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Die besondere Aufnahme / Archiv | Beitrag vom 18.04.2020

Holger Falk und Steffen Schleiermacher interpretieren Eislers LiederSuche nach der eigenen Sprache

Moderation: Olaf Wilhelmer

Hanns Eisler hat den Arm um seine Frau Anna Louise gelegt und schaut ihr in die Augen. (imago / Everett Collection)
Bewegtes Leben: Der Komponist Hanns Eisler wartet mit seiner Frau Louise 1948 in New York auf einen Flug nach Europa, nachdem er aus den USA ausgewiesen worden war. (imago / Everett Collection)

Rund 500 Lieder hat Hanns Eisler komponiert. Holger Falk und Steffen Schleiermacher haben daraus eine Auswahl eingespielt und widmen sich dem wenig bekannten Frühwerk des österreichischen Komponisten.

"Auferstanden aus Ruinen…" – das ist, man muss es zugeben, das bekannteste Lied von Hanns Eisler. Was Johannes R. Becher und Eisler – der in Leipzig geborene Österreicher – der jungen DDR hier ins Stammbuch schrieben, war immerhin so brisant, dass die Nationalhymne lange Zeit nur instrumental zu hören war. Und trotzdem hat die Urheberschaft an diesem Werk Eisler einen problematischen Ruhm beschert, sei es aus ideologischen Gründen oder aus Unkenntnis der komplexen Biografie des Komponisten.

Dem Liede zugewandt

Dabei waren Lieder gleich welcher Art das ureigene Ausdrucksmittel Eislers. Über 500 hat er komponiert. Die wenigsten davon sind wirklich bekannt, und das ist in vielen Fällen bedauerlich. 2016 begannen der Pianist Steffen Schleiermacher und der Bariton Holger Falk nach langjähriger Beschäftigung mit Eisler das Projekt einer repräsentativen Einspielung seiner Lieder quer durch alle Schaffensperioden.

Zwei Männer stehen an einem Flügel beieinander und schauen gemeinsam in ein Notenheft. (privat)Holger Falk (li.) und Steffen Schleiermacher in der Abtei Marienmünster bei den Aufnahmen zum Eisler-Projekt. (privat)

Aufgenommen wurden Lieder aus dem Frühwerk, aus der Zeit der Weimarer Republik, aus den Jahren des Exils ("Hollywooder Liederbuch") und aus den frühen Jahren der DDR, die zugleich die späten Jahre Eislers waren.

Eisler - der Romantiker?

Die letzten Aufnahmen dieser inzwischen preisgekrönten Koproduktion des Plattenlabels Dabringhaus und Grimm mit Deutschlandfunk Kultur fanden im Sommer 2019 statt. Zum Abschluss der Reihe blicken Falk und Schleiermacher – als Lied-Duo seit vielen Jahren ein eingespieltes Team – auf die frühen Jahre Eislers zurück. Auf Werke, die ganz unter dem Eindruck des spätromantischen Kunstliedes entstanden.

Pfitzner, Reger und vor allem Mahler heißen die Vorbilder des jungen Meisters, auch zu erkennen an der Textauswahl. So gehört Eisler zu den nicht sehr vielen Komponisten, die ebenfalls Gedichte aus der Sammlung "Des Knaben Wunderhorn" vertont haben.

Banalität und hoher Ton

In den Liedern op. 2, die zu Beginn der 1920er Jahre entstanden, bewegt sich Eisler bereits im Umfeld der Schönberg-Schule und schreibt kompakte Stücke, in denen jeder einzelne Ton mit Bedacht gesetzt ist. In den "Zeitungsausschnitten" op. 11 blitzt ein paar Jahr später ein anderer Eisler hervor – einer, der mit Lust banale Alltagstexte verwendet und sie mit dem hohen Ton des Kunstliedes in bisweilen tragikomischer Weise konfrontiert.

Hanns Eisler
Frühe Lieder (1917-1927)

Holger Falk, Bariton
Steffen Schleiermacher, Klavier

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