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Kompressor | Beitrag vom 13.03.2020

"Hillary" und "Wagenknecht"Frauenbilder in Polit-Dokus

Cornelia Schmalz-Jacobsen im Gespräch mit Jana Münkel

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Die Politikerin Sahra Wagenknecht sitzt in einem Auto und schaut aus dem Fenster. (Salzgeber)
Ausgangspunkt für den Film "Wagenknecht" war die Frage: Warum begibt man sich freiwillig in die Politik? (Salzgeber)

Zwei Dokumentationen zeigen zwei Politikerinnen, die gegensätzlicher nicht sein könnten: Hillary Clinton und Sahra Wagenknecht. Doch nur einer der Filme kann die FDP-Politikerin Cornelia Schmalz-Jacobsen überzeugen - den anderen findet sie uninteressant.

Hillary Clinton und Sahra Wagenknecht: Dieser Tage sind zwei Dokumentarfilme über die beiden Politikerinnen zu sehen.

Der Sender Sky zeigt die vierteilige Serie "Hillary", die das Leben der einstigen First Lady, Senatorin und demokratischen Präsidentschaftskandidatin erzählt. Für den deutschen Film "Wagenknecht", der gerade in den Kinos anlief, hat die Filmemacherin Sandra Kaudelka die prominente Linken-Vertreterin zwei Jahre lang mit der Kamera begleitet begleitet – vom Bundestagswahlkampf 2017 bis zu ihrem Rückzug vom Fraktionsvorsitz 2019.

Einseitiges Bild in deutschen Medien

Der FDP-Politikerin Cornelia Schmalz-Jacobsen hat vor allem der Film über Clinton gefallen, der über Wagenknecht weniger.

Für ihr Urteil über die beiden Streifen spielten die politischen Ansichten der Protagonistinnen keine Rolle, unterstreicht die ehemalige Berliner Senatorin und Ausländerbeauftragte der Bundesregierung.

Der "Hillary"-Film zeige mehr von der Politikerin und ihrem Leben, findet Schmalz-Jacobsen. So habe sich ihr Bild, das sie von Clinton gehabt habe, durch die Dokumentation verändert. "Ich wusste vieles überhaupt nicht", sagt die FDP-Politikerin - zudem hätten die deutschen Medien die US-Demokratin offenbar einseitig vermittelt.

Der Film zeige auch, dass in den USA "manches schärfer und altmodischer" sei als in Deutschland. Dies betreffe beispielsweise die Rollenbilder, mit denen Hillary Clinton als Frau in der Politik konfrontiert gewesen sei.

Auch sie selbst sei noch, als sie für das Münchner Oberbürgermeisteramt kandidierte, darauf angesprochen worden, was denn ihre Familie dazu sage, berichtet Schmalz-Jacobsen:

"Daraufhin habe ich ganz ruhig gefragt: Haben Sie das die anderen Kandidaten von der SPD und CSU eigentlich auch gefragt? Da hatte ich einen donnernden Applaus."

Zeit mit Aufnahmen im Auto verschenkt

Keine Begeisterung kam beim Sehen der Dokumentation "Wagenknecht" bei Schmalz-Jacobsen auf. "Uninteressant", urteilt die ehemalige Journalistin. Denn sie habe ein rundes Bild von der Linken-Politikerin erwartet. Stattdessen sei viel Zeit unter anderem mit Aufnahmen im Auto verschenkt worden. Außerdem komme "so gut wie nichts Privates vor".

Der Film vermittle, dass Wagenknecht klug, schön und elegant sei. Doch bleibe die Frage offen, was Wagenknecht zu der Frau gemacht habe, die sie heute sei.

(rzr)

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