Hörspiel, vom 05.11.2016

Hörspiel des MonatsLila und Fred

Von Cristin König

Lila und Fred sind ein Paar, das seine Liebe nicht leben darf. Sie treffen sich heimlich. Fred, Sohn eines Industriellen, soll den Vater durch eine Geldheirat vor der Pleite retten. Lila, die Tochter eines Musikers, der jetzt als Firmen-Hausmeister arbeitet, sorgt sich um den erkrankten Vater.

Claudia Eisinger spielt die Rolle der Lila im Hörspiel "Lila und Fred", DKultur 2016 (Deutschlandradio / Jonas Maron )
Claudia Eisinger spielt die Rolle der Lila im Hörspiel "Lila und Fred", DKultur 2016 (Deutschlandradio / Jonas Maron )

Ausgezeichnet als Hörspiel des Monats August 2016

In der Begründung der Jury der Akademie der Darstellenden Künste heißt es:

"Erstaunlich, wie gut dieses Experiment funktioniert: Cristin König hat Friedrich Schillers Jugenddrama "Kabale und Liebe" auf den Prüfstand des 21. Jahrhunderts gestellt - und siehe da, der Klassiker hält fantastisch stand. Wie leicht doch 230 Jahre zu überbrücken sind: Aus dem adeligen Präsidenten von Walter ist ein Großindustrieller geworden, der vor der Pleite steht, aus Lady Milford die 40-jährige Milla, die ihr beträchtliches Vermögen in eine Stiftung überführen will, aus dem Intriganten Wurm der nicht minder einfallsreiche Kranz - und das jugendliche Liebespaar Ferdinand und Luise heißt jetzt Lila und Fred. Schillers Rhetorik hat die Autorin in ein eigenwillig atemloses Stammeln übersetzt. Diese Kunstsprache entspricht exakt den Zumutungen eines moralisch korrupten Geldadels, die einem die natürliche Sprache verschlagen können. Mit der Zuspitzung der Ereignisse wandelt sie sich zum puren Angstdiskurs: Ihr steht akustisch sozusagen der Schweiß auf der Stirn. Mit sparsamen, aber extrem wirkungsvollen klanglichen Mitteln wird die Dramatik der Handlung geschärft. Kurze Phrasen, manchmal beiläufig gespielt im Hintergrund, manchmal als Interpunktion explodierend eingesetzt. Eine großartige Leistung von Friederike Bernhardt und der Regie."

Regie: Cristin König
Komposition: Friederike Bernhardt
Produktion: Deutschlandradio Kultur 2016
Länge: 61'26

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Von Jochen Meißner