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Interview / Archiv | Beitrag vom 10.08.2019

Historiker zu Magellans WeltumseglungVor 500 Jahren begann die Globalisierung

Jürgen Zimmerer im Gespräch mit Ute Welty

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Der Seefahrer und Entdecker Fernand de Magellan (1480-1521) greift durch 1520, als es zu einer Meuterei während der Reise der ersten Erdumrundung kommt. (imago images / Leemage)
Jahrhundertelang war die Peripherie Europas "Zulieferer", sagt Jürgen Zimmerer. Doch wo ist heute Zentrum und wo Peripherie? (imago images / Leemage)

Am 10. August 1519 brach Ferdinand Magellan zu seiner legendären Weltumsegelung auf. Das Datum markiere den Beginn der Globalisierung und der Herrschaft Europas, sagt der Historiker Jürgen Zimmerer. Doch Europa sei längst nicht mehr der Nabel der Welt.

Spätestens seit der Amerika-Reise des Christoph Kolumbus in den Jahren 1492 und 93 lieferten sich Spanien und Portugal ein Wettrennen um Territorien, Einfluss und Rohstoffe. In diesem Zusammenhang steht auch eine Expedition, zu der Ferdinand Magellan am 10. August 1519 aufbricht.

Der in spanischen Diensten stehende Portugiese hat sich vorgenommen, endlich die Westroute nach Indien und zu den Molukken, den so genannten Gewürzinseln, zu finden und damit zu vollenden, was Kolumbus nicht geschafft hatte.

Magellan selbst kam bei der Reise um

Was fehlte, war tatsächlich der Beweis, dass die Welt auf diesem Weg - um Südamerika herum - mit einem Schiff zu umrunden war, erläutert der Historiker Jürgen Zimmerer in unserem Programm. Magellan selbst kam bei der Reise um, "aber eines der Schiffe kam ja zurück", sagt Zimmerer, und damit war historisch die erste Weltumsegelung gelungen.

Für den Historiker ist der symbolische Gehalt dieser Expedition vergleichbar mit der Mondlandung im Jahr 1969. Erstmals werde die Erde zum "Globus", zur "Kugel". Der Beginn der Globalisierung sei also bereits an diesem Datum - vor 500 Jahren - anzusetzen.

Vorstellung von Europa als "Nabel der Welt"

Von nun an werde die Welt von Europa aus kontrolliert und erkundet, während die Peripherie "im Grunde Zulieferer" war. Heute sei eine "Richtungsumkehr" festzustellen, sagt Zimmerer, sowohl was Migrationsströme angehe als auch die ökonomische Entwicklung. Nun werde Europa zur Peripherie der ehemaligen Kolonien Amerika, Indien und auch China.

"Das Wichtigste scheint mir zu sein, dass wir in Europa diese Geschichte vollständig erzählen – auch mit diesen Motiven der ökonomischen Ausbeutung, der Unterdrückung", betont Zimmerer. "Wir leben noch in einer Vorstellungswelt, als sei Europa der Nabel der Welt, und das ist es schon lange nicht mehr."

(huc)

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