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Hörspiel / Archiv | Beitrag vom 14.03.2018

Hörspiel mit einsamen MännernKrieger im Gelee

Von Claudius Lünstedt

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 Die Schauspielerin Friederike Kempter (Deutschlandradio / René Fietzek  )
Die Schauspielerin Friederike Kempter (Deutschlandradio / René Fietzek )

Immer nach dem Fechtunterricht schaut sich der 14-jährige Mervin teure Uhren in den Auslagen an. Seine Eltern können sich solche Geschenke leisten und behüten ihren Sohn, der sich nach der weiten Welt und Freundschaft sehnt.

Eines Tages bekommt er ein Angebot. Am andern Ende der Stadt sitzt Martin täglich acht Stunden auf seinem harten Holzstuhl und kasteit sich mit Gedanken und geregelten Abläufen. Dann läuft alles aus der Bahn.

Bilder von der Produktion Max Mauff - aufgenommen am 14. März 2016. Friederike Kempter im Funkhaus Berlin. Abgebildet: Cordula Dickmeiß, Gerald Michel (v.lks.)

Ursendung
Regie: Cordula Dickmeiß
Mit: Jörg Hartmann, Max Mauff, Friederike Kempter
Komposition: Andreas Bick
Ton/Technik: Alexander Brennecke/Susanne Beyer
Produktion: Deutschlandradio Kultur 2016

Länge: 59'30
Eine Wiederholung vom 07.09.2016. 

"Krieger im Gelee" war Hörspiel des Monats September 2016.
Die Begründung der Jury: 
Man muss Lautréamonts "Chants de Maldoror" nicht kennen, um dieses Hörspiel zu verstehen. Aber wenn man weiß, dass der sechste Gesang aus einem der schwärzesten Texte der Weltliteratur hier Pate gestanden hat, kann man die Raffinesse, mit der Claudius Lünstedt den Stoff in die Gegenwart überführt, nur bewundern. Entscheidend ist aber die Erzählweise dieses spannenden Kammerspiels: In drei voneinander vollkommen unabhängigen Monologen wird dasselbe unerhörte Ereignis auf einer Brücke beleuchtet. In literarisch vollendeter Rollenprosa schildern das vierzehnjährige Opfer, der Täter und eine unbeteiligte Beobachterin, was sich an einem Morgen und in den Stunden danach an Dramatischem ereignet hat. Dass dabei ein unklärbarer Rest bleibt, ist konstitutiv für "Krieger im Gelee". Zwar wurde der Text auch schon auf der Bühne aufgeführt. Doch die Strenge seiner Form, die sich ganz auf die drei Stimmen verlässt, kommt in keinem Medium so zu Geltung wie im audiophonen. Die sparsame, präzise, sich dem Text geradezu anschmiegende Komposition von Andreas Bick, die jedem Monolog ein Instrument zuspielt, trägt dazu nicht unwesentlich bei.

 

Claudius Lünstedt, geboren 1973 in München. Zahlreiche Theaterstücke. Else-Lasker-Schüler-Stückepreis für "Zugluft", Lenz-Preis für "Musst boxen", Niederländisch-Deutscher Jugenddramatikerpreis für "Vaterlos" und Golden Mask Award für das Libretto "Heiliger Franz". Claudius Lünstedt lebt in Berlin und unterrichtet dort auch Szenisches Schreiben an der Universität der Künste und an der Freien Universität. "Krieger im Gelee" ist sein erstes Hörspiel.

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