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Interview / Archiv | Beitrag vom 29.09.2016

Historiker über Babi Jar"Es gab auch Kollaborateure"

Jörg Baberowski im Gespräch mit Frank Meyer

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Gedenkstätte Babi Jar in der Ukraine (picture alliance / dpa / Andreas Stein)
Gedenkstätte Babi Jar in der Ukraine (picture alliance / dpa / Andreas Stein)

Deutschland und die Ukraine erinnern an die Opfer des Massakers von Babi Jar. Dem Historiker Jörg Baberowski geht das nicht weit genug: Auch Russland und Weißrussland müssten einbezogen werden. Von der Ukraine fordert er eine Aufarbeitung der Tatsache, dass es Kollaborateure gab.

Für die Ukraine sei das Gedenken an die Ermordung von 33.000 Juden in Babi Jar wichtig, um sich in einen "europäischen Erinnerungsdiskurs" einzubetten, so Baberowski. Dazu gehöre, dass man an den Holocaust erinnere, wie das auch in Deutschland und Europa der Fall sei: "Dabei sollte aber wirklich nicht vergessen werden, dass diese Geschichte in den Kontext der Sowjetunion gehört und nicht in den Kontext des ukrainischen Nationalstaates." Denn die Nazis hätten damals die Sowjetunion überfallen, deren Teil die Ukraine gewesen sei. Der Historiker fordert deshalb: "Was immer auch die deutsche Seite tut, um diese Geschichte aufzuarbeiten, muss sie auch Russland und Weißrussland in diese Geschichte mit einbeziehen."

Die Menschen in der früheren Sowjetunion, vor allem in der Ukraine, müssten sich auch der Tatsache stellen, dass es "während der Mordexzesse Kollaborateure gegeben" habe, so Baberowski:

"Dies könnte jetzt eine guter Auftakt sein, auch für die ukrainischen Nationalisten darüber nachzudenken, wie ihre Rolle in dieser schrecklichen Geschichte gewesen ist. Solange sie sich dieser Aufgabe nicht stellen, wird es mit der Aufarbeitung auch nicht weitergehen."

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