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Studio 9 - Der Tag mit ... | Beitrag vom 15.07.2019

Hohenzollern wollen Kunstgegenstände zurückGier, Kriegsbereitschaft und Machtpolitik

Wolfgang Kaschuba im Gespräch mit Axel Flemming

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Das Bild zeigt das Schloss Cecilienhof, das gerade im Rahmen des Sonderinvestitionsprogramms des Bundes und der Länder Berlin und Brandenburg für die preußischen Schlösser und Gärten saniert wurde. (dpa / picture alliance / Christoph Soeder)
Das Schloss Cecilienhof wurde gerade erst mit Bundes- und Landesmitteln saniert. Jetzt fordern die Hohenzollern hier ein Wohnrecht, berichtet der "Tagesspiegel". (dpa / picture alliance / Christoph Soeder)

Die Hohenzollern fordern offenbar tausende Kunstgegenstände zurück. Der Kulturwissenschaftler Wolfgang Kaschuba wirft der Familie vor, ihrer historischen Verantwortung nicht gerecht zu werden.

Das Adelshaus Hohenzollern und die öffentliche Hand streiten seit Längerem über die Rückgabe von tausenden Kunstgegenständen. Georg Friedrich Prinz von Preußen verlangt laut dem "Tagesspiegel" auch ein Wohnrecht im Potsdamer Schloss Cecilienhof oder anderen Schlossvillen.

Die entsprechenden Verhandlungen laufen offenbar seit Jahren und wurden erst jetzt bekannt. Auch die Länder Berlin und Brandenburg sind beteiligt.

Der Kulturwissenschaftler Wolfgang Kaschuba sprach im Deutschlandfunk Kultur von einer "unsäglichen Forderung" der Hohenzollern. Diese würden ihrer historischen und politischen Verantwortung nicht gerecht, betonte er.

Das Kaiserreich sei nicht an einem "Übermaß an Demokratie" zugrunde gegangen, sagte Kaschuba - sondern an Kriegsbereitschaft, Macht- und Kolonialpolitik gescheitert.

Die Geschichte mittragen

Die Nachfahren der Hohenzollern täten gut daran, diesen Teil der Geschichte mitzutragen - zusammen mit den vielen Familien in Deutschland, Europa und der Welt, die durch diese Politik Familienmitglieder oder auch ihr Vermögen verloren hätten.

Angemessen wäre es, eine Hohenzollern-Stiftung einzurichten - welche die kritische Aufarbeitung von Geschichte fördern könnte, schlug Kaschuba vor. Gerade die Kolonialgeschichte sei noch viel zu wenig erforscht, sagte er. Stattdessen wandele das Hohenzollen-Haus den bekannten Slogan "Geiz ist geil" in "Gier ist geil" ab. Die Kunstgegenstände in den Museen seien inzwischen im Besitz der Gesellschaft - "insofern ist ein machtvolles Haus auch Opfer seiner eigenen Machtpolitik".

Das ehemalige Herrscherhaus habe bereits in der Vergangenheit einige Gegenstände zurückerstattet bekommen - und nichts Besseres zu tun gehabt, als sie auf öffentlichen Auktionen zu versteigern, kritisierte Kaschuba. Das sei kein Umgang mit der eigenen Verantwortung für die deutsche Geschichte.

(ahe)

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