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Weltzeit / Archiv | Beitrag vom 06.01.2016

Heiße Thermalbäder im WinterDie aphrodisierenden Quellen von Viterbo

Von Tilmann Kleinjung

Der Naturpark Corchiano liegt auch in Viterbo. (picture alliance / dpa / Piergiorgio Pirrone / margophoto)
Der Naturpark Corchiano liegt auch in Viterbo. (picture alliance / dpa / Piergiorgio Pirrone / margophoto)

Der römische Dichter und Philosoph Dante hat schon über sie geschrieben: die Thermalquelle "Bullicame" im italienischen Viterbo. Es wird sogar behauptet, dass der Geruch, den diese Gewässer abgeben, denselben Effekt habe wie Viagra. In den kalten Jahreszeiten strömen die Menschen in die Bäder.

Ein ungemütlicher Tag. Kalt pfeift der Wind über die Felder bei Viterbo. Allein der Gedanke, sich nun bis auf die Badehose auszuziehen, ist abschreckend. Wer sich dennoch überwindet, wird belohnt.

"Calda", heiß ist das Wasser in diesem Freibad. Badewannentemperatur. Und das ganz ohne Technik, versichert Giovanni Faperdue.

Faperdue: "Dieses Wasser wird von den Resten der Magmakammer des Vico-See-Vulkans aufgewärmt, der vor 400.000 Jahren erloschen ist, also, geologisch betrachtet, vor kurzem."

Seit er im Ruhestand ist, widmet Giovanni Faperdue seine freie Zeit ganz den heißen Quellen rund um Viterbo. Als Forscher und (wenn man so will) als Mensch. Mindestens einmal pro Woche nimmt er ein Bad in den heißen Becken und vertraut auf die Heilkräfte dieses Wassers.

Faperdue: "Wenn wir im Wasser liegen, schwitzen wir ohne es zu bemerken. Dieser Schweiß ist süß und reinigt den Körper, alle Giftstoffe werden abgesondert. Da muss man nicht laufen, sich nicht mit Sportgeräten ruinieren. Ich komme einmal die Woche hierher, danach bin ich fit für die nächste Woche."

Mit einer Temperatur von exakt 58 Grad Celsius blubbert das Wasser an die Oberfläche. Zu heiß, um darin zu baden. Über ein Aquädukt wird es zum Abkühlen in ein flaches Becken geleitet. Aus diesem speist sich dann das etwa 1,10 Meter tiefe Badebecken.

Schon Dante hat über die Thermalbäder geschrieben

Beliebt sind diese frei zugänglichen Thermalbäder von Viterbo vor allem in der kalten Jahreszeit, in Herbst und Winter. Wenn der Temperaturunterschied zwischen Wasser und Luft besonders groß ist. Die Freiluft-Thermen rund um die kleine mittelitalienische Stadt sind nicht schick, keine modernen Spaßbäder, dafür bieten sie dem Besucher ein Erlebnis für alle Sinne. Es riecht nach Schwefel.

Faperdue: "Professoren der Universität Neapel haben festgestellt, dass der Geruch, den diese Gewässer abgeben (der auch der Gestank des Teufels genannt wird), dass dieser Geruch denselben Effekt hat wie Viagra und zwar ohne Nebenwirkungen."

Die bekannteste Thermalquelle von Viterbo heißt "Bullicame". Dante hat ihr sogar im vierzehnten Gesang seiner Göttlichen Komödie ein paar Verse gewidmet, die Thermenforscher Giovanni Faperdue natürlich auswendig aufsagen kann.

Faperdue: "Und jetzt zeige ich Ihnen diese Schwefelquelle Bullicame. Die ist durch eine Glaswand abgesichert. Denn wenn man in die berüchtigte Quelle fällt, stirbt man sofort. Das Herz hält das nicht aus. Da es schon Tote gegeben hat, haben wir die Quelle vor etwa 30 Jahren eingezäunt."

Der Bullicame hat einen Durchmesser von mindestens fünf Metern. Unaufhörlich strömt heißes Wasser aus vulkanischen Tiefen nach oben. Das Wasser ist nicht kochend heiß, auch wenn die Gasblasen an der Oberfläche diesen Eindruck vermitteln. Dennoch: Der Temperaturschock reicht aus, um einen Herzstillstand herbeizuführen. Erst an der frischen Luft abgekühlt wird der Bullicame zum Thermalbad oder (wie es Giovanni Faperdue sagt), zum Jungbrunnen.

Faperdue: "Das Wasser, das hier heraussprudelt, ist vor 40 Jahren auf die Hügel heruntergeregnet. Ich nenne es aus diesem Grund einen Jungbrunnen. Wenn Sie dort jetzt baden gehen, baden sie in Wasser, das vor 30, 40 Jahren heruntergekommen ist."

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