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Kompressor | Beitrag vom 26.11.2019

Hip-Hop-Magazin "Juice" eingestelltDie Fans sind heute woanders

Azadê Peşmen im Gespräch mit Max Oppel

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Das Bild zeigt vier Ausgaben des HipHop-Magazins "Juice". (Imago Images/Manfred Segerer)
Nach 22 Jahren wurde das HipHop-Magazin "Juice" eingestellt. (Imago Images/Manfred Segerer)

Nach 22 Jahren wird das Hip-Hop-Magazin „Juice“ eingestellt. Das Magazin folgt damit einem Trend. Denn die Zielgruppe bewegt sich heute vor allem auf Youtube, Spotify oder Instagram.

Am Donnerstag erscheint die 195. Ausgabe des Hip-Hop-Magazins "Juice". Es wird die Letzte sein. "Das Format Print ist tot" heißt es in der Begründung. Der Verkauf lief schlecht, online soll es nächstes Jahr weitergehen.

Das Magazin wurde 1997 gegründet, ist sechs Mal im Jahr erschienen – und war für viele stilbildend: Rapper wie Bushido haben es besungen, die Musiker Dendemann oder Dexter würdigen die Zeitschrift in diesen Tagen zum Abschied noch einmal.

Auch die Journalistin Azadê Peşmen hat das Magazin regelmäßig gelesen. "Juice" sei eine wichtige Informationsquelle gewesen für Fans auf dem Land und in Städten ohne große Hip-Hop-Szene.

Rap-Journalismus findet heute auf Youtube statt

Das Magazin sei kein explizit politisches Medium gewesen, wenngleich die Redaktion in den vergangenen Jahren etwa Debatten um Sexismus angestoßen oder begleitet habe. Vor allem die Album-Bewertungen seien für viele eine wichtige Orientierung gewesen, sagt Peşmen.

Mit der Einstellung der Print-Ausgabe folge die Redaktion nun einem allgemeinen Trend: Neben dem Popkultur-Magazin "Spex" wurde vergangenes Jahr auch das HipHop-Magazin "Backspin" eingestellt.

"Es ist auch eine Realität, dass Rap-Journalismus mittlerweile fast ausschließlich auf Youtube stattfindet", sagt Peşmen. Dort finde man heute lange Interviews, auf Spotify die Podcasts dazu - und auf Soundcloud die Musik.

Rezensionen spielen nicht mehr die entscheidende Rolle

Rezensionen von Musikalben spielten heute nicht mehr so eine große Rolle wie früher, sagt Peşmen. Zudem seien fast alle Rapper auf Instagram vertreten. Dort könnten die Fans den Künstlerinnen und Künstlern direkt folgen.

"Ich weiß gar nicht, ob die 'Juice' in der Form, wie sie im Print noch erschienen ist, ob das die Zielgruppe so erreicht", sagt Peşmen.

Die neue, digitale "Juice" soll ab März mit einer Abo-Funktion starten.

(sed)

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