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Interview | Beitrag vom 21.01.2021

Historikerin über Gedenken an Coronatote"Man möchte schnell wieder zur Normalität zurückkehren"

Ute Frevert im Gespräch mit Julius Stucke

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"Corona-Tote sichtbar machen" steht auf einem Karton, der von Totenlämpchen umringt ist. Eine private Initiative erinnert so an die aktuelle Zahl der Corona-Toten.  (picture-alliance/dpa/Annette Riedl)
Bisher gibt es nur private Initiativen, die an die Coronatoten erinnern, wie hier in Berlin. (picture-alliance/dpa/Annette Riedl)

Braucht Deutschland einen nationalen Gedenktag für die Coronatoten? Bundeskanzlerin Angela Merkel hält das für angemessen. Die Historikerin Ute Frevert ist skeptisch: Wenn die Pandemie einmal überstanden sei, wollten die Menschen nach vorne schauen.

Knapp 50.000 Menschen sind – Stand: 21. Januar – mit oder an den Folgen einer Covid-19-Infektion gestorben. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich nun für ein staatliches Gedenken an die Toten der Pandemie ausgesprochen.

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Es gibt bereits einige Tage im Kalender der Deutschen – Totensonntag, Volkstrauertag etwa – die der Erinnerung an Verstorbene gewidmet sind. Braucht es einen weiteren solchen Gedenktag? Oder einen, der uns an die Zeit erinnern soll, als ein Virus die Regie in unseren Alltag übernommen hat und sehr viel Krankheit und Trauer in das Leben vieler Menschen brachte?

Die Menschen möchten sich nicht erinnern

Die Historikerin Ute Frevert ist da skeptisch. Sie leitet am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin den Forschungsbereich "Geschichte der Gefühle" und sagt: "Ob wir daran erinnert werden wollen, wenn uns dieses Virus vielleicht mit all seinen Mutationen mal wieder verlassen haben wird, wage ich zu bezweifeln. Man möchte nichts lieber, als dann schnell wieder in eine Normalität zurückgehen."

Was wäre, andererseits, so falsch daran, einen Gedenktag auch zur Mahnung zu nutzen und daran zu erinnern, dass das Virus nicht verharmlost werden darf? Frevert hält nicht viel davon. "Genau solche politische Pädagogik fände ich für einen Trauer-Gedenktag ganz unangemessen", sagt die Historikerin.

Außerdem stelle sich die Frage, ob man wirklich einen nationalen Gedenktag brauche. Es gehe nicht um Menschen, die für die Nation oder für das Kollektiv gestorben seien, argumentiert Frevert.

(mkn)

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