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Lesart | Beitrag vom 28.07.2021

Hilfe für BuchhandlungenÜberwältigende Spendenbereitschaft nach Hochwasser

Moderation: Frank Meyer

Ein Buchladen in Gemünd ist verwüstet, nachdem die Urft über die Ufer getreten war. (picture alliance / dpa / Oliver Berg)
Buchhandlungen, die keine gute Versicherung haben, sind auf Spenden oder die Hilfe des Sozialwerks des Deutschen Buchhandels angewiesen. (picture alliance / dpa / Oliver Berg)

Das Hochwasser hat in den Buchhandlungen der betroffenen Regionen große Schäden angerichtet: Ganze Bestände wurden von den Fluten vernichtet. Mut geben den Buchhändlern Hilfsbereitschaft und das Sozialwerk des Deutschen Buchhandels.

Tausende von Büchern sind vom Hochwasser zerstört, Regale und Möbel schlammverkrustet, Computer und andere Technik unbrauchbar geworden: Mehr als ein Dutzend Buchhändlerinnen und Buchhändler aus Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen haben sich bereits beim Sozialwerk des Deutschen Buchhandels gemeldet, weil sie finanzielle Unterstützung für einen Neuanfang benötigen.

Viele sind verzweifelt und einige im Augenblick auch etwas mutlos. Das geht aus ausgefüllten Fragebögen und anderen Rückmeldungen der Hilfesuchenden hervor, die dem Sozialwerk vorliegen. Ursula von Bestenbostel, die Vorsitzende der Hilfseinrichtung, berichtet von der überwältigenden Hilfsbereitschaft anderer Buchhandlungen, von Einzelpersonen und von Verlagen, die schon gespendet hätten – "zwischen fünf und 100.000 Euro".  

Auch Crowdfunding hilft

Das Sozialwerk, das seit rund 180 Jahren Buchhändlerinnen und Buchhändlern in Not hilft, wolle auch dieses Mal schnell und unbürokratisch finanzielle Erste Hilfe leisten, sagt von Bestenbostel. Lediglich ein Fragebogen mit einigen Angaben zu den Schäden müsse ausgefüllt werden.

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Einige Buchhandlungen haben bereits selbst anderweitig die Initiative ergriffen und versuchen, über Crowdfunding ihre Schäden zu decken. Auch dort – etwa auf der Seite Gofundme.com – gibt es offenbar viele Spendenwillige.

Ein Abwasser-Öl-Benzin-Gemisch zerstörte die Bücher

Jörg Drescher hat Glück gehabt: Der Buchhändler aus Eschweiler ist ganz gut versichert [AUDIO]. Anders als einige Kolleginnen und Kollegen stehe er jetzt nicht vor dem Ruin, betont der Rheinländer.

Doch auch im Ladengeschäft von Oelrich & Drescher sieht es noch immer übel aus. Das Wasser habe ihm und seinen Mitarbeitenden bis zu den Knien gestanden, sagt Drescher: "Das war ja kein reines Quellwasser, sondern eine üble Brühe: ein Wasser-Abwasser-Öl-Benzin-Schlamm-Gemisch. Das stand dann so zwei Tage in der Buchhandlung."

Das wiederum bedeutet: Auch Bücher, die nicht durch das Wasser beschädigt waren, sind im Prinzip für den Verkauf unbrauchbar geworden, "denn die nehmen unheimlich schnell diesen Geruch auf".

Zu Tränen gerührt habe ihn die großartige Hilfsbereitschaft von Kunden, Freunden und Menschen aus anderen Städten und Gemeinden, die teils mit Essen vorbeigekommen seien.

(mkn)

Wenn Elementarschäden von der Versicherung nicht gedeckt werden, können betroffene Buchhändlerinnen und Buchhändler Unterstützung aus dem Hochwasserfonds des Sozialwerks des Deutschen Buchhandels bekommen. Kontakt über E-Mail: sozialwerk@boev.de. Auf der Website ist auch eine Bankverbindung für Spender angegeben.

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