Hörspiel, vom 02.03.2019

Hörspiel des MonatsDie Welpen (1/3)

nach der Romanvorlage von Pawel Salzman

Die Welpen durchstreifen ein kriegsverrohtes Russland. Sie kommen aus den ostsibirischen Wäldern und gelangen nach Leningrad. Die Menschen, denen sie begegnen und die teils Tiergestalt annehmen, leiden Hunger, Kälte, sind Gewalt ausgesetzt, üben Gewalt aus, versuchen wie sie zu überleben.

Pawel Salzman, Leningrad. 1926-1927 (E Zaltsman, M Zusmanovich)
Pawel Salzman, Leningrad. 1926-1927 (E Zaltsman, M Zusmanovich)

Teil 2 und 3

Die Begründung der Jury:
„Das künstlerische Schaffen von Pawel Salzman (1912 - 1985), dem Sohn eines Russlanddeutschen und einer russischen Jüdin, wurde von bildenden Künstlern und Literaten der russischen Avantgarde, deutschen Romantikern und Schriftstellern des Absurdismus beeinflusst. Dies zu einer Zeit, als die Staatsdoktrin Sozialistischen Realismus vorgab.
Salzman überlebte die Großen Säuberungen Ende der 1930er-Jahre sowie ein Jahr der Leningrader Blockade. Er wurde nach Kasachstan evakuiert und überstand die antikosmopolitische Kampagne. Sein Leben lang arbeitete er als Filmausstatter und Illustrator, insgeheim schrieb er Prosa und Gedichte. Erst 2012, 30 Jahre nach Salzmans Tod, ist sein unvollendetes (Bürger-) Kriegsromanmonument "Die Welpen" in Russland erschienen. Eine literarische Sensation, die von der mit dem Paul-Celan-Preis geehrten Christine Köhler ins Deutsche übertragen und 2018 von Klaus Buhlert zu einem Hörspiel umgearbeitet und inszeniert wurde. In herausragender Teamarbeit wurde dem Einzelkämpfer Salzman so zuteil, worauf er als Autor sein Leben lang verzichten musste: Aufmerksamkeit und Anerkennung.

Das dreiteilige Hörspiel hebt gekonnt die Besonderheiten der Romanvorlage hervor und zieht von den ersten gequält klingenden Geräuschen an die Hörerinnen und Hörer in den Bann. Interpretiert von durchgehend großartigen Sprecherinnen und Sprechern entfaltet sodann die expressionistische Sprache, ihren Sog - präzise, dynamisch, bildintensiv. Gestaltet mit filmischen Mitteln (Perspektivwechsel, Zoom, Distanzaufnahme, Zeitlupe, rohe Schnitte) entsteht eine irrwitzige Kamerafahrt durch Zeit und Räume.
Das Hörspiel gewährt fragmentarische Einblicke in das tiefe Leid hungernder und um das bloße Überleben kämpfender Menschen und Tiere, welche sich nach und nach zu einem akustischen Mosaikbild der Verrohung und Desorientierung zusammenfügen.
Klaus Buhlert und seinem Team gelingt es nicht nur, eine beklemmende Kriegsklanglandschaft zu erschaffen, mit zersplitterten Atmosphären und multiplen Erzählstimmen, sondern auch einzelne Schicksalswege der tierischen Menschen und menschlichen Tiere hör- und sinnlich erfahrbar zu machen. Ein intensives Erlebnis, schmerzlich durch Salzmans persönliches Zeugnis einer kaum vorstellbaren Not, berührend und verstörend zugleich durch seine künstlerisch einzigartige Vorstellungskraft.”


Übersetzung: Christiane Körner
Bearbeitung, Komposition, Regie: Klaus Buhlert
Mit Franz Pätzold, Bibiana Beglau, Felix Goeser, Mareike Beykirch, Anton Andreew, Josephine Hock, Moritz Ceste, Cristin König, Lars Rudolph, Roman Kanonik, Moritz Grove, Tilda Jenkins, Wolfram Koch und Christopher Heisler 
Produktion: Dlf Kultur 2018
Länge: 63´28

Die Deutsche Akademie der Darstellenden Künste in Frankfurt am Main zeichnet jeden Monat ein Hörspiel aus den Produktionen der ARD-Anstalten aus. Die Entscheidung über das "Hörspiel des Monats" trifft eine Jury, die jeweils für ein Jahr unter der Schirmherrschaft einer ARD-Anstalt arbeitet. Am Ende des Jahres wählt die Jury aus den 12 Hörspielen des Monats das "Hörspiel des Jahres".