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Kulturnachrichten

Freitag, 12. April 2019

Historiker kritisiert Rückgabe von Nolde-Bilder

Der Historiker Michael Wolffsohn kritisiert das Entfernen zweier Bilder von Emil Nolde im Bundeskanzleramt. Er sehe es als eine "bequeme Art" an, sich dem Thema zu entziehen, sagte er im Deutschlandfunk. Der jüdische Historiker forderte ein Bekenntnis zur "Gebrochenheit deutscher Geschichte". Mit Blick auf die Verflechtungen Noldes mit den Nationalsozialisten erklärte er, große Künstler und Denker seien oft auch schwache Menschen gewesen. Wolffsohn nannte als Beispiel Reformator Martin Luther, der ein Antisemit gewesen sei. In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass Merkel die Gemälde "Blumengarten (Thersens Haus)" und "Brecher" von Emil Nolde zurückgibt, die zuletzt in ihrem Büro im Kanzleramt hingen. Ein Sprecher sagte, Merkel komme damit einer Bitte der Stiftung Preußischer Kulturbesitz nach, die eines der Werke in der Ausstellung "Emil Nolde - Eine deutsche Legende. Der Künstler im Nationalsozialismus" zeigen will.

Erster Trailer für "Star Wars: Episode IX"

Bis zum Kinostart von "Star Wars: Episode IX" im Dezember müssen sich die Fans noch einige Monate gedulden, doch der erste Trailer gibt nun Einblick in die Fortsetzung der Sternen-Saga. Regisseur J.J. Abrams und Stars wie Daisy Ridley, John Boyega und Oscar Isaac stellten bei der laufenden "Star Wars Celebration"-Messe in Chicago das zweiminütige Video zu "Star Wars 9" mit dem Untertitel "The Rise of Skywalker" vor. Darin kämpft Rey (Ridley) mit einem Lichterschwert in einer riesigen Wüste. Kylo Ren (Adam Driver) und Finn (Boyega) kommen in den Szenen vor, ebenso Chewbacca am Steuer des Millennium Falken. Kurz ist auch die 2016 gestorbene Schauspielerin Carrie Fisher zu sehen.
Abrams zufolge knüpft der neunte und letzte Teil der aktuellen Trilogie zeitlich mit etwas Abstand an den Vorgänger "Star Wars: Die letzten Jedi" (2017) an.

Bühnen Halle: Geschäftsführer Rosinski bleibt im Amt

Stefan Rosinski, Geschäftsführer der Theater, Opern und Orchester Halle GmbH (TOOH), bleibt vorerst im Amt. Das wurde in einer Aufsichtsratssitzung entschieden, wie der MDR berichtet. Der Intendant des Neuen Theaters Halle, Matthias Brenner, hatte dem Aufsichtsrat ein Ultimatum gestellt: Er wollte, dass Rosinski geht, andernfalls ginge er.In einer Stellungnahme von Brenner heißt es nun, er breche die Verhandlungen zu seiner Vertragsverlängerung ab.An den halleschen Bühnen streiten sich seit längeren die künstlerischen Leiter öffentlich mit der Geschäftsführung. Die künstlerischen Leiter wollen mehr Unabhängigkeit. Brenner hatte im Zuge des Streits Rosinski unter anderem Mobbing vorgeworfen. In einem offenen Brief der Ensembles vom Neuen Theater und Thalia Theater, äußerten sich die Schauspieler im April "massiv irritiert über das destruktive Potential der Geschäftsführung".

Schumann-Preis 2019 an zwei Musikerinnen vergeben

Die Pianistin Ragna Schirmer und die Musikwissenschaftlerin Janina Klassen sind mit dem diesjährigen Robert-Schumann-Preis der Stadt Zwickau geehrt worden. Mit ihrer Auszeichnung würdigte die Jury die jahrzehntelange Auseinandersetzung der beiden Musikerinnen mit der in Leipzig geborenen Komponistin Clara Schumann (1819-1896), an deren 200. Geburtstag in diesem Jahr erinnert wird. Die Preisträgerinnen teilen sich eine Prämie von 10.000 Euro, wie die Stadtverwaltung Zwickau mitteilte. Janina Klassen wurde 1953 in Bad Salzuflen geboren. Sie studierte Musikwissenschaft, Germanistik, Philosophie und Italienisch in Freiburg, Wien und Kiel. Seit 1999 lehrt sie als Professorin an der Freiburger Musikhochschule. Ragna Schirmer wurde 1972 in Hildesheim geboren und studierte Klavier in Hannover und Paris. Seit 1996 lebt sie in Halle an der Saale. Unter ihren mehr als ein Dutzend veröffentlichten CD-Produktionen nehme die Musik von Clara und Robert Schumann eine besondere Stellung ein. Der Robert-Schumann-Preis der Stadt Zwickau wird seit 1964 für besondere Verdienste um die Verbreitung der musikalischen Werke vor allem des in Zwickau geborenen Robert Schumann, aber auch von seiner Ehefrau Clara vergeben.

Uni Halle gibt Überreste indigener Australier zurück

Die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg gibt die sterblichen Überreste von fünf indigenen Australiern zurück. Sie stammen aus einer der größten anatomischen Sammlungen in Europa, die in Halle angesiedelt ist, wie die Universität mitteilte. Die Überreste sollen am Montag bei einer Zeremonie in der australischen Botschaft in Berlin an das Land zurückgegeben werden. Verstorbene Ahnen seien für indigene Völker in Australien von großer Bedeutung, erklärte die Direktorin des Anatommie-Instituts, Heike Kielstein. "Der Geist der Ahnen spielt in Riten und Zeremonien eine große Rolle, sie werden um Rat, Gesundheit und Hilfe angerufen." Die Uni komme der Bitte Australiens, die bislang in Halle verwahrten sterblichen Überreste zurückzuführen, gerne nach. Den Angaben zufolge waren in dieser Woche bereits in München und Stuttgart sterbliche Überreste indigener Australier zurückgegeben worden. Am Montag sollen in Berlin auch Überreste, die bislang in den Staatlichen Ethnografischen Sammlungen in Dresden aufbewahrt wurden, übergeben werden.

Sohn von ermordeter Journalistin will Druck auf Malta

Zur vollen Aufklärung des Mordes an der Journalistin Daphne Caruana Galizia hat ihr Sohn verstärkten internationalen Druck auf Malta verlangt. Die tief korrupten Behörden seien praktisch untätig, kritisierte der Journalist Matthew Caruana Galizia auf einer Medientagung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in Wien. Man müsse sich entscheiden, ob Malta zu einem Exempel gemacht werden könnte, dass es keinen Raum für ein solches Verhalten in der EU gibt, so Caruana. Andernfalls drohe Malta zu einem Hort von Kleptokraten zu werden. Die regierungskritische Bloggerin war am 16.Oktober 2017 unweit ihres Hauses in ihrem Auto in die Luft gesprengt worden. Drei Männer müssen sich wegen der Ausführung des Attentats vor Gericht verantworten. Viele Fragen zu den Hintermännern sind aber noch offen. In den 57 OSZE-Mitgliedsstaaten sind nach Angaben der Organisation seit 1992 rund 400 Journalisten ermordet worden. Besonders schockierend sei, dass in 85 Prozent der Fälle die Täter oder Hintermänner nicht belangt worden seien, sagte Desir.

Von Schirach: Studie über NS-Raubkunst in der Familie

Der Schriftsteller Ferdinand von Schirach hat Nachfahren früherer NS-Funktionäre aufgerufen, Raubkunst in ihrem Besitz offen zu legen. Es sei Zeit, dass auch dieses dunkle Kapitel der deutschen Geschichte aufgearbeitet werde, sagte Schirach. Er hatte eine Studie zur Beteiligung seiner Großeeltern am Raub von Kunst aus jüdischem Besitz beim Deutschen Zentrum Kulturgutverluste in Magdeburg in Auftrag gegeben. Schirachs Großvater war der NSDAP-Spitzenfunktionärs Baldur von Schirach. Seine Großmutter Henriette hatte nach dem Zweiten Weltkrieg fast alle Kunstobjekte und Möbel, die der Familie von den Alliierten entzogen worden waren, durch Rückgabe oder Kauf zurückbekommen.

Benediktpreis für "Stolperstein"-Künstler Demnig

Der Initiator der "Stolpersteine", Gunter Demnig, erhält 2020 den Benediktpreis von Mönchengladbach. Der 71 Jahre alte Künstler habe mit seinem Projekt ein großangelegtes, ortsspezifisch verwirklichtes Mahn- und Denkmal ins Leben gerufen, teilte der Verein Benediktpreis von Mönchengladbach mit. Die von Demnig in Bürgersteige eingelassenen Steine tragen auf der Oberseite eine Messingtafel mit den Namen der Menschen, die dort früher lebten und die Opfer der NS-Willkür wurden. Demnig hat nach Angaben des Vereins seit 1990 etwa 70 000 Steine in Deutschland und weiteren europäischen Ländern gesetzt. Die mit 5000 Euro dotierte und alle zwei Jahre vergebene Auszeichnung soll im Frühjahr 2020 überreicht werden. Die Preisträger werden für wertorientiertes Handeln vor dem Hintergrund der christlich-abendländischen Erfahrungen geehrt. Ausgezeichnet wurden zuletzt die Journalistin Dunja Hayali und Königin Silvia von Schweden.

Berliner Volksbühne engagiert Arnarsson

Die Berliner Volksbühne bekommt nach zwei turbulenten Jahren wieder ein festes Schauspielensemble. Ab der nächsten Spielzeit sollen 17 Darsteller dazugehören, darunter Schauspielerin Jella Haase ("Fack ju Göhte"). Das kündigte Intendant Klaus Dörr an, der das Theater vorübergehend leitet. Der isländische Regisseur Thorleifur Örn Arnarsson wird neuer Schauspieldirektor. Er hat an der renommierten Ernst-Busch-Hochschule studiert, ebenso wie die neue Hausregisseurin Lucia Bihler. Sie will ihren Schwerpunkt bei feministischen Themen setzen. Die Volksbühne - eines der Traditionstheater in Berlin - hat eine schwierige Zeit hinter sich. Nachdem Theatermacher Frank Castorf das Haus ein Vierteljahrhundert geleitet hatte, sollte der belgische Kurator Chris Dercon übernehmen. Dem früheren Museumsmann schlug aber viel Protest aus der Kulturszene entgegen. Vor einem Jahr gab er seinen Posten nach nicht mal einer Spielzeit auf. Nun läuft die Suche nach einer Nachfolge. Bis Sommer 2021 soll Dörr das Haus führen.

Brentano-Preis geht an Gianna Molinari

Die Schweizer Autorin Gianna Molinari wird in diesem Jahr mit dem Clemens-Brentano-Preis der Stadt Heidelberg ausgezeichnet. Sie erhalte die mit 10.000 Euro dotierte Ehrung für ihren im vergangenen Jahr erschienenen Debütroman "Hier ist noch alles möglich", teilte die Stadt mit. Darin habe sie sich als "Meisterin skurriler Verdichtung" erwiesen, hieß es. Die Schriftstellerin wurde 1988 in Basel geboren und studierte Literatur. Für ihre Texte wurde sie bereits mehrfach ausgezeichnet, etwa mit dem 3sat-Preis beim Klagenfurter Bachmann-Wettbewerb und dem Robert-Walser-Preis. Sie lebt in Zürich. Der Clemens-Brentano-Preis für Literatur wird seit 1993 verliehen, in seiner Jury sitzen neben Literaturkritikern auch Germanistik-Studenten. Unter den bisherigen Preisträgern sind Philipp Stadelmaier, Thilo Krause, Sabine Peters und Barbara Kögl. Die Auszeichnung wird am 17. Juli vergeben.

Ai Weiwei: Lego-Porträts verschwundener Studenten

Eine Million Legosteine gegen das Vergessen: Der chinesische Künstler Ai Weiwei hat in Mexiko ein Kunstwerk vorgestellt, mit dem er an 43 verschwundene Studenten erinnern will. Die jungen Menschen wurden 2014 auf dem Weg zu einem Protest verschleppt und vermutlich ermordet. Sein Werk nannte Ai Weiwei "Reestablecer memorias", was soviel bedeutet wie "Erinnerungen wiederherstellen". Dafür setzte er aus rund einer Million Legosteinen bunte Porträts der Studenten im Pop-Art-Stil zusammen. Sie sind Teil einer neuen Ausstellung mit Werken des chinesischen Künstlers im Universitätsmuseum für Zeitgenössische Kunst.

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