Hörspiel, vom 31.01.2021, 18:30 Uhr

Hörspiel über eine FlugkatastropheHavanna Exit

Von Stephan Krass
Ein Turmfalke wird von einem Airbus A 320 überflogen. (imago)
Die Passagiermaschine wird ihren Zielflughafen nicht erreichen. (imago)

Hier oben in der Luft hat der Pilot sie immer gesucht, die abstrakte Herrlichkeit des Universums. Wo alles gleich schwer und gleich leicht ist. Und gleich gültig. Ein unendlicher Raum voller Erhabenheit und Kontingenz. Ein Raum ohne Demütigungen, ohne Schmerz und ohne Schuld. Die Maschine gleitet dahin wie ein Ahornblatt im lauen Herbstwind. Nur ein leises Fallen spürt man.

"Der Text braucht keinen metaphysischen Überbau. Die Narration lässt keinen Zweifel daran, was sie alle erwartet, den Piloten wie die Passagiere. Der Pilot sieht sich als Charon und Herrscher über All und Tod. Er steuert die Meeresoberfläche an, denn das Wasser sei, so sagt er, härter als Beton. Das Flugzeug wird also in keinem Fall den Aufprall überstehen. Wie in Theodor Fontanes Ballade ["John Maynard", 1886] ist der Pilot wie ehedem der Steuermann dem Tod geweiht. Allerdings mit dem entscheidenden Unterschied, dass John Maynard ein Retter und der Pilot aber ein Mörder ist und dass das, was bei Fontane schicksalhaft ist, beim Protagonisten von Krass als Folge bedrängender Erlebnisse und psychischer Deformationen erscheint." (Angela di Ciriaco-Sussdorff in der Medienkorrespondenz, 09.03.2019)


Havanna Exit
Von Stephan Krass
Regie: Iris Drögekamp
Mit: Jörg Hartmann, Hansa Czypionka, Christoph Franken, Felix Goeser, Manuel Harder, Johann Jürgens, Božidar Kocevski, Tilla Kratochwil, Jeremias Matschke und Luise Wolfram
Komposition: Andreas Bick
Bassklarinetten: Theo Nabicht
Gesang: Jakob Ruess (Knabe des Kinderchors der Staatsoper Unter den Linden)
Ton und Technik: Andreas Stoffels und Philipp Adelmann
Regieassistenz: Felix Lehmann
Produktion: Deutschlandfunk Kultur 2019
Länge: 63’12
Eine Wiederholung vom 17.02.2019

Anschließend:
Der Himmel ist oben. Erkundungen in einem diffusen Luftraum
Essay von Stephan Krass, gelesen von Hanns Zischler
Produktion: Deutschlandfunk Kultur 2019
Länge: 24'51


Stephan Krass, geboren 1951, war Literaturredakteur beim SWR. Er lebt in Karlsruhe und New York. Seit 2005 lehrt er an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe und am Institut für Literarisches Schreiben der Universität Hildesheim. Für Hans Magnus Enzensbergers Poesieautomaten im Marbacher Literaturmuseum der Moderne schrieb er ein Anagramm-Poem und entwickelte mit seinen Studenten den Rezensionsautomaten CENSEO sowie den Bücherautomaten KLAK (beide ZKM Karlsruhe). Werke u.a. "Das Konzil der Planeten. Poetische Konstellationen" (2010). 2007 Hörspielpreis der Akademie der Künste Berlin für "Ponderabilien" (SWR 2006). Weitere Hörspiele: "Das grüne Auge von Falun" (SWR 2013), "Auf der Lebensgeisterbahn. Zehn Wurfsendungen" (DKultur 2013), "The Moon Tapes" (SWR 2014 mit Ulrike Haage), "Der Speermann" (SWR 2015).

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