Seit 01:05 Uhr Tonart
Montag, 18.10.2021
 
Seit 01:05 Uhr Tonart

Interview / Archiv | Beitrag vom 29.09.2016

Historiker über Babi Jar"Es gab auch Kollaborateure"

Jörg Baberowski im Gespräch mit Frank Meyer

Gedenkstätte Babi Jar in der Ukraine (picture alliance / dpa / Andreas Stein)
Gedenkstätte Babi Jar in der Ukraine (picture alliance / dpa / Andreas Stein)

Deutschland und die Ukraine erinnern an die Opfer des Massakers von Babi Jar. Dem Historiker Jörg Baberowski geht das nicht weit genug: Auch Russland und Weißrussland müssten einbezogen werden. Von der Ukraine fordert er eine Aufarbeitung der Tatsache, dass es Kollaborateure gab.

Für die Ukraine sei das Gedenken an die Ermordung von 33.000 Juden in Babi Jar wichtig, um sich in einen "europäischen Erinnerungsdiskurs" einzubetten, so Baberowski. Dazu gehöre, dass man an den Holocaust erinnere, wie das auch in Deutschland und Europa der Fall sei: "Dabei sollte aber wirklich nicht vergessen werden, dass diese Geschichte in den Kontext der Sowjetunion gehört und nicht in den Kontext des ukrainischen Nationalstaates." Denn die Nazis hätten damals die Sowjetunion überfallen, deren Teil die Ukraine gewesen sei. Der Historiker fordert deshalb: "Was immer auch die deutsche Seite tut, um diese Geschichte aufzuarbeiten, muss sie auch Russland und Weißrussland in diese Geschichte mit einbeziehen."

Die Menschen in der früheren Sowjetunion, vor allem in der Ukraine, müssten sich auch der Tatsache stellen, dass es "während der Mordexzesse Kollaborateure gegeben" habe, so Baberowski:

"Dies könnte jetzt eine guter Auftakt sein, auch für die ukrainischen Nationalisten darüber nachzudenken, wie ihre Rolle in dieser schrecklichen Geschichte gewesen ist. Solange sie sich dieser Aufgabe nicht stellen, wird es mit der Aufarbeitung auch nicht weitergehen."

Mehr zum Thema

75. Jahrestag von Babi Jar - "Ich war lebendig begraben"
(Deutschlandradio Kultur, Studio 9, 29.09.2016)

Massaker von Babi Jar - Der Massenmord begann nicht erst in Auschwitz
(Deutschlandradio Kultur, Kalenderblatt, 29.09.2016)

Überfall auf die Sowjetunion vor 75 Jahren - Das Unternehmen mit dem Decknamen "Barbarossa"
(Deutschlandfunk, Hintergrund, 22.06.2016)

Die organisierte "Endlösung"
(Deutschlandfunk, Essay und Diskurs, 15.01.2012)

Das Zeitalter des Völkermordes
(Deutschlandfunk, Essay und Diskurs, 29.08.2010)

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Interview

Maler Werner BüttnerEin "junger Wilder" geht in Rente
Für das Gemälde "Rosenscharmützel" wählte Werner Büttner die Umsetzung mit Öl auf Leinwand (2007). (Werner Büttner / VG Bild-Kunst, Bonn 2021 / Foto: Egbert Haneke)

Seit den 1980er-Jahren mischte Werner Büttner mit provozierenden Bildern das Kunst-Establishment auf. 32 Jahre lang lehrte er zudem als Kunstprofessor in Hamburg. Zum Abschied widmet ihm die Kunsthalle Hamburg eine Retrospektive: "Last Lecture Show".Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur