Hörspiel, vom 16.06.2020, 20:10 Uhr

HörspielZwei oder drei Porträts

Von Helmut Heißenbüttel

Woraus setzt sich das Bild eines Menschen zusammen? Man kennzeichnet eine Person, indem man Eigenschaften benennt. Porträts entstehen dadurch, dass man solche Sätze summiert. Diese Summierung kann gleichzeitig als das Gerede aufgefasst werden, das über eine Person in Umlauf ist.

Der Schriftsteller Helmut Heißenbüttel in seinem Borsflether Haus im Kreis Steinburg, aufgenommen am 17.6.1996. (picture-alliance / dpa / Kay Nietfeld)
Der Schriftsteller Helmut Heißenbüttel in seinem Borsflether Haus im Kreis Steinburg. (picture-alliance / dpa / Kay Nietfeld)

Solche Einkreisungen werden nun so durchgeführt, dass aus dem Gerede eine Vorstellung sich ablöst, diese Vorstellung jedoch nicht zur Eindeutigkeit gelangt. Die Person wird nicht geschaffen, sie bleibt offen. Die Probe aufs Exempel bildet die Auflösung der Sätze zweier Porträts und ihre Zusammensetzung zu einem dritten. Wie in einem Reißverschlussverfahren werden Charakterisierungen, die bereits fixiert scheinen, zu einem Komplex zusammengefügt. Das Hörspiel „Zwei oder drei Porträts” erhielt den Hörspielpreis der Kriegsblinden 1971.

Zwei oder drei Porträts
Von Helmut Heißenbüttel
In Zusammenarbeit mit Hansjörg Schmitthenner/Heinz Hostnig
Komposition: Amon Düül
Regie: Heinz Hostnig
Mit Hanne Wieder, Christoph Quest, Rüdiger Bahr, Paul Hoffmann, Heinz Baumann, Heinz Musäus u.a.
Produktion: BR/NDR/SR 1970

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