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Im Gespräch | Beitrag vom 14.12.2020

Hendrik StreeckVirologe mit Hang zur Filmmusik

Moderation: Ulrike Timm

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Porträt des Virologen Hendrik Streeck (Andreas Zitt)
Der Virologe Hendrik Streeck gilt während der Coronakrise als gern gesehener Experte. (Andreas Zitt)

Vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie war der Bonner Virologe Hendrik Streeck kaum bekannt. Inzwischen ist er Gast in vielen Talkrunden und gilt als wichtiger Experte für Covid-19. Dabei wäre der Mediziner fast Filmkomponist geworden.

Seinen Twitter-Account öffnet Hendrik Streeck nicht mehr so oft wie früher. Innerhalb eines Dreivierteljahres ist die Followerzahl des Virologen zwar auf über 80.000 angewachsen, aber das hat sein Leben in den sozialen Netzwerken nicht unbedingt erleichtert. Zuletzt kursierte ein Hashtag mit seinem Namen, unter dem kritisiert wurde, Streeck verharmlose die Corona-Folgen.

"Twitter ist leider ein Medium, das eigentlich gut in der Kommunikation ist, aber leider sehr aggressiv und in vielen Sachen sehr asozial."

Zwischen den Fronten

Seit die Corona-Pandemie im Frühjahr auch die deutsche Gesellschaft erreicht hat, ist der Direktor des Instituts für Virologie und HIV-Forschung der Universität Bonn einer der Experten, die immer wieder auch öffentlich die Entwicklungen einschätzen – und ihrerseits öffentlich eingeschätzt werden.

Von pauschalen Zuschreibungen und Fronten, die zwischen ihm und anderen Kolleginnen und Kollegen aufgemacht werden, hält Hendrik Streeck wenig. "Ich denke, das ist gar nicht hilfreich, dass wir gegeneinander ausgespielt werden und zu sagen: Das ist der Hardliner und auf der anderen Seite derjenige, dem die Corona-Toten egal sind. Das finde ich furchtbar und perfide. Es zeigt, dass es den Leuten, die das eigentlich machen, nicht darum geht, dass wir gut durch die Pandemie kommen und auch alle Seiten abwägen, sondern denen geht es darum, Hass und Hetze zu schüren."

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In die Kritik geriet der heute 43-Jährige auch, als er für eine Studie, die er im damals besonders schlimm von Covid-19 betroffenen Ort Heinsberg durchführte, eine PR-Agentur mitnahm. Er habe so versucht, den vielen Presseanfragen gerecht zu werden. Trotzdem sei das aus heutiger Perspektive ein Fehler gewesen, "weil es abgelenkt hat von der Studie", sagt er. "Im Nachhinein würde ich das nicht noch einmal machen, aber ich kann meine Entscheidung von damals verstehen."

Afrika als Grund für die Forscherkarriere

Das Corona-Virus ist aber nur ein Erreger, mit dem sich der Wissenschaftler beschäftigt. Auch Zika und HIV gehören zu seinen Arbeitsbereichen. Insbesondere am HI-Virus forscht er seit vielen Jahren, das Interesse daran ist aber noch älter: Als Medizinstudent jobbte er in einer Schwerpunktpraxis für HIV und war dort für die Blutabnahme zuständig. "Dadurch hatte ich viel Kontakt mit HIV-Patienten und habe mich natürlich viel mit ihnen unterhalten."

Später arbeitet er in Uganda und Südafrika, wo er immer wieder mit der Aids-Epidemie konfrontiert wird, aber auch mit anderen schweren Krankheiten.

"Ich glaube, Afrika hatte eine große Auswirkung darauf, dass ich in die Forschung gegangen bin." Das habe aber nicht daran gelegen, dass sie dort in 36-Stunden-Schichten und unter schwierigen Bedingungen arbeiteten. "Ich hatte den Eindruck, dass man dieser Flut an Elend und furchtbaren Erkrankungen nicht Herr werden kann, wenn man nicht versucht, etwas global zu finden, global etwas gegen HIV zu machen."

Die Nähe zwischen Musik und Medizin

Mehrere Jahre forschte Hendrik Streeck in den USA, ehe er 2016 zurück nach Deutschland kam, wo er als junger Spitzenforscher mit offenen Armen empfangen wurde. Es ist eine steile Karriere, dabei hat der gebürtige Göttinger lange den Wunsch, Filmkomponist oder Musikproduzent zu werden. Am Ende wird es zwar doch die Medizin, eine Verbindung zwischen beiden Bereichen sieht Hendrik Streeck, der aus einer Medizinerfamilie stammt, trotzdem:

"Musik und Medizin haben in meinen Augen zwei Dinge gemeinsam. Auf der einen Seite sind sie sehr analytisch und mathematisch. Auf der anderen Seite geht es sehr viel um Empathie, dass man sich hineinversetzt in die Musik, in den anderen Menschen."

(era)

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