprogramme in den Ländern hatte der Deutsche Kulturrat zuvor als ungerecht kritisiert. Für diesen "Förderflickenteppich" gebe es keinen nachvollziehbaren Grund, hieß es dort. Auch Verbände von Schauspielern und bildenden Künstlern sehen weiteren Regelungsbedarf.

Zehntausende stellen Kunstwerke nach

Der Aufruf des kalifornischen J. Paul Getty Museums, während der Corona-Krise Kunstwerke nachzustellen, hat überraschend großen Zuspruch gefunden. Das Museum habe bereits etwa 100 000 Einsendungen bekommen, sagte die Getty-Mitarbeiterin Annelisa Stephan der Deutschen Presse-Agentur. Das Museum postet die Zusendungen auf Twitter, Instagram und Facebook. Besonders beliebt seien Gemälde von Vincent van Gogh, Jan Vermeer, Rembrandt, Salvador Dalí und Frida Kahlo. Van Goghs "Schwertlilien"-Gemälde wurde etwa aus Knete, Perlen und gehackten Möhren nachgeahmt, für Vermeers "Mädchen mit dem Perlenohrring" musste ein Mops mit Kopftuch und Ohrring herhalten. Manche Teilnehmer hätten nach eigenen Angaben viele Stunden an ihren Nachahmungen gebastelt. "Also viel länger, als jemand im Museum vor einem Kunstwerk stehen würde", so die Getty-Mitarbeiterin.

Zeichentrick-Regisseur Gene Deitch ist gestorben

Der US-amerikanische Zeichentrick-Regisseur Gene Deitch ist vorletzte Nacht in Prag im Alter von 95 Jahren gestorben. Sein Streifen "Munro" gewann 1961 den Oscar für den besten animierten Kurzfilm. Er handelt von einem kleinen Jungen, der versehentlich zum Armeedienst eingezogen wird. Verantwortlich war Deitch auch für mehr als ein Dutzend "Tom und Jerry"-Folgen. Das Leben des Künstlers war selbst filmreif: 1959, auf dem Höhepunkt des Kalten Kriegs, reiste er zu Geschäftsverhandlungen nach Prag, wo er seine künftige Ehefrau traf und für immer blieb. Deitch bezeichnete sich als einzigen freien US-Amerikaner, der drei Jahrzehnte hinter dem Eisernen Vorhang lebte.

Anträge für Autokinos stark angestiegen

Durch die Corona-Krise ist die Zahl von Anträgen für Autokinos stark gestiegen. Die Bundesnetzagentur hat dafür seit Anfang März bundesweit 43 Rundfunkfrequenzen zugeteilt. Fast 80 weitere Anträge lägen noch vor und würden zügig bearbeitet. Vor der Corona-Krise hätte es nur vereinzelt Nachfragen gegeben. Die Bundesnetzagentur muss Autokinos eine Erlaubnis dafür geben, dass sie die Tonspur der Filme über die Autoradios senden darf. Dabei muss gewährleistet sein, dass andere Funksignale dadurch nicht gestört werden.

Rolling Stones beteiligen sich an Benefiz-Konzert

Die Rolling Stones haben angekündigt, dass die Band sich heute an einem Konzert zu Gunsten der Weltgesundheitsorganisation beteiligt. Bei der Show "One World - Together at Home" wollen außerdem Künstler wie Elton John, Paul McCartney, Taylor Swift, Billie Eilish, Lady Gaga und viele andere auftreten. Zahlreiche Sender übertragen live im Internet. Mit dem Konzert soll Geld zugunsten eines Fonds der WHO zur Bekämpfung der Corona-Pandemie gesammelt werden.

Deutsche MeToo-Anlaufstelle meldet 255 Vorfälle

255 Menschen haben sich in den vergangenen anderthalb Jahren bei einer Anlaufstelle für sexuelle Belästigung beim Theater und Film gemeldet. Eine Beraterin der Vertrauensstelle sagte dem Magazin "Der Spiegel", in 18 Monaten habe die Einrichtung etwa 500 Beratungsgespräche geführt. Dabei sei es um alle Formen von Machtmissbrauch gegangen, von Anstieren bis hin zu schweren Straftaten. Innerhalb des ersten Jahres seien elf Vergewaltigungsvorwürfe am Arbeitsplatz gemeldet worden.

Steigerlied und Trinkhallenkultur werden Kulturerbe

Das Steigerlied und die Trinkhallenkultur werden in das immaterielle Kulturerbe von Nordrhein-Westfalen aufgenommen. Aus 18 Bewerbungen habe eine Jury diese beiden Traditionen ausgewählt, teilte das NRW-Kulturministerium in Düsseldorf mit. Das Steigerlied beginnt mit den Zeilen "Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt" und wird auch nach dem Ende des Steinkohlebergbaus bei vielen Gelegenheiten gesungen. Die Trinkhallen sind ein Markenzeichen des Ruhrgebiets.

Renommierte Musikfestivals abgesagt

Das Montreux Jazz Festival und das Schleswig Holstein Musik Festival finden in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie nicht statt. Die Veranstalter des Jazz Festivals teilten mit, sie versuchten, unter anderem die Konzerte von Lionel Richie, Brittany Howard, Lenny Kravitz und der Black Pumas auf das kommende Jahr zu verschieben. Als neuer Termin ist der 2. bis 17. Juli 2021 geplant. Auch das Schleswig Holstein Musik Festival ist abgesagt worden. Stattdessen werde es einen "Sommer der Möglichkeiten" mit ausgewählten Konzerten in besonderen Formaten geben, teilte das Festival mit. Die geplanten Konzerte von Gregory Porter, Tom Jones und dem Porträtkünstler Xavier de Maistre gemeinsam mit Startenor Rolando Villazón würden auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Das SHMF gilt mit mehr als 200 Konzerten, 126 Spielstätten und einem Kartenkontingent von fast 200 000 Tickets als Deutschlands größtes Klassik-Festival.

Comic-Salon Erlangen findet nicht statt

Der Internationale Comic-Salon Erlangen wird wegen der Coronavirus-Pandemie zum ersten Mal in seiner fast 40-jährigen Geschichte abgesagt. Das Festival sollte eigentlich vom 11. bis 14. Juni stattfinden. Es wäre der 19. Comic-Salon gewesen. "Schon die weitreichenden Maßnahmen zur Eindämmung des neuartigen Corona-Virus hatten die Vorbereitungen für das Kulturamt der Stadt Erlangen, für die zahlreichen Kooperationspartner und die Aussteller erheblich erschwert", teilte das Kulturamt in einer Presseerklärung mit. "Die bundesweite Absage von Großveranstaltungen bis mindestens zum 31. August hat nun für endgültige Klarheit gesorgt."

Kulturnachrichten hören

April 2020
MO DI MI DO FR SA SO
30 31 1 2 3 4 5
6 7 8 9 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29 30 1 2 3

Fazit

Neue Serie "Spy City"Hauptstadt der Spione und Klischees
Szenenfoto aus der Spionage-Serie "Spy City", auf dem der Schauspieler Dominic Cooper in der Rolle des Agenten Fielding Scott mit einem gefalteten Schachbrett unter dem Arm an zwei Soldaten vorbei die Straße hinunter läuft. (Dusan Martincek /  Odeon Fiction )

Die neue Serie "Spy City" spielt in Berlin während des Kalten Krieges. Sie bietet alles, was zu einem zünftigen Spionagethriller dazugehört: Mord, Intrigen, Bösewichter. Leider bleibt die Serie damit auch in allzu bekannten Klischees hängen.Mehr

weitere Beiträge

Kompressor

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur