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Kompressor | Beitrag vom 06.12.2019

Hörspiel über Manson-RanchEin Zuhause für Cowboys und Serienmörder

Volker Präkelt im Gespräch mit Christine Watty

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Adam (Pernell Roberts), Little Joe (Michael Landon), Pa Ben (Lorne Greene), Eric Hoss Cartwright (Dan Blocker). (imago stock&people)
Die Cartwrights aus "Bonanza": Auf dergleichen Ranch wird ein paar Jahre nach den Dreharbeiten eine mordende Familie Unterschlupf finden. (imago stock&people)

Auf der Ranch des Pferdezüchters George Spahn wurde schon die Serie "Bonanza" gedreht. Später lebte dort die Manson-Familie. Ein Hörspiel erzählt jetzt die Geschichte dieses Ortes – und die ihres einsamen Besitzers.

In der Geschichte der Manson-Familie gibt es eine Figur, die aus der Rolle fällt: George Spahn. Er hatte einen kleinen Auftritt in "Once upon a time… in Hollywood", dem letzten Film von Quentin Tarantino, als "blinder alter Mann", dessen Ranch in Kalifornien Drehort diverser Westernfilme und Serien war – und eben auch Unterschlupf für die Manson-Familie wurde.

Über George Spahn gibt es nun ein Hörspiel: Es heißt "Der fünfte Engel" und läuft am 8. Dezember im NDR, online ist es bereits zu hören. Autor Volker Präkelt sah als Kind die Serie "Bonanza" und ist vor ein paar Monaten darauf gestoßen, dass die Ranch aus der Serie einem alten blinden Farmer gehörte – der dort die Manson-Familie beherbergte.

Was war das für eine Begegnung?

Präkelt sah Fotos von Spahn auf seiner Ranch mit seinem kleinen Hund und fragte sich: "Was war das wohl für eine Begegnung zwischen diesem Menschenfänger und Manipulator Charles Manson und einem alten Herrn, der völlig einsam und isoliert auf seiner Farm lebt?"

Spahn war ein Pferdezüchter, den es nach Kalifornien verschlug. Er wurde im Laufe seines Lebens immer einsamer. Seine Frau verließ ihn, und auch seine zehn Kinder besuchten ihn nicht mehr. Stimmen, die vor Charles Manson warnten, hätten ihn nicht mehr erreicht.

Mansons Inspiration: Die Bibel und die Beatles

Das Hörspiel erliege nicht der Faszination des Bösen, sagt Präkelt. Es gehe auch um die Frage, vor was für einem Hintergrund die Fantasien von Charles Manson entstanden sind: "Er hatte eigentlich zwei Quellen: Er hatte die Bibel; dort gibt es einen fünften Engel, der angeblich kommt, um die Welt zu retten, mit dem hat er sich identifiziert."

Zum anderen sei Manson von den Beatles fasziniert gewesen:

"Das waren ja vier, die ,Fab Four‘. Und angeblich hat er in dem ,Weißen Album‘ der Beatles eine Botschaft entdeckt, nach der er sozusagen der fünfte Beatle, der fünfte Engel ist, der die Welt aus einer ganz großen Katastrophe, aus einem Rassenkrieg retten würde."

Mansons Mission sei es gewesen, die wenig Gerechten zu retten – "ein Wahnsinnszenario, das er sich dort ausgedacht hat", sagt Präkelt.

Die "netten Mädchen" der Manson-Gang

Spahn hätte erst nach dem Bekanntwerden der Morde erfahren, was geschehen war. Reporter kamen auf seine Ranch und fragten ihn aus: "Er hat sich wirklich monatelang geweigert zu glauben, dass vor allem die ,netten Mädchen‘ dieser Charles-Manson-Gang, die sich ja auch um ihn gekümmert haben, dass die für diese Morde verantwortlich sein sollen."

(sed)

Hier können Sie das Hörspiel "Der fünfte Engel" hören. Weitere Hörspiele und Feature finden Sie auch in unserem Portal.

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