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Nachspiel | Beitrag vom 02.08.2020

Hohn und SportVon Schadenfreude und Stimmungskanonen

Von Florian Felix Weyh

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Teilnehmer eines Korbrennens tragen übereinander gestapelte Körbe. (Getty Images / Ullstein Bild / Reinhold Thiele)
Die Briten sind bekannt für ihre exzentrischen Sportarten - hier das sogenannte Korbrennen. (Getty Images / Ullstein Bild / Reinhold Thiele)

Gerade im Hochleistungssport geht es um Selbstdisziplin und Konzentration im Training und beim Wettkampf. Dennoch schließen sich Sport und Humor nicht aus. Über unglückliche Versprecher, Situationskomik und starke Konter.

Neben der ganzen körperlichen Ertüchtigung wird viel über den Sport gesprochen und dabei kann so einiges danebengehen. Ob nun der freudschen Natur oder anders geartet, die guten alten Versprecher geben nicht selten Anlass zur Belustigung. Ein schillerndes Beispiel aus dem Handball: 

"Feueralarm in einer voll besetzten Halle beim Handball-Pokal-Viertelfinal zwischen dem TVB Stuttgart und dem THW Kiel. Was war geschehen? Laut erster Diagnose hatte es an einer Grillstation mächtig gequalmt. Hallen­spre­cher Jens Zimmermann sprach von einem Wurst-Case-Szenario."
Süddeutsche Zeitung, Dezember 2019

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Da ist Mann wohl besser dran, wenn er einfach schweigt. Das dachte sich auch der berühmte Boxer Wilhelm von Homburg Ende der 60er-Jahre während eines Interviews im Aktuellen Sportstudio mit Moderator Rainer Günzler.

Rainer Günzler: "Wie fühlen Sie sich nach den fünf Niederschlägen von gestern Abend?"

Wilhelm von Homburg: Schweigt.

Rainer Günzler stellte die zweite Frage. Es folgt erneutes Schweigen.

Rainer Günzler: "Ich fand Sie in der zweiten Runde besser, muss ich Ihnen sagen, als jetzt im Augenblick. Ich fand Sie echt besser, denn da taten Sie was, und jetzt schweigen Sie! Warum schweigen Sie?"

Wilhelm von Homburg: Schweigt und schaut in die Ferne, vorbei an Günzler. Um seinen Mund ein leichtes, fast spöttisches Grinsen.

Achtung Altherrenhumor! Und wo bleiben die Frauen? 

Und obwohl die Kunst der Komik im Sport auf den ersten Blick eine reine Männer-Domäne zu sein scheint, die zu oft auch auf Kosten der Frauen geht, diese halten wortgewaltig gegen: 

"I pick players by penis size."

"Ich bin Profi. Ich stelle nach Schwanzlänge auf", hatte die erste Trainerin im deutschen Män­nerfußball, Imke Wübbenhorst, auf die Frage geantwortet, ob sie eine Sirene auf dem Kopf tragen werde, damit ihre Spieler schnell eine Hose anziehen könnten, bevor sie in die Kabine kommt.

"Sexistische Frage – noch sexistischere Antwort. Diese aber als ultimativer Konter gegen männlichen Fußballchauvinismus."  So Kommentator Arno Orzessek im Deutschlandfunk.

Marathon mit Vanille im Stiefel

Neben unglücklichen Versprechern, Situationskomik und starken Kontern gibt es ganze Sportarten, die sich bewusst dem Witz verschrieben haben. 

"Wem die Rekorde noch nicht ungewöhnlich genug sind, der wundert sich wohl spätestens jetzt über die Kategorie 'Lauf mit Gummistiefeln voller Vanillesauce', die sich in England größerer Beliebtheit zu erfreuen scheint. Zumindest werden von der Insel zahlreiche einschlägige Rekorde gemeldet: Pete Allison lief die 100 Meter in 13,79 Sekunden, Frederick Maillardet die Meile in 4:47,4 Minuten. Da ist es schon fast ein Wunder, dass sich noch niemand an die Marathonstrecke herangetraut hat."

Ähnlich kurios: Die WoK-WM von Stefan Raab und die finnischen Meisterschaften im Gummistiefel-Weitwurf, die auch in Deutschland einigen Anklang unter den mehr oder minder sportlichen Spaßvögeln gefunden haben.

Wer nutzt und wem nützt der Humor im Sport am meisten?

Lachen ist was Schönes, doch was passiert, wenn Humor zur Waffe der Konkurrenz wird, das musste Ausnahme-Athlet Jürgen Hingsen am eigenen Leib erfahren: Und zwar nicht nur einmal – legendär die drei Fehlstarts im Einhundertmeterlauf bei Olympia 1988, die zur Disqualifikation führten. Hingsen versagte immer wieder, sobald er auf seinen Angstgegner Daley Thompson traf. Nicht zuletzt aufgrund von Scherzen am Rande der Regelverletzung brachte er im Wettkampf nichts mehr zustande und wurde damit zur Lachnummer der Nation. Thompson nutzte Spott und Hohn als psychologische Waffe, um seinen Konkurrenten auszuschalten. Genützt hat das allerdings nicht nur ihm, sondern uns allen.

Den Sesselsportlern, Besserwissern, Wohnzimmer-Hohnweltmeistern, die sich über jede körperliche und sprachliche Fehlleistung von Athleten - und Athletinnen -  auf Platz, Feld und Tartanbahn mit Schadenfreude mokieren, ihnen wäre das niemals passiert.

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