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Kompressor | Beitrag vom 19.09.2018

Heribert Prantl zur Karikaturen-Debatte"Stäbchen zum Essen sind zwar ein Klischee, aber kein negatives"

Heribert Prantl im Gespräch mit Gesa Ufer

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Heribert Prantl 2017-10-01, Berlin, Deutschland - Heribert Prantl, Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung und Leiter der Meinungsredaktion, zu Gast bei Anne Will im Ersten Deutschen Fernsehen.  (imago stock&people)
Heribert Prantl leitet die Meinungsredaktion der "SZ": "Eine Karikatur springt unmittelbar ins Hirn." (imago stock&people)

Seine Zeitung ist ein gebranntes Kind beim Thema Karikaturen, aber Heribert Prantl bleibt ein Fan des Genres. Die heutige "SZ" zeigt den designierten Weltraumtouristen Maezawa auf dem Mond, wo er mit Stäbchen isst. Prantl sagt: Kein Problem.

Elon Musk wird, wenn alles nach Plan läuft, den japanischen Milliardär und Mäzen Yusaku Maezawa als ersten Privatmann einmal rund um den Mond fliegen lassen – gemeinsam mit einer Gruppe von Künstlern. Nun zeigt die "Süddeutsche Zeitung" auf ihrer Meinungsseite eine Karikatur von Pepsch Gottscheber zum Thema, über die wir in der Kompressor-Redaktion lange diskutiert haben: Zu sehen ist ein offenbar asiatischer Astronaut, der auf dem Mond vor seiner Rakete sitzt, die Augen als Striche angedeutet, essend – und zwar mit Stäbchen. Zu viel Klischee?

Eine Zeitungsseite der SZ mit einer Karikatur, die einen Astronauten mit Schlitzaugen zeigt, der auf dem Mond mit Stäbchen Sushi isst. (SZ/Pepsch Gottscheber/Deutschlandradio)"Japans erster Mann auf dem Mond": Pepsch Gottschebers Karikatur steht in der Kritik. (SZ/Pepsch Gottscheber/Deutschlandradio)

Heribert Prantl ist Mitglied der Chefredaktion der "Süddeutschen Zeitung" und Leiter der Meinungsredaktion des Blattes und als solcher zuständig für die Karikaturen, wie er selbst betont. Er sagt, er könne die aufgekommene Kritik, die Darstellung sei rassistisch, nicht nachvollziehen: 

Man nimmt seine Eigenheiten immer mit

"Stäbchen zum Essen in Japan sind zwar ein Klischee, aber sie sind kein negatives", verdeutlicht Prantl seine Haltung. "Was rassistisch sein soll, ist mir nicht ersichtlich. Ich würde mich als Bayer ja auch nicht rassistisch angegriffen fühlen, wenn ein italienischer Karikaturist einen Bayern durch einen Maßkrug und durch Weißwürste kennzeichnen würde."

Prantl sagt zu der Darstellung der Reise in der Musk-Rakete: "Das mag jetzt nicht die beste aller Karikaturen sein." Die Botschaft sei, wo immer man hinreise, selbst wenn man zu den Sternen fliege, man werde dadurch kein anderer: "Der Mensch nimmt sich selbst mit seinen Eigenheiten immer mit."

In der Diskussion um Rassismus in dieser Karikatur poppt auch gleich die Diskussion wieder auf, die eine andere Karikatur in der "Süddeutsche Zeitung" ausgelöst hat. Im Mai hatte das Blatt eine Karikatur mit Benjamin Netanjahu veröffentlicht, in der dieser voller Vorurteilen gegenüber Israel und Juden dargestellt war. Es gab eine heftige Diskussion, ob die Karikatur antisemitisch sei, und von der sich die Zeitung sehr konsequent distanziert hat. 

Böse Klischees sind tabu

Prantl erläutert, wo er den Unterschied zu der Gottscheber-Karikatur sieht: "Bei aller Bissigkeit, bei aller Schärfe, bei aller Diskussionslust, die die Karikatur fördern soll – sie darf nicht rassistisch sein, sie darf nicht mit bösen Klischees arbeiten. Und im Bereich Antisemitismus müssen wir als Deutsche und als Redaktion besonders empfindlich sein. Da haben wir einen Fehler gemacht, einen großen Fehler, deshalb haben wir uns entschuldigt."

Prantl hält die Karikatur als Meinungsbeitrag hoch und gibt sich als Fan des Genres zu erkennen: "Eine Karikatur springt unmittelbar ins Hirn. (...) Also, man wird gepackt, viel schneller als von einem Kommentar", sagt der Karikatur-Fan. Wie ein Kommentar solle eine Karikatur die Menschen zum Diskutieren bringen, nur gelinge das einer Karikatur im Idealfall noch viel schneller.

Die gesellschaftlichen Diskussionen von #MeToo bis #MeTwo spiegelten sich natürlich auch in der Diskussion um die Frage, was Karikaturen dürfen und welche Mittel sie anwenden können. 

"Es ist schwieriger geworden, natürlich, darin besteht aber auch der Reiz. Zu zeigen, man kann auch in einer sensibler gewordenen – glücklicherweise, was Klischees und Vorurteile betrifft, sensibler gewordenen – Gesellschaft pointiert kommentieren und auch pointiert zeichnen. Das hinzukriegen betrachte ich als meine Aufgabe, die vielleicht noch nicht ganz gelöst ist."

(mf)

Fazit

Fischer-Verlag trennt sich von Monika Maron"Das falsche Signal"
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