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Aus den Archiven | Beitrag vom 23.05.2020

Historische RadiofeaturesDie RAF erschüttert die Bundesrepublik

Vorgestellt von Michael Groth

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Porträts von Andreas Baader und Ulrike Meinhof ([M]  imago images / ZUMA / Keystone)
Andreas Baader und Ulrike Meinhof, hier zu sehen in einer Bildmontage. Sie bildeten den Kern der Roten Armee Fraktion. ([M] imago images / ZUMA / Keystone)

In den 70er-Jahren hielt die Rote Armee Fraktion die Bundesrepublik in Atem. Am Ende der ersten RAF-Generation stand die "Todesnacht von Stammheim". Wie reagierten die Medien auf den Terrorismus? Zwei Archivbeiträge liefern ein Zeitbild.

Der 14. Mai 1970 gilt als die Geburtsstunde der RAF, der Roten Armee Fraktion. Der im Berliner Zuchthaus Berlin-Tegel inhaftierte Andreas Baader wird gewaltsam befreit, als er das Zentralinstitut für soziale Fragen in Berlin-Dahlem besucht. Dort darf er Literatur einsehen, die er für eine gemeinsame Arbeit mit der Journalistin Ulrike Meinhof zu benötigen vorgibt. Baader taucht im Anschluss mit Meinhof unter. Weitere Mittäter sind Gudrun Ensslin, Irene Goergens und Ingrid Schubert.

Eine Großfahndung wird ausgelöst, die Presse spricht bald von der "Baader-Meinhof-Gruppe", aus der wenig später die Rote Armee Fraktion wird. Am 14.10. 1975 sendete der Deutschlandfunk Giselher Schmidts Feature "Vom Schreibtisch zum Täter", das unter anderem den Ursprüngen der RAF in der linken Theorie nachgeht und das Sie in diesem Archivbeitrag nachhören können.

Der "Deutsche Herbst" in zeitnaher Betrachtung

Bei ihren terroristischen Anschlägen oder Geiselnahmen wurden 33 Menschen von RAF-Mitgliedern ermordet und mehr als 200 wurden verletzt. Außerdem starben 27 Mitglieder und Sympathisanten. Führende Mitglieder der ersten Generation starben im Gefängnis: Am 9. Mai 1976 erhängte sich Ulrike Meinhof mit einem in Streifen gerissenen Handtuch am Zellenfenster.

Nach dem Scheitern des Versuchs der zweiten RAF-Generation, die verbliebenen Gefangenen im so genannten "Deutschen Herbst" freizupressen, starben Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe in der so genannten "Todesnacht von Stammheim" am 18. Oktober 1977 durch Suizid. Raspe und Baader erschossen sich mit Waffen, die von ihren Anwälten eingeschmuggelt worden waren. Ensslin erhängte sich mittels eines Kabels.

Die Einzelheiten dieser Nacht wurden erst später bekannt. Am 20. Oktober 1977 schilderte der Reporter Jürgen Kellermeyer seine Erkenntnisse dem WDR-Moderator Dieter Thoma. Der RIAS sendete das Gespräch, das Sie im direkten Anschluss an Giselher Schmidts Feature hören können, unter dem Titel "Selbstmord in Stammheim".

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