Hörspiel, vom 07.02.2021, 18:30 Uhr

Hörspiel nach Jasmina RezaKunst

Nach dem gleichnamigen Theaterstück
Von Jasmina Reza
Ein Mann betrachtet ein großes Bild in einem Museum. (unsplash / Igor Iske)
Der Kauf eines Kunstwerkes stellt die Freundschaft dreier Männer in Frage. (unsplash / Igor Iske)

Für 200.000 Francs hat sich Serge einen "Antrios" gekauft: ein vollkommen weißes Ölgemälde. Doch Marc wittert hinter diesem Ankauf nicht Kunstleidenschaft, sondern snobistische Geltungssucht. Yvan, den Kopf voller Hochzeitspläne, gerät mit seinen pragmatischen Vermittlungsversuchen zwischen die Fronten der beiden.

Das Originelle dieser Kunst-Komödie: Der ungemein knappe und wie mit leichter Feder gesetzte Text über die Wirkung des Kaufs ausgerechnet eines abstrakten Gemäldes liefert jedem der drei Charaktere auch einen vielschichtigen Subtext. Jasmina Reza geht es hier nicht primär um die Darstellung der Mechanismen des Kunstmarktes, es geht ihr vielmehr um die Menschen selbst.

"Man erfährt hier, wie Freundschaft oder Liebe fast nie durch offenkundige Wichtigkeiten, sondern durch scheinbar Nebensächliches bestimmt werden, wie ein unbedachter Satz zum Treibsatz, eine Bagatelle zur Affäre, zum Torpedo wird, wie Dreierkonstellationen in Familie, Gesellschaft, Beruf ihre eigentümliche unausweichliche Brisanz haben, wie Frauen durch ihre Abwesenheit in einem Männerstück allgegenwärtig werden, wie Hahnenkämpfe funktionieren und Bürgerkriege entstehen. So wird das weiße Bild im Stück zum Abbild des Stückes selbst; als Projektionsfläche der komischsten, absurdesten, intrigantesten Einfälle. Kein blinder, eher ein sehender Spiegel." (Peter von Becker in "Theater heute")


Kunst
Nach dem gleichnamigen Theaterstück
Von Jasmina Reza
Übersetzung aus dem Französischen: Eugen Helmlé
Bearbeitung und Regie: Christiane Ohaus
Mit: Ulrich Tukur, Christian Redl, Dominique Horwitz
Ton und Technik: Peter Nielsen, Margitta Düver
Produktion: RB 1996
Länge: 82'39


Jasmina Reza, 1959 in Paris geboren, Autorin von Theaterstücken, Prosa und Drehbüchern, arbeitete zunächst als Schauspielerin. 2011 wurde ihr Stück "Der Gott des Gemetzels" von Roman Polanski verfilmt. "Kunst", ihr viertes Stück, wurde 1995 als bestes der Saison mit dem Prix Molière ausgezeichnet und avancierte zum weltweit meist gespielten Theatertext des Jahres.

 

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