Hörspiel, vom 07.03.2020, 20:05 Uhr

Hörspiel des MonatsWoyzeck

nach Georg Büchner

"Woyzeck ist der Mensch, auf dem alle rumtrampeln", sagte der Schriftsteller Alfred Kerr über Georg Büchners Vorwegnahme des modernen Antihelden. Woyzeck sei "ein Behandelter, nicht ein Handelnder". Vom Doktor als Casus missbraucht, vom Hauptmann und vom Tambourmajor mit weiteren Formen der Ignoranz bedrängt, bleibt dem Soldaten Woyzeck nur seine Marie, gleichsam als Hafen.

Georg Büchner, deutscher Dramatiker ("Dantons Tod"), geboren am 17. Oktober 1813 in Goddelau bei Darmstadt, gestorben am 19. Februar 1837 in Zürich. (picture alliance / dpa / Sebastian Kahner)
Georg Büchner (picture alliance / dpa / Sebastian Kahner)

Die Begründung der Jury der Akadaemie der Darstellenden Künste:

„Das Hörspiel "Woyzeck"  nach dem gleichnamigen Theaterstück von Georg Büchner beeindruckt im besonderen Maße als hoch konzentriertes und zur Konzentration zwingendes Kunstwerk. Dieses außerordentlich intensive Gestaltungsprinzip, ermöglicht durch die herausragende Leistung der Schauspieler (u.a. Markus Meyer als ‚Woyzeck‘, Matthias F. Stein als ‚Hauptmann‘ und Katrin Thurm als ‚Marie‘), fesselt vom Anfang bis zum Ende der Produktion.
Wenngleich es für das ‚Woyzeck‘-Fragment bereits zahlreiche (Hör-)Inszenierungen gibt, überzeugt die von Stefan Weber verantwortete Dramatisierung durch einen originellen Umgang mit dem Stoff: Vom konsequenten Missbrauch einer deformierten Kreatur bis zum affektgesteuerten Mord am Ende einer Gewaltspirale ermöglicht das Hörspiel einen bewegend-empathischen Mitvollzug von Woyzecks Demontage bis hin zu seiner emotionalen Zerrüttung. Die nicht nachlassende Wirkung des Werks basiert auf einer Inszenierung, die auf allen Ebenen minimalistisch mit Feinschattierungen und Laut-Leise-Brüchen operiert. Webers Produktion ist reduziert, aber in ihrer Gestaltung höchst effektiv und gerade dadurch umso eindringlicher und wirkmächtiger. Die emotionalen Ausnahmezustände eines empfindsamen Menschen, dem das Menschsein unmöglich gemacht wird, erscheinen so für die Hörenden schmerzvoll nachfühlbar.“

Woyzeck
nach Georg Büchner
Regie: Stefan Weber
Komposition: Stefan Weber / Emile Waldteufel, bearbeitet von Stefan Weber / Franz von Suppé, bearbeitet von Stefan Weber

Produktion: Autorenproduktion im Auftrag des ORF
Länge: 56‘12"

Die Deutsche Akademie der Darstellenden Künste in Frankfurt am Main zeichnet jeden Monat ein Hörspiel aus den Produktionen der ARD-Anstalten aus. Die Entscheidung über das HÖRSPIEL DES MONATS trifft eine Jury, die jeweils für ein Jahr unter der Schirmherrschaft einer ARD-Anstalt arbeitet. Am Ende des Jahres wählt die Jury aus den 12 Hörspielen des Monats das HÖRSPIEL DES JAHRES.

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