Klangkunst, vom 11.09.2020, 00:05 Uhr

Hörstück über das Ritual der TarantellaTanz Sediment

Installation von Alessandra Eramo
Installation von Alessandra Eramo

Es geschah meist bei der Tabakernte im Sommer: Frauen wurden "von der Tarantel gestochen". Sie verfielen innerer Unruhe und Wahnsinn. Der Tarantismus trat bis in die 1960er Jahre im süditalienischen Apulien auf. Die Betroffenen organisierten Heilrituale, um ihren Körper durch frenetische Tarantellamusik und Tanz vom (symbolischen) Spinnengift zu befreien. Gleichzeitig gaben sie dem Leiden und der Unterdrückung eine Stimme.

Inspiriert von dieser Praxis erschafft Alessandra Eramo ein Trance-Musikritual, das klangliche Erinnerungen zutage fördert wie das Sediment eines Flusses. Eine wilde Stimme, laut, sanft, selbstbewusst, bestialisch, ungelernt, verletzlich. Ein archaischer Klangraum im Körper des modernen Menschen.


Ursendung
Tanz Sediment
Von Alessandra Eramo
Komposition, Solostimme, Field Recording und Elektronik: Alessandra Eramo
Chor: Inma Bernlis, Alessandra Eramo, Ianni Luna, Morena Miceli, Sonia Noya
Sprecherin (Altgriechisch): Eirini Fountedaki
Sprecherin (Salentinischer Dialekt): Sonia Martina
Rahmentrommel: Antonino Secchia
Produktion: Deutschlandfunk Kultur/SAVVY Contemporary/DISK-CTM 2019–2020
Länge: 28'04

Anschließend:
Alessandra Eramo im Gespräch


Alessandra Eramo, geboren 1982 in Taranto/Italien, lebt als Vokalistin und Klangkünstlerin in Berlin. Sie studierte Klassischen Gesang und Intermediale Kunst und Performance Kunst in Mailand, Stuttgart und Venedig. In ihren Performances und Installationen erforscht sie Grenzbereiche von menschlicher Stimme und Geräusch als soziopolitisches Material. Zahlreiche internationale Stipendien und Gastaufenthalte.

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