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Echtzeit | Beitrag vom 26.09.2020

Heizpilz-ComebackEin unterkomplexes Objekt, kein Heilsbringer

Jesko Fezer im Gespräch mit Mandy Schielke

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Ein glühender Heizpilz, im Hintergrund sind Pflanzen zu sehen.  (imago images / localpic)
"Auf dem Niveau eines Campingkochers oder Toasters", urteilt Jesko Fezer über den Heizpilz. (imago images / localpic)

Wirte und Gäste hoffen: Können Heizpilze Restaurants und Kneipen über die kalten Monate retten? Designprofessor Jesko Fezer ist nicht begeistert. Er sieht im Heizpilz nur ein gutes Gegenbeispiel dafür, was Gestaltung eigentlich leisten sollte.

Dem Heizpilz steht ein Comeback bevor. Er ist Gegenstand von Debatten, die ihn als Heilsbringer für die Gastronomie im kommenden Herbst und Winter sehen, wenn wegen der Coronapandemie Restaurant- und Kneipenbetrieb in Innenräumen problematisch ist.

Jesko Fezer, Professor für Experimentelles Design an der Hamburger Hochschule für Bildende Künste hält davon nichts.

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"Technisch nicht besonders anspruchsvoll, auf dem Niveau eines Campingkochers oder Toasters", lautet Fezers Urteil. "Ästhetisch zwischen Straßenlaterne und Mülleimer, da ist auch nicht viel los." Für ihn ist der Heizpilz ein gutes Gegenbeispiel für das, was Design leisten sollte. Die Auffassung, die hinter dem Gerät steckt, ziele auf einfachste Problemlösung: "Menschen ist es kalt." Also: "Wir heizen mit Gas oder Strom."

"Man kann nicht gegen die Umwelt planen"

Design im 21. Jahrhundert angesichts der drohenden Klimakatastrophe müsste allerdings viel mehr Aspekte bei der Gestaltung im Blick haben. Ökologische Argumente könnten nicht einfach als nebensächlich gelten und hinter ökonomischen zurückstehen, kritisiert Jesko Fezer.

Die Alternative zum Heizpilz berührt für ihn letztlich größere Fragen: Sollen Erlebnisgastronomie und Tourismusversorgung wirklich die Maßgaben sein, an denen sich unsere Innenstädte ausrichten?

Gegen den Heizpilz als kurzfristige, klimaschädliche Problemlösung spräche eine ganz alte Gewissheit von Design und Architektur, sagt Jesko Fezer: "Dass man nicht gegen die Umwelt planen kann."

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