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Religionen | Beitrag vom 21.06.2020

Historiker Frank Bösch über das C der CDU„Christlich ist ein dehnbarer Begriff“

Frank Bösch im Gespräch mit Thorsten Jabs

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Das C der CDU, Orignial oder Kopie , welches von Greenpeace aus der Parteizentrale der CDU im Konrad-Adenauer-Haus entwendet wurde, wird praesentiert am Ende der Demonstration von Schuelerinnen und Schueler der weltweiten Bewegung FridaysForFuture unter dem Motto Neustart Klimastreik Wir Streiken Bis Ihr Handelt, globaler Klimastreik, vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Die Schueler und Studenten protestieren und streiken fuer einen radikalen Wandel der Klimapolitik, den Klimaschutz, der Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels und dem Ausstieg aus der Kohlepolitik. (imago images / IPON / Stefan Boness)
In einer spektakulären Aktion entwendete Greenpeace 2019 das C des Logos in der Parteizentrale der CDU im Konrad-Adenauer-Haus in Berlin. (imago images / IPON / Stefan Boness)

Am 26. Juni feiert die CDU ihren 75. Geburtstag. Das C in ihrem Namen sprach 1945 eine überwiegend christliche Bevölkerung an. Welche Rolle spielt es heute noch für die Partei in einer wesentlich pluraleren Gesellschaft?

Thorsten Jabs: Am kommenden Freitag feiert die christlich-demokratische Union Deutschlands ihren 75. Geburtstag, und heutzutage wird immer wieder darüber diskutiert, welche Bedeutung das C im Namen eigentlich noch hat. Schließlich leben in Deutschland immer mehr Menschen, die mit Kirche nichts zu tun haben wollen oder einen anderen Glauben haben. Doch wie christlich war die CDU beim Start, und wie hat sich das verändert, darüber spreche ich mit Frank Bösch, dem Direktor des Leibniz-Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam. Guten Tag, Herr Bösch!

Frank Bösch: Guten Tag!

Schulterschluss der Konfessionen war nicht selbstverständlich

Jabs: Tauchen wir mal gleich ein in die Geschichte. Der rheinische Katholik Konrad Adenauer hat die Nähe der protestantischen Bischöfe gesucht und für die CDU reklamiert, die beiden christlichen Konfessionen zusammengebracht zu haben. Klar, die Ökumene gibt es heute, da läuft es mal besser, mal schlechter, aber es gibt sie immerhin. Wie muss man sich das vorstellen, wie besonders war das?

Bösch: Das war sehr besonders. Zunächst einmal ist wichtig, dass nach 1945 die Kirchen wieder eine Schlüsselrolle spielen. Die Kirchen haben einen großen Zulauf, denn für die christliche Religion einzutreten, heißt, sich auch vom Nationalsozialismus abzugrenzen, und viele ehemalige Nationalsozialisten betonten nun, dass sie immer eng bei der Kirche gestanden haben.

Dass dieser Zusammenschluss zwischen Katholiken und Protestanten zustande kommt, ist etwas ganz Besonderes, denn in den westeuropäischen Nachbarländern wie den Niederlanden oder der Schweiz, da gelingt das nicht. Da bleiben die protestantischen und katholischen Parteien zunächst gespalten. Dieser Zusammenschluss ist nur erklärbar auch aus der Angst vor den Kommunisten und den Sozialisten, den Sozialdemokraten, die nun erstarken würden.

Das fördert einen Schulterschluss in der Nachkriegszeit, insbesondere in den 1950er-Jahren, wo sich ganz unterschiedliche Gruppen rechts von der SPD zu einer großen Partei zusammenschließen wollen, um hier eine neue Stärke zu gewinnen. Aber die Spannung zwischen den Konfessionen, zwischen Katholiken und Protestanten, die sind in den 50er-Jahren noch immens, auch innerhalb der CDU.

Konfessioneller Proporz bei der Vergabe von Ämtern

Jabs: Adenauer hat dann die Bundesrepublik 14 Jahre als Kanzler und die Partei von 1950 an für 16 Jahre gelenkt. Was war besonders christlich oder vielleicht auch besonders katholisch an seiner Politik?

Bösch: Nicht nur Adenauer, sondern die CDU insgesamt war vor allem eine Partei, die an die Tradition der katholischen Zentrumspartei angeschlossen hat. Hier lag ihre Stärke insbesondere in den rheinisch-katholischen Gebieten, wo auch Adenauer selbst herkam. Die Protestanten hielten sich am Anfang zurück, traten deutlich seltener zur CDU bei, wählten auch, bis heute, muss man sagen, seltener die CDU.

Poträt des Historikers Frank Bösch in hellblauem Hemd und schwarzem Sakko vor einer Bücherwand (ZZF / Joachim Liebe)Unter dem C der CDU sammelten sich Christen mit unterschiedlichen Wertvorstellungen, sagt der Historiker Frank Bösch. (ZZF / Joachim Liebe)

Und Adenauer vermochte hier einen Schulterschluss zu schlagen, indem er Kompromisse machte, indem er drauf achtete, dass auch Protestanten sichtbare Positionen kriegen, indem er in der CDU einen festen Proporz einführte. Wenn der Kanzler etwa katholisch war, wie er selbst, dann musste der Bundespräsident evangelisch sein, musste der Innenminister, um eine weitere herausgehobene Position zu nennen, ein Protestant sein. Das zog sich durch die Partei durch bis hin zur Programmatik, wo entsprechende Reizworte aus dem politischen Katholizismus, wie "Bekenntnisschule", eher vermieden wurden.

Partei aller Christen als Anspruch

Jabs: Sie haben in einem Interview mal gesagt, dass stets recht offengehalten wurde, was hinter dem C steht. Hat Adenauer oder die CDU unter Adenauer dafür die Grundlagen gelegt?

Bösch: Ja. Das große C bei der CDU war immer ein Dach, um sehr, sehr unterschiedliche Menschen zu sammeln. Der Anspruch der CDU war, die Partei aller Christen zu sein, und da damals fast die gesamte Bevölkerung christlich war, sprach sie damit fast eigentlich, bis auf wenige Atheisten, jeden an. Das C war ein Dach, um eher konservative Menschen ebenso anzusprechen wie sozial orientierte Menschen, denn was jeweils als christlich galt, das war natürlich sehr unterschiedlich, und das wandelte sich in der Zeit auch.

Die Umschreibungen blieben bewusst vage, und die CDU war auch nie eine Programmpartei, die sehr ausführlich ausformuliert hat, was sie eigentlich für eine Politik machen wollte. Die Politik wurde eher vom Kanzleramt gestaltet unter Adenauer, und erst 1978 dann gibt es ja das erste Grundsatzprogramm, das aber auch bei der Definition des C, des Christlichen, eher zurückhaltend formuliert ist.

Liberaler und konservativer als andere christliche Parteien

Jabs: Bleiben wir noch mal ganz kurz in der Zeit dazwischen. Sie haben gerade vom Wandel gesprochen. Hat sich denn auch etwas gewandelt unter den Protestanten Ludwig Erhard und Kurt Georg Kiesinger?

Bösch: Auffällig ist, dass viele führende CDU-Politiker aus sogenannten Mischehen kommen oder Frauen hatten, wenn sie Katholiken waren, die Protestantinnen waren und umgekehrt. Das heißt, wir haben hier viele Politiker, die ungewöhnlicherweise, bevor es Ende der 1960er-Jahre üblicher wurde, auch im Privaten diesen Schulterschluss zwischen den Konfessionen geschlagen hatten. Diese Politiker vertreten eine kompromissbereitere Linie.

Mit der Aufnahme der Protestanten in die katholisch geprägte Partei verändert sich durchaus auch etwas. Viele der Protestanten haben einen stärker wirtschaftsliberalen Kurs gehabt, dafür steht natürlich Ludwig Erhard insbesondere. Das heißt, im Vergleich zu anderen christdemokratischen Parteien in Westeuropa, die eher katholisch geprägt waren, ist die CDU dadurch liberaler, marktliberaler geprägt und auch konservativer geprägt, denn es gibt auch durchaus einige protestantische Politiker, die eher aus der DNVP, also der konservativen Partei der Weimarer Republik kommen und auch hier entsprechende Positionen einbringen, während der sogenannte katholisch-soziale Flügel eher im Rheinland verankert bleibt und dort seine Basis hat.

Ein neuer Zeitgeist in den 1970er-Jahren

Jabs: Nach der kurzen Zeit von Rainer Barzel begann 1973 für mehr als ein Vierteljahrhundert die Ära Helmut Kohl, wieder ein Katholik. Welchen Stellenwert hatte das C für ihn?

Bösch: Helmut Kohl hat zwar immer wieder angeführt, dass das C ein wichtiger Kitt in der Partei ist, aber gleichzeitig, wenn man die Programmatiken anguckt, verliert es eigentlich in der Zeit seine Bedeutung. Das kann man nicht einfach nur Helmut Kohl anlasten, das ist natürlich der Geist der Zeit. Wir haben 1969 und dann 1972 die ersten großen Austrittswellen. Ein ganz wichtiger Punkt ist ja, dass die Kirchen, insbesondere die katholische Kirche, die damals auch noch vor Wahlen die CDU massiv unterstützt hat in den 50er- und frühen 60er-Jahren, nun auch nicht mehr so eindeutig für die CDU eintritt.

Das heißt, es gibt also einen gesamtgesellschaftlichen Wandel, wo diese enge Verbindung zwischen Kirchen und CDU/CSU an Bedeutung verliert. Helmut Kohl setzt sich zwar dafür ein, dass das Grundsatzprogramm, das unter seiner Leitung dann 1978 verabschiedet wird, mit Verweis auf das C beginnt. Hier gibt es den ersten Satz, dass der Ausgangspunkt bei der CDU "das christliche Verständnis vom Menschen bildet". Aber gleichzeitig sagt dieses Programm auch, dass die CDU offen ist für jeden, der die Würde und die Freiheit aller Menschen und die daraus abgeleiteten Grundüberzeugungen unserer Politik bejaht.

Das heißt, die CDU öffnet sich auch explizit für den wachsenden Teil derjenigen, die nicht mehr in der Kirche sind und sich auch nicht mehr zum Christentum bekennen, sondern einfach ganz allgemein zu den Grundüberzeugungen der CDU.

Nicht mehr nur die Partei der Christen

Jabs: Sie sprechen von gesellschaftlichem Wandel. Der war in den 1980er-Jahren auch spürbar. Die Grünen feierten erste Erfolge, der Kalte Krieg neigte sich dem Ende zu, Hedonismus und Konsum standen für die Jugend ganz oben. War das Konservativ-Katholische der CDU oder das Christliche der CDU quasi auch ein Gegenpol, der sich in Wahlerfolgen messen ließ?

Bösch: Ja. Zum einen muss man sagen, dass die CDU ja seit den 60er- und vor allen Dingen auch seit den 70er-Jahren nicht mehr exklusiv die Partei der Christen, die kirchennahe Partei war, denn die SPD nähert sich in den 60er-Jahren auch an die katholische Kirche an. Gerade die protestantische Kirche wandelt sich ja, viele Protestanten, auch Geistliche, schließen sich der Friedensbewegung an, den Anti-Atom-Protesten und rücken damit auch vom Kurs der Union deutlich ab.

Sep. 09, 1980 - 65. Birthday Of Franz Josef Strauss: 65 years ago, on Sept. 6th 1915, Franz Josef Straub was born in Munich/West Germany. Straub has been charter-member of the CSU in 1945, since March 61 he is chairman of this party. He belongs to the Bundestag since its foundation; at first he has been deputy-chairman of the CDU/CSU Bundestags - fraction. In Oct.53 he became Federal Minister of Special Assignments, in Oct 55 Federal Minister of Nuclears and in Oct.56 he took over the office of the Federal Minister of Defence. In 1962 the successful career of the dynamic Bavarian politician was interrupted suddenly by the Spiegel affaire. But in 1966 he succeeded a political comeback, when he became Federal Minister of Finance in the Grobe Koalition . Since 1968 Franz Josef Straub is Bavarian Prime Minister. 1979 he was nominated as CDU/CSU candidate for chancellorship for PUBLICATIONxINxGERxONLY - ZUMAk09  Sep 09 1980 65 Birthday of Franz Joseph Strauss 65 Years  ON Sept 6th 1915 Franz Joseph Straub what Born in Munich WEST Germany Straub has been Charter member of The CSU in 1945 Since March 61 he IS Chairman of This Party he belongs to The Bundestag Since its Foundation AT First he has been Deputy Chairman of The CDU CSU Bundestag fraction in OCT 53 he became Federal Ministers of Special  in OCT 55 Federal Ministers of  and in OCT 56 he took Over The Office of The Federal Ministers of Defence in 1962 The Successful Career of The Dynamic Bavarian politician what interrupted Suddenly by The Spiegel Affair but in 1966 he succeeded a Political Comeback When he became Federal Ministers of Finance in The rough Coalition Since 1968 Franz Joseph Straub IS Bavarian Prime Ministers 1979 he what nominated As CDU CSU Candidate for chancellorship for PUBLICATIONxINxGERxONLY ZUMAk09 (imago / ZUMA / Keystone)Konservative Politiker mit voller Überzeugung: Konrad Adenauer (l) und CSU-Chef Franz Josef Strauß. (imago / ZUMA / Keystone)

Auch die frühen Grünen sind ja durchaus kirchennah zum Teil geprägt, auch bei den Wählergruppen, und sind es zum Teil bis heute. Insofern diffundiert im Grunde genommen dieses Verhältnis zum Christentum auch in die anderen Parteien rein. Aber die CDU bleibt die Partei, die von kirchennahen Katholiken und Protestanten, also Menschen, die regelmäßig in die Kirche gehen, ganz überproportional gewählt wird. Das ist und bleibt die Kernwählerschaft der CDU, aber die wird seit den 70er-Jahren kleiner.

Merkel fördert Liberalisierung christdemokratischer Positionen

Jabs: Das bleibt auch so unter der Ära Merkel, die sich wohl langsam dem Ende zuneigt. Darüber ist so viel geschrieben und diskutiert worden – die protestantische Frau aus Ostdeutschland. Würden Sie sagen, dass ihr Erfolg auch etwas damit zu tun hat, dass sie Protestantin ist und bei gesellschaftspolitischen Themen weniger christlich-konservativ war?

Bösch: Sicherlich. Es ist ja weiterhin bezeichnend, dass zwar in der Programmatik oder in der alltäglichen Politik das C in der CDU keine große Rolle mehr spielt, aber von der Herkunft, dem Betonen der Selbstverortung ist es sehr, sehr wichtig. Wenn man sich etwa die Homepages von Abgeordneten der CDU anguckt, von führenden Politikern, ist die Selbstverortung, ob man Katholik ist oder Protestant, etwas ganz Zentrales bei den meisten bis heute.

Die Herkunft von Angela Merkel hat ihr sicherlich geholfen, sich auch hier zu positionieren. Die CDU setzt ja weiterhin auch in verschiedenen Bereichen Akzente, wo man die christliche Herkunft merkt. Das bezieht sich oder bezog sich sehr lange natürlich auf den Umgang mit der traditionellen Familie mit Vater, Mutter, Kind. Das Markante an Angela Merkel ist natürlich, dass sie gerade in diesen Bereichen auch die Liberalisierung der christdemokratischen Position mit gefördert hat, also mit dem Ausbau von Kinderbetreuung, mit der Liberalisierung – wenn auch von ihr persönlich nur verhalten mitgetragen – auch der Ehe für Homosexuelle, hat sie sicherlich Akzente gesetzt, die die CDU einerseits liberalisiert haben, andererseits aber auch ihre Stärke weiterhin gefördert haben.

Wirtschaftskompetenz wichtiger als Verortung im Christlichen

Jabs: Ist es ein Erfolgsgeheimnis für die CDU, so viel C wie nötig, aber so wenig wie möglich zu haben? So wenig wie möglich, wenn es darum geht, flexibel zu bleiben und sich dem Zeitgeist oder politischen Trends anzupassen – so wie die derzeitige Noch-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer einmal gesagt hat: Es kann christliche Politiker geben, aber keine christliche Politik?

Bösch: Ich denke schon, dass es eine christliche Politik geben kann, aber man muss sagen, dass die CDU nicht die Partei ist, die vornehmlich eine christliche Politik in dem Sinne macht, als dass sie hier einen Alleinvertretungsanspruch oder Ähnliches hat.

Annegret Kramp-Karrenbauer ist natürlich ein gutes Beispiel dafür, wie wichtig in dem Fall ihre auch katholische Sozialisation, ihre Verbindung zum katholischen Milieu im Saarland auch ist, um ihre Karriere auch entsprechend zu erklären, aber dass es nicht ausreichend ist, dass die CDU auch weiterhin eine Partei ist, die vor allen Dingen von der Zuschreibung von Wirtschaftskompetenz lebt, mit dem Versprechen, dass es eine positive wirtschaftliche Entwicklung gibt mit ihr.

Das sind Punkte, die seit dem Wirtschaftswunder, das mit Ludwig Erhard in Verbindung gebracht wird, sicherlich für den Wahlerfolg der Union deutlich wichtiger waren als ihre Verortung im Christlichen. Man kann es immer nur wieder betonen, das Christliche ist ein sehr, sehr dehnbarer Begriff, den unterschiedliche Gruppen für sich reklamieren. Und es ist interessant, für die Zukunft zu sehen, wie die neue Abgrenzung zum Islam dazu führt, dass jetzt auch vermehrt Gruppen wie die AfD sich auf das C und das Christliche, das "christliche Abendland" berufen, die bisher eigentlich überhaupt nicht durch Kirchennähe aufgefallen sind.

Konservative Moral könnte auch Muslime überzeugen

Jabs: Dann nehmen Sie meine letzte Frage eigentlich fast ein bisschen vorweg. Ich wollte Sie fragen, ob auch ein Historiker mal einen Blick in die Zukunft wagen kann, denn kann eine Partei immer noch christlich sein oder sich christlich nennen und Erfolg haben in einer Zeit, in der der christliche Glaube für viele Menschen eine kleinere Rolle spielt und man Menschen anderer Religionen auch einbinden oder als Wählerin und Wähler gewinnen möchte?

Bösch: Zum einen kann man als Historiker sagen, dass man mit Prognosen immer sehr, sehr vorsichtig ist. Wir haben alle geglaubt zum Beispiel in den 70er-Jahren, oder viele haben in den 70er-Jahren geglaubt, dass die Kirche und Religion keine Bedeutung mehr spielen wird, und in vielen Teilen der Welt hat die Bedeutung der Religion zugenommen.

Westeuropa ist ja eigentlich eher der Ausnahmefall. Schon in den USA konnte man seit den 80er-Jahren sehen, wie das Christliche mit den Evangelikalen eine ganz, ganz neue Bedeutung in der Politik erreicht hat. In Lateinamerika und in den islamischen Ländern sehen wir Ähnliches. Insofern wissen wir noch gar nicht, welche Rolle Religion vielleicht in 30, 40 Jahren spielen wird.

Dass in einer Migrationsgesellschaft das Christliche kein Monopol mehr hat, ist klar, aber dass religiöse Vorstellungen mit einer bestimmten Moral auch verbunden sind, und hier sind sich dann viele islamische Menschen mit den christlichen Gläubigen ja auch sehr, sehr nahe, indem bestimmte Familienideale, bestimmte Lebensformen auch bevorzugt werden. Da kann es natürlich sein, dass hier ganz, ganz unterschiedliche neue Konstellationen in der Zukunft entstehen, wo Fragen von konservativer Moral über unterschiedliche Religionszugehörigkeiten hinweg an Bedeutung gewinnen.

Insofern ist es auffällig, dass die CDU eigentlich viele Positionen vertritt, die viele, gerade gläubige Migranten, ja eigentlich teilen, nur dass sie in der Migrationsfrage, im Umgang mit Migranten eine bestimmte andere Haltung hat, die dazu führt, dass diese sie bisher nicht so stark wählen, blockiert bisher noch diese Liaison, die eigentlich sonst vielleicht auch naheliegend wäre.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandfunk Kultur macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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