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Lesart | Beitrag vom 10.10.2018

Heinz Strunk: "Das Teemännchen""Raststätten sind Orte absoluter Trostlosigkeit"

Heinz Strunk im Gespräch mit Joachim Scholl

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Heinz Strunk steht am Stand von Deutschlandfunk Kultur bei der Frankfurter Buchmesse. (David Kohlruss)
Heinz Strunk als Gesprächsgast auf der Frankfurter Buchmesse (David Kohlruss)

Nichts sei deutscher als eine Autobahnraststätte - mit "Müllfraß, Kondomautomat und Fernfahrerduschen". In seinem neuen Buch "Das Teemännchen" will Heinz Strunk normale Existenzen mit einem gewissen Sozialrealismus schildern.

In seinem neuen Erzählband "Das Teemännchen" wendet sich der Schriftsteller und Entertainer Heinz Strunk all jenen Menschen zu, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen: Arme, Hässliche, Adipöse, Alkoholiker und Leute, die an ihrem Leben scheitern.

Das Prekariat als solches habe er jedoch nicht in den Blick nehmen wollen, sagte Heinz Strunk im Deutschlandfunk Kultur: Er habe vor allem "ganz durchschnittlich verlaufende, normale Existenzen" geschildert. Dies aber in einem "gewissen Sozialrealismus, der zum Beispiel dem bürgerlichen Familienroman total abgeht" und auch im deutschen Gegenwartsroman kaum eine Rolle spiele.

Strunk hingegen sieht sich deutschen Literaten aus den 70-ern verbunden, wie etwa Jörg Fauser oder Rolf Dieter Brinkmann, als sich "Literatur der Verrückten, der Abgehängten, der Alkoholiker und der Schwachen und Armen angenommen hat".

La Deutsche Vita

Die titelgebende Figur war eine Figur aus Strunks früherer Nachbarschaft, erklärte der Autor: Ein junger Mann, "Typ: ewiger Student", der mit seiner Idee eines Teeladens mangels unternehmerischen Geschicks gescheitert sei. Darin sieht Strunk eine "hohe Symbolkraft" für das Buch: "Die meisten Schicksale, die in dem Buch in sehr kurzen Texten geschildert werden, sind eher unglücklich verlaufende Lebensläufe."

Inspiration verschafft sich Strunk bei seinen Lesereisen, die er selber mit dem Auto bewältigt: "Autobahnraststätten sind Orte absoluter Trostlosigkeit. Ich glaube, es gibt keinen anderen Platz, der im unangenehmen Sinne so deutsch ist wie Autobahnraststätten, errichtet auf den Säulen Müllfraß, Kondomautomat und Fernfahrerduschen. Wenn mir gelegentlich mal vorgeworfen wird, ich würde eine doch irgendwie düstere Sicht auf die Wirklichkeit haben, dann lade ich die Leute ein, sich einfach mal zwei Stunden auf Autobahnraststätten aufzuhalten." (thg)

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