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Kompressor | Beitrag vom 22.05.2018

Herbert Fritsch zur Theatertreffen-Kontroverse"Der Schauspieler ist der Mittelpunkt des Theaters"

Herbert Fritsch im Gespräch mit Max Oppel

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Der Schauspieler und Regisseur Herbert Fritsch spricht am 03.05.2016 in Berlin während einer Pressekonferenz zum vom 06. bis 22. Mai stattfindenden 53. Berliner Theatertreffen. (picture alliance / dpa / Soeren Stache)
Der Schauspieler und Regisseur Herbert Fritsch (picture alliance / dpa / Soeren Stache)

Nur "Dar-Steller" und "Dar-Geher": Mit seiner Kritik am hiesigen Theaterbetrieb hat der Schauspieler Fabian Hinrichs für Aufsehen gesorgt. Der Regisseur Herbert Fritsch findet die Kritik völlig nachvollziehbar.

"Ich muss schon sagen, es war ziemlich anstrengend, einen jungen Alfred-Kerr-Preis-würdigen Schauspieler aufzuspüren", äußerte sich Fabian Hinrichs nach dem Berliner Theatertreffen. Als einziges Mitglied der Alfred-Kerr-Jury war es die Aufgabe des Schauspielers, den Alfred-Kerr-Darstellerpreis zu verleihen. Gesucht habe er "einen jungen Künstler, einen souveränen Schauspieler, keinen Dar-Steller und Dar-Geher und Dar-Steher, einen, den auch Alfred Kerr selbst vielleicht als Persönlichkeit ausgemacht hätte."

Schauspieler halten schon in der Ausbildung die Klappe

Herbert Fritsch hält die Kritik für nachvollziehbar. Hinrichs Rede sei "sehr brillant" gewesen, sagte der Regisseur und Schauspieler im Deutschlandfunk Kultur. "Sie beschreibt natürlich etwas ganz Entscheidendes. Nämlich die Stellung des Schauspielers am Theater bei uns, was das bedeutet. Wie wenig man sich über Schauspielkunst Gedanken macht, da hat er schon sehr sehr recht."

Der Schauspieler Fabian Hinrichs schaut in die Kamera (imago stock&people/Andre Poling)Mit seiner Kritik am Theater hat der Schauspieler Fabian Hinrichs eine Debatte ausgelöst. (imago stock&people/Andre Poling)

Das Grundübel liege schon in der Ausbildung, wo man ihnen beibringe, "die Klappe zu halten." Dass sie das machten, was ihnen gesagt werde. Mit Angst seien die Schauspieler besetzt, wenn sie von den Schulen kämen. Und nicht frei. Er kenne das selber:

Schauspieler in den Mittelpunkt

"Ich kann mich auch erinnern, als ich an der Falckenbergschule war, wie mir da gesagt wurde: Also Szenen selber schreiben, das geht gar nicht. Das können Schauspieler nicht und inszenieren sowieso nicht." Nach dieser Auffassung seien Schauspieler lediglich Text-Reproduzierer.

Zwar würden am Theater sehr verschiedende Konzepte entwickelt. Doch kaum solche, die den Schauspieler in den Mittelpunkt stellten.

Aber: "Der Schauspieler ist der Mittelpunkt des Theaters für mich. Schauspieler sind Künstler und brauchen eine andere Eigenständigkeit."

"Kann mich Hinrichs nur anschließen"

Das Leitungsteam im Theater, der Regisseur, der Dramaturg, der Bühnenbildner seien immer die wesentlich wichtigeren Leute gewesen. Es werde über Intendanten diskutiert, wer welchen Posten habe, aber nicht über die Schauspieler, nicht das eigentliche Theater.

"Natürlich liegt es auch an den Regisseuren, aber man kann aus allem was machen."

Es sollte nicht darum gehen, dass das Theater journalistisch, politisch werde. "Ich kann mich dem nur anschließen, was er da gesagt hat."

Elena Philipp schreibt Kritiken für den DLF Kultur Theaterpodcast und für nachtkritik.de. Im Studio 9 spricht sie über Fabian Hinrichs Kritik an der Theaterlandschaft.

(mko)

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