Hörspiel, vom 12.12.2018

Hörspiel: Die Tagebücher des Victor KlempererLeben sammeln (2/3)

Teilansicht von Dresden in den 1920-er Jahren mit Blick über die Elbe auf das Ständehaus, die Katholische Hofkirche und die Friedrich-August-Brücke  (picture-alliance / dpa)
Teilansicht von Dresden in den 1920-er Jahren (picture-alliance / dpa)

Die Jahre 1920 bis 1925. Klemperer ist Professor in Dresden. Er bringt Elektrikern technisches Französisch bei, das er selbst nicht perfekt beherrscht. Zu seinen Literaturvorlesungen erscheint "ein halbes Dutzend Mädeln und ältlicher Volksschullehrer". Er ist "Luxushund, aber gut bezahlter". Er buhlt um Gunst wie ein echter deutscher Beamter und sitzt als Jude doch "getauft und national zwischen allen Stühlen". 1925 notiert er: "die Freiheit ist nicht mehr das Losungswort der Jugend, sondern die ‚Ordnung’". Und resümiert: "Faschismus überall".

Die Hörspielfassung zeichnet sich durch Collagen historischer Originaltöne aus.

Leben sammeln (2/3)
Die Tagebücher des Victor Klemperer (1920–1925)
Funkbearbeitung: Klaus Schlesinger
Regie: Peter Groeger
Mit: Udo Samel
Ton: Holger König und Monika Steffens
Produktion: DeutschlandRadio Berlin/ORB 1997
Länge: 53'28

Eine Wiederholung vom 10.12.1997

Der Romanist und Philologe Victor Klemperer in einer zeitgenössischen Aufnahme. Er wurde am 9. Oktober 1881 in Landsberg (Warthe) geboren und ist am 11. Februar 1960 in Dresden gestorben. (picture alliance / dpa / Fotoreport Aufbau Verlag)Victor Klemperer (picture alliance / dpa / Fotoreport Aufbau Verlag)Victor Klemperer (1881–1960), Sohn eines Rabbiners aus Landsberg/Warthe war namhafter Romanist. Seit 1920 war er Professor an der Technischen Hochschule in Dresden, wo er 1935 zwangsentlassen wurde. Von 1945 bis 1960 war er Hochschullehrer in Dresden, Greifswald, Halle und Berlin. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Geschichte der italienischen und französischen Literatur. Berühmt wurde er mit seiner Abhandlung "LTI – Notizbuch eines Philologen", in der er die Degeneration der deutschen Sprache in der Nazizeit analysiert.

Die Tagebücher Victor Klemperers umfassen den Zeitraum von der Weimarer Republik bis 1960. Insbesondere die Jahre von 1933 bis zum Ende des Krieges 1945, in denen er als zwangsemeritierter Professor und verfolgter Jude den nationalsozialistischen Alltag beobachtet, zeigen ihn als wichtigen Zeitzeugen. Die Hörspielfassung von DLR Berlin/ORB mit dem Titel ‚Zeugnis ablegen’ in der Bearbeitung von Klaus Schlesinger, wurde 1996 produziert und zum Hörbuch des Jahres gewählt.

Klaus Schlesinger hat ein Leben im Osten und eins im Westen geführt - zwei Biografien, die der Schriftsteller nicht vereinen kann. (picture alliance / dpa /  Markus Wächter)Klaus Schlesinger (picture alliance / dpa / Markus Wächter)Klaus Schlesinger, (1937–2001) war Schriftsteller und Journalist. Seit 1971 Prosa, Hörspiele, Reportagen und Essays. 1980 Übersiedlung nach West-Berlin, ab 1992 wieder im Ostteil der Stadt. 1996 Hörspielfassung der Klemperer-Tagebücher 1933–45 ‚Zeugnis ablegen’.





Alle Folgen im Überblick: 

Teil 1: Leben sammeln - Die Tagebücher des Victor Klemperer

Teil 2: Leben sammeln - Die Tagebücher des Victor Klemperer (1920–1925)

Teil 3: Leben sammeln - Die Tagebücher des Victor Klemperer (1926–1932)