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Filme der Woche / Archiv | Beitrag vom 27.03.2013

"Heute bin ich blond"

Buchverfilmung über eine junge Frau, die gegen den Krebs ankämpft

Von Hans-Ulrich Pönack

Das Haar ist weg - Sophie (Lisa Tomaschewsky) betrachtet sich im Spiegel. (Universum)
Das Haar ist weg - Sophie (Lisa Tomaschewsky) betrachtet sich im Spiegel. (Universum)

Regisseur Marc Rothemund ist hier eine beeindruckende wie unterhaltende Buchverfilmung über den Kampf gegen den Krebs gelungen. Der Film zeigt keine Heldin im Superkampf, keine gefühlsduselige Schmonzette um eine besonders toughe Frau, sondern eine wahre Geschichte.

Die am 11. Juni 1983 in Amsterdam geborene Sophie van der Stap war Studentin der Politikwissenschaft, als bei ihr im Frühjahr 2005 ein besonders tückischer Krebs (Rhabdomyosarkom) diagnostiziert wurde. Sie nahm den Kampf gegen diese bösartige Krankheit auf, teilte sich in Tagebuchform per Internet-Blog mit, konnte durch mehrere Chemotherapien genesen. Ihre Erfahrungen verarbeitete sie in dem 2006 erschienenen Buch "Meisje met negen pruiken", das 2008 auch bei uns herauskam.

Ist die deutsche Verfilmung nun etwa wieder so eine Trauerschmonzette in Sachen Krebs und Ich? Keineswegs. Regisseur Marc Rothemund, 44, zuletzt angenehm komisch mit "Mann tut was Mann kann" im Lichtspielhaus, setzt auf behutsames, unkitschiges Timing, eine glaubwürdige Szenerie und kann mit einer überzeugenden Entdeckung, Lisa Tomaschewsky, aufwarten.

Sophie (Lisa Tomaschewsky) hat für jde Stimmungslage eine Perücke parat. (Universum Film)Sophie (Lisa Tomaschewsky) hat für jde Stimmungslage eine Perücke parat. (Universum Film)Sie ist 21, lebenslustig, gesellig, auf der beginnenden Überholspur des flotten Lebens. Doch dann trifft Sophie buchstäblich der Schlag: Krebs im Lungenflügel,extrem fies. Überlebenschancen: weit weniger als 50 Prozent. Nach dem Schock beginnt sie mit dem Aufbäumen. Sie verheimlicht ihre Krankheit nicht, sondern geht offensiv damit um. Dadurch bekommt sie moralischen Beistand - sowohl aus dem Familien- als auch aus dem Freundeskreis. Und so ist sie in der Lage, die nächsten 54 sauschweren Wochen durchzustehen.

Zudem, wo und wie immer es geht tritt sie auch gegen den routinierten und (natürlich) tristen Krankenhausalltag an - mit ziemlichen Eskapaden. Dafür schafft sie sich Perücken an, gleich neun Stück: blond, brünett, rot, für jede Stimmungslage eine, für die besonderen Momente draußen, wo sie ihr Leben stundenweise weiterlebt mit Wut, Willen, Wollen, so gut es eben geht; oder schlecht. Die 21-jährige Sophie lässt angefressen ihren Stinkefinger raus gegenüber diesem Dreckskrebs - wo und wie immer es möglich ist.

Keine Heldin im Superkampf, keine gefühlsduselige Schmonzette um eine besonders toughe Frau, sondern die emotional wie erzählerisch plausibel angesetzte Geschichte von Sophie, die ihren Zustand zwar zur Kenntnis, aber nicht zum Anlass nimmt zu resignieren. Ihr Motto: Ich lebe, also bin ich.

Lisa Tomaschewsky als Sophie ist ein Glücksfall. Inmitten eines angenehmen wie unaufgeregt agierenden Stichwort-Ensembles schafft sie die sensible Führungsbalance zwischen Entsetzen und Nichtresignation, zwischen Verzweiflung und Optimismus, zwischen Anlehnen und Auflehnen. Ein Krebsfilm als vitaler Unterhaltungsfilm, geht so etwas? Durchaus, und sogar absolut beeindruckend.

Deutschland 2013. Regie: Marc Rothemund. Produktion: Andreas Bareiß, Sven Burgemeister. Darsteller: Lisa Tomaschewsky, Karoline Teska, David Rott, Peter Prager, Alice Dwyer, Jasmin Gerat. 90 Minuten. Ab 6 Jahren.

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