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Fazit / Archiv | Beitrag vom 11.03.2020

Hohe Strafe für Harvey WeinsteinZeichen für eine neue Zeit

Von Peter Mücke

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Harvey Weinstein auf dem Weg zum Gericht in New York. (Alec Tabak / Zuma Wire / imago-images)
Harvey Weinstein auf dem Weg zum Gericht in New York. (Alec Tabak / Zuma Wire / imago-images)

Für 23 Jahre muss Filmproduzent Harvey Weinstein ins Gefängnis. Die hohe Strafe sei ein Zeichen, kommentiert ARD-Korrespondent Peter Mücke: Mächtige Männer könnten nicht mehr darauf setzen, dass sexuelle Übergriffe stillschweigend toleriert werden.

Die Reue – wenn sie denn überhaupt ernst gemeint war – kam zu spät. Am Tag der Strafmaßverkündung bettelte der ehemalige König von Hollywood um Gnade. Er fühle tiefe Reue gegenüber den Opfern, gegenüber allen Frauen. Er sei völlig verwirrt. Er versuche wirklich ein besserer Mensch zu sein, flehte er den Richter an.

Großer Absturz und gesellschaftliche Ächtung

Größer könnte der Absturz gar nicht sein für den Mann, der nach den Worten seiner Hauptverteidigerin den Schlüssel zum Hollywood-Traumschloss hatte, in das alle hineinwollten. Jetzt hat Weinstein nicht mal mehr den Schlüssel für die Gefängniszelle, in der er wohl den Rest seines Lebens verbringen wird.

Und diese gesellschaftliche Ächtung eines Mannes, dem nicht nur Hollywood, sondern auch die US-amerikanische Politprominenz zu Füßen lag, die gerne das Geld des Millionärs nahm und sich in der Prominenz des Erfolgsproduzenten sonnte, gegen den es schon seit Jahrzehnten schwere Vorwürfe gab, wiegt vielleicht schwerer als die Strafe selbst.

Der Prozess stand auf der Kippe

Am Ende war es schwierig, Weinsteins Vergehen überhaupt vor Gericht zu bringen. Von den mehr als 80 Frauen, die dem Filmmogul sexuelle Übergriffe vorwerfen, fanden sich gerade mal zwei, die ihre Fälle durchfechten konnten oder wollten: Die anderen waren verjährt, die Frauen hatten sich auf einen Deal mit Weinsteins Anwälten eingelassen oder die Fälle waren nicht justiziabel.

Das harte Urteil von 23 Jahren darf auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der New Yorker Prozess auf der Kippe stand. Die beiden verhandelten Fälle waren längst nicht so eindeutig, wie sie zunächst aussahen, weil beide Frauen auch einvernehmliche sexuelle Begegnungen mit Weinstein hatten und lange freundschaftlichen Kontakt zu ihm hielten. So sprach die Jury ihn auch nur in zwei von fünf Anklagepunkten schuldig - und zwar in den am wenigsten schwerwiegenden.

Kein Exempel, sondern ein Signal

Dass das Strafmaß dennoch so hoch ausfiel – die Verteidigung hatte fünf, die Anklage 25 Jahre gefordert – werten Weinsteins Anwälte als Beleg dafür, dass an ihrem Mandanten ein Exempel statuiert werden soll. Ein erstes Opfer für die sogenannte #MeToo-Bewegung, die jetzt – wie Weinstein vor Gericht sagte – tausende Männer beschuldige, weshalb er sich "Sorgen um dieses Land mache".

Auch wenn dieser Vorwurf aus der Luft gegriffen ist – der Richter hat sehr genau begründet, warum er so geurteilt hat – ist das Strafmaß, ja, der gesamte Prozess ein Beleg dafür, dass sich das Klima in den USA und nicht nur dort geändert hat.

Vorbei die Zeiten, in denen ein Verhalten, das Weinstein und anderen mächtigen Männern vorgeworfen wird, stillschweigend toleriert wurde. Oder sich ein Jeffrey Epstein, der einen Sexring mit minderjährigen Mädchen betrieben haben soll, regelrecht freikaufen konnte.

Das ist das eigentliche Signal, das vom Weinstein-Urteil ausgehen sollte: Die Zeiten haben sich geändert – aber trotzdem muss immer im Einzelfall entschieden werden. Pauschale Vorverurteilungen darf es auch in den neuen Zeiten nicht geben. Das gilt für die mutmaßlichen Opfer ebenso wie für die mutmaßlichen Täter.

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