Hörspiel, vom 12.05.2021, 22:03 Uhr

Hörspiel: Wie gedenken, wie sich erinnern?Die Zeremonie

Baracke Nummer 6 des Lagers Beaune la Rolande im Shoah Memorial in Paris, gestiftet zur Erinnerung an deportierte Juden aus Frankreich. (imago images/Hans Lucas)
Baracke Nummer 6 des Lagers Beaune la Rolande im Shoah Memorial in Paris, gestiftet zur Erinnerung an deportierte Juden aus Frankreich. (imago images/Hans Lucas)

Jedes Jahr fuhr sie mit der Mutter und der Großmutter nach Beaune-la-Rolande. Hier war ab 1941 ein Durchgangslager für Juden auf dem Weg nach Auschwitz. Für den Großvater war es die letzte Station auf französischem Boden. Am 14. Mai 1941 kam von der französischen Polizei die Vorladung zur Feststellung der Identität, wie es hieß. Dann mussten die Frauen für ihre Männer einen Koffer packen. So hat es die Großmutter erzählt. Aber wie es genau war, weiß die Enkelin nicht. "Die Fragen kommen später, lange nach dem Tod derer, denen man sie stellen wollte, denn anfangs will man es nicht wissen, wenn sie noch da sind, weil jedes Wort ein Gewicht mehr ist, das sich auf die Waage legt, und später dann wüsste man gerne alles."


Die Zeremonie
Von Cécile Wajsbrot
Aus dem Französischen von Hans Thill
Regie: Christiane Ohaus
Mit: Imogen Kogge, Christian Gaul, Pierre Clement, Tony de Maeyer, Christine Oesterlein, Cécile Wajsbrot
Ton und Technik: Thomas Monnerjahn, Susanne Beyer
Produktion: Deutschlandradio Kultur/RB 2011
Länge: 53'50
Eine Wiederholung vom 11.05.2011



Cécile Wajsbrot, 1954 in Paris geboren, studierte Literaturwissenschaften, schreibt Prosa und Hörspiele. 2014 Eugen-Helmlé-Übersetzerpreis, 2016 Prix de l’Académie de Berlin. Seit 2017 Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Einige Hörspiele, z.B. "Sirenengesang" (SR 2015), "W wie ihr Name" (SR/DKultur/France Culture 2012), "Der Raum gehört uns" (DKultur 2016). Cécile Wajsbrot lebt in Berlin und Paris. 

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