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Lesart / Archiv | Beitrag vom 16.08.2016

Hörspiel-Remake mit Bastian Pastewka"Papa, Charly hat gesagt…"

Von Elmar Krämer

Vater (Bastian Pastewka) wird von seiner etwa neunjährigen Tochter Greta (Mia Clara Oehring) in ein aufreibendes Frage- und Antwortspiel verstrickt. (Foto: rbb/Thomas Ernst)
Bastian Pastewka spielt in der Serie "Papa, Kevin hat gesagt ..." den Vater, der sich von seiner Tochter (Mia Clara Oehring) mit Fragen löchern lässt. (Foto: rbb/Thomas Ernst)

Kinderfragen bringen einen manchmal ganz schön in Erklärungsnot: Das hat die Hörspielreihe "Papa, Charly hat gesagt ..." gezeigt. Nun gibt es eine Neuauflage der Kult-Serie aus den 70ern. Diesmal mit Bastian Pastewka als Vater.

Wenn Kinder etwas ganz genau wissen möchten, kann einen das ganz schön aus dem Konzept bringen: Das hat die Hörspielreihe "Papa, Charly hat gesagt ..." gezeigt. Nun gibt es eine Neuauflage der Kult-Serie aus den 70ern - mit Bastian Pastewka als Vater.

"Papa, Charly hat gesagt, sein Vater hat gesagt, alle Intellektuellen sind… ähm."

So klang das, als am 9. Januar 1972 der erste Teil einer Hörspielserie gesendet wurde, die schon bald zu einer Art Radio-Blockbuster werden sollte.

"Papa, Charly hat gesagt…"

"Was hat er denn gesagt?"

"Alle Intellektuellen sind Scheißer."

In Anlehnung an die legendäre Cartoonserie "Vater und Sohn" von E. O. Plauens wurden an die 600 Folgen der Kurzhörspiele produziert und gesendet – ARD-weit  die letzte Folge 1995.

Die Zeiten ändern sich, aber die Grundkonstellation bleibt. Kinder haben eine Sicht auf die Dinge, die Erwachsene allzu oft in Erklärungsnot bringt. So hat der RBB den Hörspielklassiker an den Zeitgeist und auch die derzeitigen Probleme in der Welt angepasst und wiederbelebt.

"Papa, Kevin hat gesagt, sein Vater hat gesagt, der Putin muss was aufs Maul kriegen."

Der Sohn wurde zur Tochter Greta, heißt sie - und der ewig zitierte Charly zum schon namentlich stigmatisierten Kevin. In die Rolle des intellektuellen und politisch korrekten Vaters schlüpft Comedian Bastian Pastewka, der sich nun, durch die Fragen seiner Tochter, den so gar nicht politisch korrekten Äußerungen von Kevins Vater stellen muss.

Charly heißt jetzt Kevin

"Also Maul sagen wir nicht, wir sagen Mund. Also der Vater von Kevin sagt, dass der Putin was auf den Mund kriegen muss. Ja, und das geht eben gar nicht."

"Aber du hast doch eben gesagt, dass es geht."

"Was hab ich gesagt?"

"Du hast gesagt, Maul geht nicht, aber Mund geht."

"Als Ausdruck, als Wort, das man benutzen darf, aber das was Kevins Vater meint, das geht nicht."

"Warum nicht?"

"Man haut niemandem aufs Maul, ich meine auf den Mund. Wenn man mit jemandem ein Problem hat, dann spricht man darüber, man diskutiert."

Und genau das kann die Tochter, gesprochen von Mia Carla Oehring, ziemlich gut. In einer Stunde und 15 Minuten - so lang ist die CD - nagelt sie ihren Vater immer wieder fest und stellt ihn an die Wand, wenn sie durch ihre kindlich naiven Nachfragen seine latente Doppelmoral bloßstellt.

Rauchen, Nazis und Monogamie als Themen 

Die Themen sind bunt gemischt: Nazis, Harz IV, Rauchen, Griechen, Vegetarier, Männer und Frauen oder  Monogamie - Kevins Vater sagt nämlich, das wäre ein Auslaufmodell.

"Warst du damals auch geil - äh - ich meine das G-Wort auf deine Kollegin?"

"Wie bitte?"

"Na als du das Verhältnis hattest, mit der Redaktionstussi."

"Was sind denn das für Worte, Tussi, Verhältnis."

"Hat alles Mama gesagt."

"Ja, und Mama hat das damals alles total falsch verstanden."

"Du hattest also kein Verhältnis?"

"Also ich wusste genau, wo die Grenzen sind."

"Na das will ich auch hoffen!"

"Wie redest du denn mit mir?"

Mama sagt, Männer brauchen klare Ansagen."

"Aber ich bin immer noch dein Vater, ich mache hier die Ansagen." 

Fragestunde am PC statt beim Heimwerken

Träum weiter, denn das aufgeweckte Kind lässt  sich nur unter bestimmten Voraussetzungen Ansagen  machen.

"Nur solange du mein Monogamie-Vater bist, weil Mama sich sonst von dir scheiden lässt und ich mich auch, dann bist du ein Auslaufmodell."

War der Vater einst, gesprochen von Gert Hauke, ein knurriger Kerl, dem man auch abgenommen hätte, dass er sich mit Charlys Vater prügelt, so ist er mit Bastian Pastewka eher der Typ, der mit dem Anwalt droht. Herrlich von oben herab mit arroganter Note. Und auch die Geräusche im Hintergrund zeichnen dieses Bild. Fanden die Gespräche zwischen Vater und  Sohn einst zum Beispiel beim Heimwerken statt, reden Vater und Tochter während er abwäscht oder bei der Computerarbeit ist.

Vater (Bastian Pastewka) wird von seiner etwa neunjährigen Tochter in ein aufreibendes Frage- und Antwortspiel verstrickt.  (rbb/Thomas Ernst)Bastian Pastewka bei den Hörspielaufnahmen (rbb/Thomas Ernst)

"Papa."

"Ja?"

"Kevins Vater sagt, alte Leute gehören ins Heim."

"So? Ah, ja."

Remake bleibt Remake

Der politisch korrekte Vater, die neunmalkluge Tochter, die Gespräche über Gott und die Welt: "Papa, Kevin hat gesagt…" mit seinen oft gar nicht naiven Kinderfragen macht Spaß - auch weil sie uns den Spiegel vorhalten. Aber dennoch, egal wie gut, Remake bleibt Remake, denn was Charlys Vater in den 70ern so von sich gab, hat auch heute noch Potenzial.

"Charlys Vater weiß aber eine Menge."

"Ja und ich weiß eben mehr."

"Wieso?"

"Weil ich einen intellektuellen Beruf habe."

"Dann bist du also ein Intellektueller?"

"Ja!"

"Bist du dann auch ein Scheißer?"

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