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Die besondere Aufnahme / Archiv | Beitrag vom 08.02.2020

Hinrich Alpers spielt Beethovens 3. Sinfonie in der Klavierfassung von Franz Liszt"Eroica" für 88 Tasten

Moderation: Stefan Lang. Gast: Hinrich Alpers

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Der Pianist sitzt am heimischen Instrument, das von Bücherregalen umgeben ist. (Hinrich Alpers / Hannes Caspar)
Hinrich Alpers hat alle Beethoven-Sinfonien in der Klavier-Liszt-Fassung für DLF Kultur eingespielt (Hinrich Alpers / Hannes Caspar)

Franz Liszt war Beethoven-Fan. Er hat alle seine Sinfonien für das Klavier "erobert", ganz ohne Virtuosengehabe. Hinrich Alpers hat für Deutschlandfunk Kultur alle Bearbeitungen eingespielt, heute stellen wir Beethovens "Eroica", die 3. Sinfonie vor.

Es ist ein großes Projekt: alle Sinfonien von Ludwig van Beethoven in der Fassung von Franz Liszt zu zwei Händen neu einzuspielen. Der Pianist Hinrich Alpers hat sich dieser Mammutaufgabe gestellt. 

Vertrautes wird durch die Klavierfassung neu, die Transkriptionen öffnet das Ohr und lenkt auf Schönheiten und Besonderheiten, die im Orchesterklang vielleicht versteckter liegen. Für Hinrich Alpers ist mit der Einspielung ein Traum wahr geworden, wie er sagt. "Ich bin sehr glücklich, dass ich im Beethoven-Jubeljahr diesen Beitrag leisten darf. Und es ist ein schönes Gefühl, diese Werke bald auch in zahlreichen Konzerten spielen zu können."

Tradition der Klavierauszüge

Die Lisztschen Bearbeitungen sind keine klassischen Klavierauszüge, betont der Pianist. Klavierauszüge gab es schon kurz nach den Uraufführungen von Beethovens Sinfonien - in seiner Zeit war das ein gängiges Prozedere, die große Musik für kleine Räume und viele Menschen zugänglich zu machen. Orchesterkonzerte zu organisieren war schon damals ein enormer Aufwand.

"Was Liszt wollte, war, die Musik tatsächlich in Klaviermusik zu 'übersetzen'.", sagt Alpers. Er habe eben nicht nur virtuose Zusätze beigemengt, wie er es als ausgezeichneter Pianist tatsächlich vermochte. Das habe sich Liszt "verkniffen". Er wollte keine Tongirlanden hinzufügen. "Liszt ist sehr ernsthaft mit diesem Erbe umgegangen." Es ging ihm auch nicht um eine einfach spielbare Variante der Sinfonie.

Fotographie des Komponisten, der an einem Klavier sitzt. (imago stock / people)Franz Liszt entfernte sich im Alter von allem Virtuosentum. (imago stock / people)

Liszt habe, so Alpers weiter, den Beethovschen Geist der Orchestermusik auf das Klavier übertragen wollen, was nicht immer einfach war. Denn an manchen Stellen scheitert der "Apparat Klavier" an Klangmöglichkeiten. Zum Beispiel bei jenen Passagen, bei denen Streicher sehr lange Töne spielen können. Beim Klavier verklingt der Ton nach einer gewissen Zeit, unaufhaltsam.

Orchestereffekte mit 88 Tasten

Auch das Crescendo, das Lauterwerden, auf einem einzelnen Ton ist am Klavier nicht darstellbar. Hier war Liszt gezwungen, in den Notentext einzugreifen, um den gewollten Effekt der Orchestermusik am Klavier zu verdeutlichen. Dabei ruft Liszt immer wieder das Bild des am Klavier komponierenden Beethoven auf, denn die Orchestermusik ist auf einer Klaviatur entstanden.

Hinrich Alpers war auch in unserer Sendung "Tonart" zu Gast und sprach über sein Beethoven-Liszt-Projekt:

Ludwig van Beethoven: 
Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 55 "Eroica"
Bearbeitung für Klavier: Franz Liszt

Hinrich Alpers, Klavier

Aufnahme vom Mai 2019 im Beethoven-Haus Bonn.

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