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Literatur / Archiv | Beitrag vom 24.04.2012

Hinter der Wand und jenseits des Gartenzauns

Nachbarschaftsverhältnisse in der Literatur

Von Angela Spahr

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Tür an Tür mit dem Nachbarn, dem unbekannten Wesen. (Stock.XCHNG / Mathias Mazzetti)
Tür an Tür mit dem Nachbarn, dem unbekannten Wesen. (Stock.XCHNG / Mathias Mazzetti)

Beim Nachbarn oder der Nachbarin handelt es sich um paradoxe Wesen, die zugleich nah und fern erscheinen. Hinter der Wand oder jenseits des Gartenzauns leben Leute, deren Vita zwar häufig unbekannt ist, deren Geräusche und Gerüche dagegen mit der Zeit unverkennbar werden.

Die Wohnung, das Heim wird analog zum Körper als ureigener, intimer Bereich verstanden, in den der un-heimliche Nachbar mit seiner Musik, seinem Fernseher, auch seinen Schritten oder seinem Fischgericht eindringt. Der Nachbar, sowohl fremd als auch vertraut, wirkt per se dubios und lädt zu Fantasien und Projektionen ein. Im Anderen verdichten sich so eigene Ängste und Wünsche.

Dieses besondere Imaginationsgeflecht macht Nachbarschaften zu einem geeigneten Objekt für die Literatur. Sowohl in den Texten von Rainer Maria Rilke und Franz Kafka zu Beginn des 20. Jahrhunderts als auch bei Christoph Peters und Judith Zander heute werden die Menschen nebenan verehrt oder verflucht, zumindest aber verdächtigt.

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