Seit 22:03 Uhr Feature
Dienstag, 27.10.2020
 
Seit 22:03 Uhr Feature

Interview / Archiv | Beitrag vom 20.06.2009

Hirnforscher: Gier nach Geld ist angeboren

Christian Elger: Risikofreudige Manager können der Wirtschaft gefährlich werden

Podcast abonnieren
Gier nach Geld kann gefährlich werden (Stock.XCHNG / Sanja Gjenero)
Gier nach Geld kann gefährlich werden (Stock.XCHNG / Sanja Gjenero)

Die Gier nach Geld ist nach Ansicht des Bonner Hirnforschers Christian Elger angeboren. Der Grund dafür sei das so genannte Belohnungszentrum im Gehirn, dessen Aktivierung zu einem "ungeahnten Wohlbefinden" führe - so bei Managern, sagte Elger.

Bei Finanzmanagern könne die permanente Steigerung der Höhe der Einnahmen zu einer permanenten Aktivierung dieses Belohnungssystems führen. Es stehe in der Entscheidungshierarchie des Gehirns ganz oben und zeige keine Gewöhnung an diesen Reiz, sagte der Direktor der Klinik für Epileptologie an der Universität Bonn: "Also geht es immer weiter, und je höher der Geldbetrag ist, desto mehr wird aktiviert."

Menschen, die so funktionierten, sollten nicht von Führungsposten ausgeschlossen werden, da sie auch Visionäre seien und Entwicklungen vorantrieben. Es müsse aber eine gesunde Mischung aus "Buchhaltertypen" und "Visionären" geben, betonte Elger: "Ich denke, wenn eine kritische Menge an Visionären dabei ist, die auch meistens rhetorisch sehr überzeugend sind durch ihre Aktivität und vorauspreschend andere mitreißen können, dann kann das, denke ich, für die Wirtschaft sehr kritisch werden, wie wir alle gesehen haben." Deshalb müssten Vorkehrungen getroffen werden, dass dieses System sich nicht so verselbstständigen könne, wie es bisher geschehen sei.

Es gebe auch Menschen, deren Belohnungssystem im Gehirn weniger stark auf solche Reize anspreche. Solche Menschen seien introvertierter und hätten "mehr Kapazitäten im Kopf, sich mit der Ratio, also mit der Vernunft der Sache, auseinanderzusetzen". Um herauszufinden, zu welchem Typus ein Mensch gehöre, seien psychologische Tests nur bedingt geeignet. Hinweise könnten Gentests geben. Es gebe eine ganze Reihe von Veränderungen in verschiedenen Genen, die persönlichkeitsrelevant seien, erläuterte der wissenschaftliche Geschäftsführer des Hirnforschungszentrums 'Life & Brain': "Ich denke, das wird sicher in den nächsten Jahren zunehmend in die Beratung von Personal einstellenden Führungskräften hineingehen, dass man nicht kritische Häufungen von der einen oder anderen Sorte hat, die dann potenziell gefährlich ist."

Interview

Studie der Stiftung LesenWarum Vorlesen so wichtig ist
Ein Vater liest auf einem Bett sitzend seinen Kindern vor. (Getty Images / Rae Russel)

Ein Drittel aller Eltern lesen ihren Kindern selten oder nie vor. Das geht aus einer aktuellen Studie hervor. Dabei sei Vorlesen wichtig für die Beziehung und bereite auf den Schulalltag vor, sagt die Erziehungswissenschaftlerin Petra Anders. Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur