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Studio 9 | Beitrag vom 11.05.2018

"Hifa"-Festival in SimbabweNur ein kleines bisschen Freiheit für Künstler

Von Sebastian Engelbrecht

Tafadzwa Simba, stellvertretender Direktor des Hifa Festivals, steht in Simbabwes Hauptstadt Harare vor einer Häuserwand,die mit Plakaten zum Kulturfestival beklebt ist. (Deutschlandfunk / Sebastian Engelbrecht)
Tafadzwa Simba, stellvertretender Direktor des Hifa-Festivals in Simbabwes Hauptstadt Harare (Deutschlandfunk / Sebastian Engelbrecht)

Gerade ist Simbabwes größtes Kulturereignis zu Ende gegangen: das "Hifa"-Festival in Harare. Vor allem junge Künstler des Landes brachten dort ihr Lebensgefühl zum Ausdruck, das auch nach dem Sturz von Diktator Mugabe von Zensur geprägt ist.

Im Probenraum einer Musikschule in Harare trifft sich die Band des Hifa Festivals. Ein enger Raum aus schwarzen Schaumstoffwänden. Zwei Sängerinnen, ein Sänger, zwei Saxofone, zwei Schlagzeuger, zwei Gitarristen, zwei Keyboarder. Die Band probt extra für das Hifa Festival, das immer Anfang Mai Superlative im simbabwischen Kulturleben aufstellt. Dieses Jahr traten 1.000 Künstler aus Simbabwe auf, 200 aus aller Welt. Die Combo besteht aus coolen Typen zwischen 20 und 30 in Basecaps und mit Rastalocken. Sie beginnen die Probe mit einem Gebet.

Künstler leben in Simbabwe gefährlich – jedenfalls war das so in 37 Jahren der Diktatur unter Präsident Robert Mugabe bis zum November 2017. Aber auch heute noch, unter Mugabes Nachfolger Emmerson Mnangagwa, müssen die Organisatoren des Kulturfestivals jedes Theaterstück, jeden Film, jedes Konzert beim Staat anmelden. Im Innenministerium sitzt ein "board of censorship", ein Zensurgremium, das die Genehmigung erteilt – oder nicht.

Sehnsucht nach Freiheit

Tafadzwa Simba, der stellvertretende Direktor des Hifa-Festivals, dieses größten Kulturereignisses in Simbabwe, wägt im Interview jedes Wort.

"Die Atmosphäre im Land ist generell liberaler geworden, die Menschen sind selbstbestimmter, können sich besser ausdrücken. Sie können sich etwas freier äußern."

Willkürliche Polizeikontrollen gibt es seit dem Ende der Mugabe-Herrschaft nicht mehr, und auch die Spitzel des Geheimdienstes CIO sind aus dem Stadtbild von Harare verschwunden. Erstmals nach 14 Jahren im Exil durfte der regimekritische Sänger Thomas Mapfumo in diesem Jahr wieder in Harare auftreten. Beim Hifa Festival erhielt auch die Band "Freshly Ground" aus Kapstadt die Genehmigung zu spielen. Noch vor vier Jahren war sie des Landes verwiesen worden, weil sie sich in einem Song über Mugabe lustig gemacht hatte.

Auf die Frage, wie politisch ein Kulturfestival in Simbabwe heute sein darf, antwortet Tafadzwa Simba aber noch mit Vorsicht.

"Kultur ist zum großen Teil eine Art und Weise, in der sich Menschen ausdrücken können. Sie drücken aus, was sie hoffen, was sie befürchten, was sie versuchen zu machen und was sie zur aktuellen Situation sagen – und all diese Dinge sind das, was Politik ausmacht."

Leitspruch des Festivals: "We count"

Der Leitspruch des Hifa Festivals in diesem Jahr – "We count", "wir zählen" – ließ politische Interpretationen zu.

"'Wir zählen' bezieht sich auf Vieles: Wir befinden uns im Wahljahr. Also meint der Satz: Wir zählen Stimmen. Es ist auch eine Stellungnahme des Volkes: Wir zählen, wir haben Bedeutung. Wir meinen damit: Auf politischer Ebene geschehen große Dinge, aber auch die Menschen selbst zählen und bestimmen die Zukunft und so weiter."

Vor den Wahlen im Juli werden die Künstler in Simbabwe den Durchbruch zu wirklicher Freiheit nicht erleben. Denn auch der neue Präsident Mnangagwa gehört zur Partei ZANU-PF, der Partei Robert Mugabes. Und der staatliche Zensur- und Propagandaapparat besteht weiter.

Oppositionsführer Nelson Chamisa vom "Movement of Democratic Change" will eine Demokratisierung der simbabwischen Gesellschaft voranbringen. Dazu würde eine Stärkung der Zivilgesellschaft und auch von kulturellen Institutionen wie des Hifa Festivals gehören.

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