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Ortszeit / Archiv | Beitrag vom 31.10.2013

Hilfe, ich werde nicht abgehört!

Eine Glosse von Peter Zudeick

Telefonkabel und Computerkabel an einem Telefon (picture alliance / dpa / Patrick Pleul)
Telefonkabel und Computerkabel an einem Telefon (picture alliance / dpa / Patrick Pleul)

Man muss schon wichtig sein: Eigentlich werden nur die Top-Ten der Forbes-Liste rund um die Uhr belauscht. Doch wie aus Washington zu hören ist, hat die NSA eine Art Trostrunde eingerichtet, damit die weniger wichtigen VIPs auch mal dran kommen.

Eigentlich ist jetzt alles klar. Natürlich spähen und lauschen die US-Geheimdienste, was das Zeug hält, und sie haben auch nicht vor, damit aufzuhören. Weil sie ja wissen müssen, was in der Welt so passiert. Das ist das Ergebnis der Kongressanhörung. Und genauso natürlich ist es, dass sie die Großen dieser Welt ausspähen. Weil die eben bestimmen, was in der Welt so passiert. Noch Fragen?

Naja, das ist halt so wie immer: Kaum hast du ein Problem gelöst, hast du ein neues an der Backe. Denn jetzt geht es darum, wer wichtig ist in dieser Welt, wer zu den Großen zählt. Da geht die NSA strikt nach der Forbes-Liste der mächtigsten Menschen der Welt vor. Putin ist da die neue Nummer eins, vor Obama, dem chinesischen Staatschef, Papst Franziskus und Angela Merkel. Die werden schon mal gnadenlos ausgespäht, ist ja klar.

Und dann wird’s schon eng. Wie aus ganz geheimen Geheimdienstkreisen verlautet, wurden früher nur die Top-Ten der Forbes-Liste rund um die Uhr belauscht. Da haben sich dann aber einige beschwert. Der britische Premier David Cameron zum Beispiel. Der liegt auf Platz 11 und würde nach der alten Regel hinten runterfallen. Francois Hollande wäre auch nicht dabei. Platz 18. Deshalb hat die NSA schon vor langer Zeit die ersten zwanzig der Liste unter Beobachtung genommen.

Rundum-Sorglos-Paket dürfte David Cameron Hoffnung machen

Was aber bei weitem nicht reicht. Kim Jong-un, geliebter Führer Nordkoreas, wäre nicht dabei. Platz 46. Die Premierministerin von Südkorea auch nicht. Platz 53. Ganz zu schweigen von Martin Winterkorn von VW. Platz 49. Also hat man beschlossen, Nägel mit Köpfen zu machen, und jetzt nicht die ersten vierzig oder fünfzig der Liste ins Rundum-Sorglos-Ausspäh-Programm aufzunehmen, sondern alle 72. Damit ist auch Fifa-Präsident Joseph Blatter dabei. Platz 69. Es sei ihm gegönnt.

Aber damit – siehe oben – gehen die Probleme erst richtig los. Österreichs Bundeskanzler Faymann wird nicht abgehört. Weil seine Telefone ordentlich abgeschirmt sind, heißt es aus dem Kanzleramt in Wien. Ist natürlich Blödsinn. Die NSA interessiert sich nicht für ihn. Und das ist nun wirklich rufschädigend. Auch der italienische Premier steht nicht auf der Forbes-Liste, von anderen europäischen Staatenlenkern ganz zu schweigen. Ja, gut, die könnten sich beim Internationalen Gerichtshof für Menschenrechte beschweren – ach so, den gibt’s noch nicht, und wenn es ihn gäbe, würden die USA ihm nicht beitreten. Dumm gelaufen.

Aber es gibt Hoffnung. Wie aus Washington zu hören ist, hat die NSA eine Art Trostrunde eingerichtet. Insgesamt 35 Regierungschefs dieser Welt werden abgehört, wobei nur die auf der Forbes-Liste das Komplettprogramm kriegen und die anderen ein abgespecktes. Da wird ab und zu mal reingehört. Ist aber besser als nichts. Damit man nicht vor aller Welt als totaler Depp dasteht.

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