Hörspiel, vom 10.08.2021, 20:10 Uhr

Hörspiel von Heiner MüllerMommsens Block

Von Heiner Müller

Warum scheiterte der Historiker Theodor Mommsen am letzten Teil seiner Römischen Geschichte? Wie ist seine Schreibblockade zu erklären? Heiner Müller reflektiert in seinem Langgedicht auch die eigene Situation kurz nach der deutschen Wiedervereinigung.

Denkmal für den deutschen Historiker und Altertumswissenschaftler Theodor Mommsen (von Adolf Brütt) im Vorgarten der Humboldt-Universität. ( imago / Cathrin Bach)
Es geht um den Historiker Mommsen. Es geht um den Marmorblock vor der Humboldt-Universität. ( imago / Cathrin Bach)

Es geht um den berühmten Historiker und Nobelpreisträger Mommsen und es geht um Heiner Müller. Es geht um den Marmorblock vor der Humboldt-Universität, auf dem ersterer thronte, um dann "einen Staat lang" von Marx verdrängt zu werden, und es geht um einen "Schreibblock", eine Schreibblockade. Müller reflektiert, warum Mommsen den letzten Band der römischen Geschichte nicht schrieb. Dafür bemüht er keine dramatischen Personen, er sagt: "Ich".

Eine gängige Annahme lautet: Mommsen wollte den Band über die Kaiserzeit, über Abstieg und Verfall Roms, durchaus schreiben, aber ein Brand in der Berliner Machstraße zerstörte alle seine Unterlagen. Heiner Müller entwickelt eine viel überzeugendere Theorie: Wie allen großen Historikern sei Mommsen die Geschichte zur Last geworden. Er mochte sie nicht, die Cäsaren der Spätzeit, die jämmerliche und immer wieder siegreiche Art, in der große Ideen zerstört werden.


Mommsens Block
Von Heiner Müller
Regie: Jörg Jannings
Mit: Heiner Müller, Hermann Beyer, Ulrike Krumbiegel, Hanns Zischler, Jürgen Thormann
Komposition: Klaus Buhlert
Ton und Technik: Bernd Friebel, Monika Brummund
Produktion: DS Kultur/HR 1993
Länge: 38‘00


Heiner Müller lacht (imago images / Gueffroy). (imago images / Gueffroy)Heiner Müller, geboren 1929 in Eppendorf, Sachsen, war einer der wichtigsten deutschsprachigen Dramatiker der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Zudem schrieb er Lyrik, Prosa, Essays und Hörspiele. Zu seinen Auszeichnungen gehören der Büchner-Preis (1985), der Hörspielpreis der Kriegsblinden (1985, für "Die Befreiung des Prometheus") und der Hörspielpreis der Akademie der Künste (1989, für "Wolokolamsker Chaussee I-V") – beide Hörspielpreise zusammen mit Heiner Goebbels. Er war der letzte Präsident der Akademie der Künste Berlin (Ost) und starb 1995 in Berlin.

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