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Konzert / Archiv | Beitrag vom 05.01.2017

Historische Aufnahmen mit Pierre BoulezEinblick in Pierres Werkstatt

Aufzeichnungen aus der Philharmonie Berlin

Der französische Komponist Pierre Boulez (Foto) lehrte in den 50er-Jahren "Neue Musik" in Darmstadt. ( AFP / Photo Mehdi Fedouach)
Der Komponist und Dirigent Pierre Boulez ( AFP / Photo Mehdi Fedouach)

Vor einem Jahr, am 5. Januar 2016, starb der Komponist und Dirigent Pierre Boulez. Die Sendung mit einem bisher unbekannten frühen und einem späten Konzertdokument, in dem Boulez jeweils die Berliner Philharmoniker dirigiert, ist seinem Andenken gewidmet.

Die Berliner Philharmonie hatte erst vor wenigen Monaten ihre Pforten geöffnet, als Pierre Boulez hier im Juni 1964 die Hausherren dirigierte. Auf dem Programm standen ein eigenes Werk sowie Stücke von Bartók, Schönberg und Strawinsky. Ein typischer-Boulez-Abend, möchte man meinen, allerdings noch aus der Frühzeit seiner Dirigenten-Laufbahn. Boulez, damals 39 Jahre alt, hatte sich bis dahin eher als Komponist betätigt, obwohl er bei den Berliner Philharmonikern bereits 1961 mit einem ähnlich strukturierten Programm debütiert hatte.

Zwei Aspekte machen dieses erst kürzlich wieder aufgefundene RIAS-Tonband zu einem besonderen Dokument: Das Werk "Doubles", das Boulez hier als Komposition aus der eigenen Werkstatt vorstellte, existiert möglicherweise nur in dieser Version. Die Partitur und verschiedene Aufnahmen des später zu "Figures – Doubles – Prismes" erweiterten Stücks stimmen jedenfalls mit dem auf diesem Mitschnitt festgehaltenen Werk nicht überein. Vermutlich präsentierte Boulez an diesem Abend seine Komposition in einem später nicht mehr rekonstruierbaren Zwischenstadium.

Für Bartóks Erstes Klavierkonzert brachte Boulez einen 21 Jahre alten Pianisten mit, dem der "Tagesspiegel" in seiner Besprechung des Abends eine "überragende Leistung" attestierte: Daniel Barenboim. Es war sein erstes Konzert mit den Berliner Philharmonikern – zahlreiche weitere sollten folgen. Das philharmonische Verhältnis zu Pierre Boulez entwickelte sich anders: Erst 1993 wurde er wieder zu den Berliner Philharmonikern eingeladen, ab dann aber kontinuierlich – und erst recht, als der bekennende Boulez-Fan Sir Simon Rattle 2002 die Geschicke des Orchesters in die Hand nahm. Bis 2010 dirigierte Boulez hier etliche Programme, die überwiegend der Musik des 20. Jahrhunderts gewidmet waren. Aus unserem Archiv kommt hier ein Abend vom Juni 2009, an dem wiederum Musik von Béla Bartók erklang, ergänzt um das linkshändige Klavierkonzert von Maurice Ravel mit dem Solisten Pierre-Laurent Aimard.

Philharmonie Berlin
Aufzeichnung vom 12. Juni 1964
In memoriam Pierre Boulez

Pierre Boulez
"Doubles" für Orchester

Arnold Schönberg
"Begleitmusik zu einer Lichtspielszene" op. 34

Igor Strawinsky
Vier Etüden für Orchester

Béla Bartók
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 Sz 83

Daniel Barenboim, Klavier
Berliner Philharmoniker
Leitung: Pierre Boulez

Philharmonie Berlin
Aufzeichnung vom 5. Juni 2009

Béla Bartók
Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta Sz 106

Maurice Ravel
Konzert für Klavier (linke Hand) und Orchester D-Dur

Pierre-Laurent Aimard, Klavier
Berliner Philharmoniker
Leitung: Pierre Boulez

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