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Tonart | Beitrag vom 28.08.2020

Helge Schneider über "Mama"Das Herz bei Ebay, das Leben als Knäckebrot

Moderation: Martin Böttcher

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Porträt des Musikers Helge Schneider mit seinem Programm "Helge - nur für Dich" im Tanzbrunnen, Köln, 21.August 2020. Er trägt Perücke und sitzt am Klavier. (imago / Future Image / Hardt)
"Ich bin ein Mann der Sekunde, der Tat, des Augenblicks", sagt Helge Schneider, der am Sonntag 65 Jahre alt wird. (imago / Future Image / Hardt)

Die neue Platte von Helge Schneider heißt "Mama" und klingt ein bisschen nostalgisch. An Ideen mangelt es dem Multiinstrumentalisten und Musik-Clown auch kurz vor seinem 65. Geburtstag dennoch nicht.

Helge Schneider - beziehungsweise Plakate mit seinem Konterfei - scheinen derzeit überall präsent zu sein. Das hat zwei Gründe: Der Multiinstrumentalist, Schauspieler, Regisseur, Drehbuchautor und Musik-Clown hat am Sonntag Geburtstag - und erreicht ein Alter, das viele mit dem Renteneintritt verbinden:65! Außerdem gibt es eine neue Platte. Sie heißt "Mama":

"Mama" klingt zum Teil nach alten Zeiten, nach Jazz und Swing, ein bisschen nostalgisch. Auch manche Themen wirken so: zum Beispiel Roswitha aus der Striptease-Bar. Er sage nicht, dass früher alles besser war, betont Helge Schneider: "Aber ich bin aufgewachsen in einer Zeit, die es heute nicht mehr gibt. Und das sind Eindrücke, die ich mitgenommen habe."

Warmes Essen in der Arbeitertasche

Dazu zähle auch der Arbeitersong auf seinem Album. "Der Arbeiter mit der Arbeitertasche und darin ist warmes Essen, das gibt es ja auch kaum noch." Was sein Leben begleitet habe, verdünnisiere sich langsam: "Und geht den direkten Weg ins Internet, habe ich den Eindruck."

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Helge Schneider bleibt da, was seine Ideen angeht, nicht außen vor. "Ich setz mein Herz bei Ebay rein" heißt ein Song auf seinem Album.

Solche Textideen kämen ihm spontan, erzählt er: "Ich muss das aus dem Ärmel schütteln. Ich kann mich nicht hinsetzen wie ein Autorenteam: Jetzt wollen wir mal einen Text machen, der ergreifend ist, oder jetzt wollen wir man einen Text machen, der aufrührerisch ist." Das könne er nicht, sagt Schneider.

"Das Leben ist rückblickend wie Knäckebrot"

"Ich bin ein Mann der Sekunde, der Tat, des Augenblicks." So entstünden auch seine Lieder. "Da bin ich ganz froh darüber, dass mir immer noch was einfällt." Es habe aber auch schon Phasen gegeben, in denen ihm monatelang nichts eingefallen sei.

Im Titelsong des Albums "Mama" heißt es: "Ich lebte mein Leben als Knäckebrot und als ich starb, da war ich tot."

Das sei eine Verschlüsselung für das Leben überhaupt, sagt Helge Schneider. "Egal, was Du gemacht hast, was du bist, was du tust, in welcher Position du bist", so Schneider, wenn einen der Tod ereile, "dann ist das Leben rückblickend auch wie Knäckebrot".

Denn: "Unwichtig, wichtig, diese Wertungen fallen dann völlig ab. Und man hat gelebt. Das ist das Entscheidende."

(abr)

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