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Religionen / Archiv | Beitrag vom 06.02.2009

"Hinter dem Islam steht der Teufel"

Christliche Zionisten in Jerusalem

Von Michael Hollenbach

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Blick auf den Tempelberg in Jerusalem (AP Archiv)
Blick auf den Tempelberg in Jerusalem (AP Archiv)

Sie nennen sich Freunde Israels, Christliche Botschaft in Jerusalem oder Forum für Israel: evangelikale Christen, die demonstrativ die Politik Israels unterstützen - vor allem die aggressive, expansionistische Variante der israelischen Politik. Denn in den Augen dieser christlichen Zionisten haben die Juden eine Funktion im Heilsplan Gottes zu erfüllen.

Das Anwesen kann sich sehen lassen. Eine riesige Villa in der German Colony beherbergt die "Internationale Christliche Botschaft in Jerusalem". In dieser "Botschaft" residieren evangelikale Christen, die 1980 nach Jerusalem gingen, um bewusst ihre Unterstützung für Israel zu bekunden. In der Christlichen Botschaft arbeitet auch Doron Schneider, ein jüdischer Israeli, der als Christ nur wenige Freunde unter seinen Landsleuten hat. Die Juden hätten Angst vor einer christlichen Missionierung, sagt der in Deutschland geborene Schneider.

"Sie sind blind für Jesus, das kann man ihnen aber auch nicht übel nehmen, weil von der Bibel her Gott hat ihnen die Decke vor die Augen gehängt für eine gewisse Zeit. (…) Und wenn Gott sie blind gemacht hat für ihren eigenen Messias, dann können wir sie nicht beschuldigen, dass sie ihn nicht erkennen und nicht annehmen."

Die Juden – das Werkzeug Gottes zur Erlösung der Welt. So sieht es auch der Amerikaner Malcolm Hedding, einer der einflussreichsten christlichen Zionisten.

"Israel existiert nicht um seiner selbst Willen, sondern es ist nur das Mittel zu einem Zweck. Jesus hat Israel zu sich berufen in einer ganz einzigartigen Weise, damit die Juden das Werkzeug der Welterlösung sein können. Tatsächlich hat der Teufel die Nationen dieser Welt benützt, um das jüdische Volk zu zerstören. Denn er weiß, dass die Nation Israel, dass die Juden immer der Schlüssel für die Welterlösung waren."

Malcolm Hedding ist der Vorsitzende der Internationalen Christlichen Botschaft in Jerusalem, sein Stellvertreter ist Jürgen Bühler. Der schwäbische Evangelikale und auch Doron Schneider machen kein Hehl aus ihrer Erwartung, dass die Wiederkehr Gottes kurz bevorstehe.

Bühler: "Gewisse Ereignisse, die theologisch in Zusammenhang mit den letzten Tagen gebracht werden, machen uns deutlich, dass da ein Prozess im Gang ist, wo wir in der Tat in einer sehr fortgeschrittenen Zeit leben."

Schneider: "Wenn ich betrachte, was so in der Welt geschieht: nicht nur Wirtschaftskrise, auch Erdbeben und Kriege und einer gegen den anderen, kann ich nicht anders denken, dass es bald so sein wird. Ich spüre, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis Jesus wieder kommen wird."

Bühler: "Die Rückkehr der Juden aus aller Welt ist nun mal eine Sache, die die Bibel voraussagt für die letzten Tage, gleichzeitig auch die Zunahme von weltweiten Naturkatastrophen sind Phänomene, wo, wenn man die Offenbarung liest und die Endzeitreden Jesu auch, der ganz konkret solche Dinge anspricht."

Die Einwanderung der Juden nach Israel - vor allem aus der ehemaligen Sowjetunion – verstehen die christlichen Fundamentalisten als ein Zeichen Gottes, dass sich auf diese Weise bestimmte Prophezeiungen der Bibel erfüllen würden. Und die christlichen Botschafter in Jerusalem unterstützen diesen vermeintlichen Plan Gottes, indem sie sich für die eingewanderten Juden materiell und sozial engagieren.

Einmal im Jahr schaffen es die christlichen Zionisten sogar, live im israelischen Fernsehen aufzutreten. Beim jüdischen Laubhüttenfest ziehen dann rund 8000 evangelikale Christen aus über 100 Ländern durch die Straßen Jerusalems, um sich als Freunde Israels zu präsentieren. Allerdings ist man auch in Israel nicht nur begeistert über diese Freundschaft.

"Wir haben jetzt in den letzten Jahren (…) sehr strenge Auflagen bekommen, was wir machen dürfen und was nicht, weil doch eine sehr starke Angst vor jeglicher Missionsaktivität ist. (…) es durften keine Banner präsentiert werden, die irgendwelche neutestamentlichen oder christlichen Texte beinhalten."

Jürgen Bühler betont aber, bei dem Umzug gehe es den christlichen Botschaftern nicht um Mission.

"Es ist ein sehr wichtiges Zeugnis, dass Israel tatsächlich sieht, dass es bibelgläubige Christen gibt, die Freunde Israels und Freunde des jüdischen Volkes sind."

"Ich würde sie nicht als Freunde Israels und des Judentums bezeichnen, weil sie die jüdische Religion lediglich als Folie benutzen, um ihren christlichen Endzeitvorstellungen nachzugehen und politisch führt das bei diesen christlichen Zionisten häufig dazu, dass sie nicht die Bedürfnisse des Staates Israel auf eine gesicherte Zukunft im Vordergrund haben, sondern lediglich ihren christlichen Heilsplan."

Sagt Wolfgang Raupach-Rudnick, Beauftragter der evangelischen Kirche für den christlich-jüdischen Dialog. Er hält den christlichen Zionisten vor:

"Sie fügen das Judentum in ein christliches Weltbild ein. Sie instrumentalisieren damit den jüdischen Glauben, sie machen nicht das, was inzwischen in der katholischen und evangelischen Kirche klare Einsicht ist: das jüdische Volk bleibt erwählt von Gott, auch wenn es nicht an Jesus Christus glaubt."

Nicht wenige der christlichen Fundamentalisten vermuten hinter politischen Ereignissen das Wirken des Teufels. So steht für Doron Schneider fest, dass hinter dem Islam der Teufel stecke.

"Ich meine, dass wir so viel Terror haben in der Welt, kommt daher, dass der Teufel den Islam gebraucht, um das jüdische Volk noch vor dem Wiederkommen Jesu zu vernichten."

Doron Schneider, der sich auf seiner Website in Videoclips als Soldat im Kampf gegen die Palästinenser präsentiert, hat ein klares Weltbild: Gott hatte immer einen Heilsplan mit dem jüdischen Volk; und der Teufel versucht, diesen Plan zu durchqueren.
Die meisten der zionistischen Christen haben ein sehr einfach gestricktes Weltbild, das nur schwarz-weiß gezeichnet sei, sagt Wolfgang Raupach-Rudnick:

"Der Islam ist pauschal auf der Seite der Bösen, der Islam wird zu dem Feindbild, das Israel und die ganze christlich-jüdische, westliche Zivilisation bedroht, hochstilisiert und innerhalb des Islam werden überhaupt keine Differenzierungen mehr vorgenommen."

Der christliche Zionismus sei vor allem nach dem Sechs-Tage-Krieg 1967 stark geworden, sagt der evangelische Theologe.

"Man hat damals die Eroberung palästinensischer Gebiete als ein theologisch zu deutendes Signal verstanden: Jetzt beginnt die Rückkehr des Volkes in das Land, und dieses so aufgeladene Datum des Juni 1967 ist für sie der Ausgangspunkt."

Politisch gesehen gehören die christlichen Zionisten zu den Hardlinern: Sie missbilligten den Abzug Israels vom Sinai und den Rückzug aus den Siedlungen im Gazastreifen 2005. Verhandlungen über die Rückgabe der besetzten Gebiete lehnen sie ab. Nicht verwunderlich, dass sie den letzten Gaza-Krieg der Israelis voll unterstützt haben – als einen Teil des Heilsplans Gottes.

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