Hörspiel, vom 28.02.2021, 18:30 Uhr

Hörspiel über das HörspielmachenEntgrenzgänger

Eine Rundfunkgroteske
(EyeEm / Clinton Weaver)
Eine meisterhafte Jonglage von Flohmarktgegenständen. (EyeEm / Clinton Weaver)

"Im Englischen gibt es den Begriff ‚serendipity‘ als Bezeichnung für etwas zufällig Gefundenes, das man so gar nicht gesucht hat", erklärt der Autor Robert Schoen. "So kam man Amerika, dem Sekundenkleber oder Viagra auf die Schliche. ‚Der Zufall begünstigt den vorbereiteten Geist‘, soll Louis Pasteur gesagt haben. So strebe ich also an, mich dem Zufall so anzubiedern, dass er mich bei meinem Vorhaben unterstütze, die Pasteur’sche ‚kosmisch asymmetrische Kraft‘ anzuzapfen, um eine Rundfunkgroteske zu synthetisieren, die an den ästhetischen Grenzen des Genres Hörspiel herumstrolcht. Die Groteske schreibt sich dabei akustisch weitgehend selbst. In den Schreibpausen tauchen immer wieder Fragen auf: Was ist ein Hörspiel, wo verläuft die Demarkationslinie zwischen Inszenierung und Realität, und welches Märchen wird die kleine Nora mit verbunden Augen aus dem großen russischen Märchenbuch mit dem Wolf vorne drauf picken?!

Ort der Aufnahmen, Texte, Studio, Menschen in ihrem Spiel, Musik und ihre Macher – alles wird vom Zufall bestimmt, von der Laune der Würfel, einem Zufallsgenerator, Gott.

Wie es sich für ein – noch so asymmetrisches – Hörspiel gehört, wird es natürlich zahlreiche Geräusche geben (auch altkirchenslawische), weiterhin Pausen, einen unbekümmerten Prinzen, reichlich Wodka, aufgedunsene Riesenfische, einen wütenden Intendanten sowie einen Ausflug an die Quelle des Heiligen Mitrofan. Entgrenzgänger: Oh, du Kassiber an den statistisch nicht messbaren Teil der Radiohörerschaft!"


Entgrenzgänger
Eine Rundfunkgroteske
Von Robert Schoen
Regie und Ton: der Autor
Mit: Tatiana Danilevskaya, Lorenz Eberle, Yana Kuzina, Yulia Strizhko, Anton Veklich
Produktion: HR 2019
Länge: 70'04


Robert Schoen, geboren 1966 in Berlin. Studium der Angewandten Theaterwissenschaft in Gießen. Radioarbeiten seit Mitte der 1990er. Zahlreiche Auszeichnungen, darunter der Hörspielpreis der Kriegsblinden 2011 für "Schicksal, Hauptsache Schicksal" sowie der ARD Online Award 2013 für "Heidi Heimat".

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