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Fazit / Archiv | Beitrag vom 11.03.2009

"Hilde"

Anke Leweke über die Verfilmung des Lebens der Hildegard Knef

Als Schauspielerin war sie die große deutsche Nachkriegs-Diva. Später wurde die Knef als Sängerin gefeiert. Der Film erzählt 23 Jahre ihres Lebens bis zu ihrem legendären Konzert in Berlin 1966. In Episoden nähert er sich den Höhen und Tiefen ihres Lebens.

"Hilde"
Deutschland 2008, Regie: Kai Wessel, Hauptdarsteller: Heike Makatsch, Dan Stevens, 136 Minuten, ab sechs Jahren

Die Verniedlichung und Banalisierung beginnt schon beim Titel: Doch wer bitteschön ist "Hilde"? Als die Knef schrieb die Schauspielerin, Komponistin, Sängerin bundesrepublikanische Geschichte.

Hildegard Knef gehörte zu den wenigen Deutschen, denen nach dem Krieg der internationale Durchbruch gelang. Sie drehte in Hollywood und war ein gefeierter Star am Broadway. Doch verlief ihre Karriere alles andere geradlinig, immer wieder eckte die Knef an, tanzte aus der Reihe und versuchte dabei stets, ihre eigene Chefin zu bleiben.

Statt sich dieser widersprüchlichen Biographie zu stellen, hetzt Kai Wessels 9,5 Millionen teure Produktion kopflos durch die Stationen einer Karriere. Es beginnt bei Knefs Anfängen als Jungschauspielerin bei der UFA. Die Frage, welche Filme hier eigentlich während der Nazizeit gedreht wurden, bleibt genauso unterbelichtet wie Hildegard Knefs Liebesaffäre mit dem Reichsfilmdramaturgen Ewald von Demandowsky.

Auch an einer Auseinandersetzung mit ihrer Rolle in Wolfgang Staudtes Nachkriegsdrama "Die Mörder sind unter uns" wie ihr so genannter Skandalauftritt als barbusige "Sünderin" im gleichnamigen Film scheint den Regisseur nicht weiter zu interessieren. Knefs Zeiten in Hollywood bleiben reines Klischee: Man sieht eine Karikaturausgabe von David O. Selznick mit drei Telefonen in der Hand und nebenbei macht der mächtige Produzent der jungen Knef anzügliche Angebote. Die anstrengende Broadway-Karriere ist eine belanglose Aneinanderreihung von Zeitungsartikeln.

Es gibt tatsächlich keinen Moment in diesem Film, in dem der Regisseur oder das Buch einen eigenen Blick, eine Idee auf Hildegard Knef entwickeln. Schade, denn Heike Makatsch ist die perfekte Verkörperung, sie raucht, trinkt und berlinert wie die Knef. Für Makatsch soll es roten Rosen regnen, für diesen Film jedoch nicht.

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