Hörspiel, vom 02.04.2021, 18:30 Uhr

Hörspiel nach Robert WalserJakob von Gunten

Nach dem Roman von Robert Walser
Bearbeitung und Regie: Kai Grehn
Das perfekte "Sich-Kleinmachen" und "Dienen" ist das ausgemachte Erziehungsziel der seltsamen Anstalt. (EyeEm / Robert Kneschke)
Das perfekte "Sich-Kleinmachen" und "Dienen" ist das ausgemachte Erziehungsziel der seltsamen Anstalt. (EyeEm / Robert Kneschke)

Jakob von Gunten, von aristokratischen Eltern stammend, besucht eine Dienerschule: das heruntergekommene "Institut Benjamenta" im Hinterhaus einer Großstadt. Den wenigen Schülern stehen Lehrkräfte gegenüber, die sich im Tiefschlaf zu befinden scheinen. Nur Fräulein Benjamenta, die Schwester des Institutsleiters, unterrichtet anstelle der scheintoten Lehrer die Zöglinge. Das perfekte "Sich-Kleinmachen" und "Dienen" ist das ausgemachte Erziehungsziel der seltsamen Anstalt. Die Zöglinge sollen "wenig, aber gründlich lernen". Jakobs Zukunftshoffnungen konzentrieren sich darauf, eine "reizende, kugelrunde Null zu werden", "eine Person sechsten Ranges im Weltleben". Das an skurriler Komik reiche "Tagebuch" eines Internatszöglings schrieb Walser 1908 in Berlin. Es ist der dritte und avantgardistischste Roman des Schweizer Autors, der drei Jahre zuvor selber eine Dienerschule besucht hatte. In seinem Roman – einer radikalen Apologie des Dienens als Überlebensstrategie – formulierte Walser sein tiefes Unbehagen an den gesellschaftlichen Verwerfungen seiner Zeit.


Sondertermin Karfreitag
Jakob von Gunten
Nach dem Roman von Robert Walser
Bearbeitung und Regie: Kai Grehn
Mit: Alexander Fehling, Andreas Leupold, Jule Böwe, Jens Wawrczeck, Mudasar Ahmad Rana, Kira Dobrogorska, Dennis Gröhn, Paol Groß, Seda Grüner, Malia König, Leo Köpke, Johannes Neumann, Dengeba Traoré, Svenja Vaupel
Komposition: Kai-Uwe Kohlschmidt
Ton und Technik: Rudolf Grosser, Kerstin Heikamp
Produktion: NDR 2007
Länge: 84'10


Robert Walser, 1878 in Biel in der Schweiz geboren, war Verfasser von Lyrik und Erzählprosa. Von 1906 bis 1912 lebte er in Berlin, 1913 kehrte er in die Schweiz zurück. Er verbrachte die letzten 27 Jahre seines Lebens in verschiedenen Nervenheilanstalten, seit 1933 in Herisau, wo er 1956 starb. Sein herausragender Rang als Schriftsteller wurde erst nach seinem Tod erkannt.

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