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Vollbild | Beitrag vom 14.05.2016

Heimkino-Tipp: "Silicon Valley"Böse Parodie auf Google & Co.

Von Anja Reinhardt

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Ein riesiges grünes Robotermännchen - Maskottchen für das Google-Betriebssystem Android - steht vor dem Eingang des amerikanischen Internet-Konzerns Google in Mountain View. (picture alliance / dpa / Christof Kerkmann)
Lustig: Maskottchen für das Google-Betriebssystem Android. (picture alliance / dpa / Christof Kerkmann)

Ironisch, böse und hinreißend witzig ist die US-amerikanische TV-Serie "Silicon Valley" über ein paar Computernerds aus Kalifornien. Unser Heimkino-Tipp.

"Was zum Teufel ist das?" 
"Die Freiheitsstatue? Und sie wird penetriert." 
"Und? Wie findet ihr es? Es ist ein Kommentar zum Freiheitskampf der Latinos in den USA. Aber auch ohne die Symbolik ist es ästhetisch ansprechend." 
"Äh…ja…"

Erlich und Richard betrachten das Garagentor an Erlichs Haus. Zu sehen ist das Graffito eines Native American mit riesigem Penis, der Sex mit der Freiheitsstatue hat - von hinten. Gemalt von einem Künstler mit lateinamerikanischen Wurzeln, der bei Widerspruch gerne handgreiflich wird und seine Freunde aus dem Ghetto ruft. Eigentlich hatten Erlich und Richard für ihr neu gegründetes Start-up "Pied Piper" nur ein cooles Logo mit Street Credibility gesucht. Und dann kommt auch noch ein Polizist vorbei.

"Sie sind der Hausbesitzer? Es gibt viele Beschwerden wegen ihres Kunstwerks. Sie müssen das übermalen."
"Oh, das würde dem Künstler gar nicht gefallen."
"Ich weiß, wie wir es lösen! Wir machen das Tor auf und es bleibt dann immer oben."
"Nein! Nein! Nein!"

Richards Lösungsvorschlag bringt neuen Ärger für Erlich. Denn der hat in seiner Garage eine beachtliche Marihuanapflanzen-Zucht gepflegt. Das große Problem von Richard, Erlich und ihren Firmenkumpanen Gilfoy, Dinesh und Jared ist, dass immer alles anders kommt, als sie - und die Zuschauer - es erwartet haben. Oder es geht gleich ganz schief.

"Richard, die Hosting-Firma, die uns Platz auf ihren Servern vermieten wollte, zieht ihr Angebot zurück."
"Okay, dann suchen wir uns Server bei einem anderen Provider."
"Ja, ich hab schon fünf andere Webhosting-Firmen angemailt, aber die wollen uns alle nicht…"

Dabei hatte alles so gut angefangen. Richard, ein langer Schlacks, linkisch und immer ein wenig nervös im Auftreten, erfindet einen Algorithmus, der Daten extrem komprimieren kann. Noch arbeitet er eher unauffällig bei Hooli, unverkennbar ein Synonym für Google. Dessen Chef Gavin Belson erkennt das Potential des Algorithmus' und will Richards Idee kaufen. Aber weil Belson ein größenwahnsinniger Widerling ist, entscheidet sich Richard für einen anderen Investor. Ab da zieht sich der Machtkampf mit Belson wie ein roter Faden durch die Serie.

Ein Haufen schräger, sozial inkompatibler Typen

"Ich finde es furchtbar, dass es so weit gekommen ist, aber wer weiß, manchmal sind solche Dinge ja nur zum Besten. Also jedenfalls für mich. Wenn Sie mich nicht zu dieser Schlichtung gedrängt hätten, dann wäre ich gezwungen gewesen, den Hooli-Vorstand nach 250 Millionen Dollar zu fragen, um Sie aufzukaufen."

Es ist der amerikanische Traum, verpackt in eine Serie über Computer-Ingenieure: Mit einer guten Idee und harter Arbeit kannst du reich werden. Das Silicon Valley als der Ort eines neuen Gold- oder Ölrauschs. Und als der Ort, an dem ein Haufen schräger, sozial inkompatibler Typen rumlaufen, die auf diesem Fleckchen Erde in Kalifornien das ganz große Dinge machen wollen - in zerbeulten Sweatshirts und abgetragenen Turnschuhen. "Silicon Valley" ist ironisch, böse, hinreißend witzig mit Dialogen, die immer einen punktgenau sitzen.

"Schlimmer als Pädophile?"
"Ich meine Raucher. Denn: Sind wir doch mal ehrlich. Passiver Heroinkonsum hat noch keinen getötet."
"Genau!"
"Mit unserer App können die Nutzer sie lokalisieren und ihnen dann ausweichen. Diesen zügellosen, zerstörerischen, fahrlässigen Monstern!"

Der Traum vom großen Geld

Jede neue App-Idee könnte das nächste Märchen vom ganz großen Geld werden, und sei sie auch noch so dämlich. Herrlich, dass nebenbei der American Way Of Life parodiert wird. Geschrieben wurde die Serie von Mike Judge, der schon für den Nerd-Comic "Beavis und Butthead" auf MTV verantwortlich war - und der selbst mal Programmierer im Silicon Valley war:

"Steve Jobs, Steve Wozniak, Paul Allen, Bill Gates, Mark Zuckerberg - wären die vor 200 Jahren geboren, wären sie nicht die reichsten Menschen der Welt. Diese Programmierer sind jetzt superreich. Das ist doch interessant, weil sie letztendlich immer noch diese sozial linkischen Typen sind. Einige von denen wissen irgendwie auch nicht so richtig, wie man Spaß hat oder wie man dieses ganze Geld ausgibt. Ich bin mit einigen Leuten, die so sind, zur Schule gegangen, deswegen bilde ich mir ein, dass ich sie ganz gut kenne."

"Ich wusste immer, mir fehlt etwas. Mir hat mal jemand versucht zu erklären, wie es ist, was drauf zu haben. Und ich wusste: Ja, ich hab es nicht drauf."

Ex-Twitter-Chef Dick Costolo berät die Sendung

Seit der dritten Staffel, die gerade angelaufen ist, berät außerdem Dick Costolo, ehemaliger Twitter-Chef, das Serienteam. Der wurde nach fünf Jahren beim Zwitscherdienst entlassen - so wie Richard am Ende der zweiten Staffel plötzlich erfahren muss, dass er nicht mehr Chef seines selbst gegründeten Start-ups Pied Piper ist. Das Silicon Valley ist ein eben auch ein Haifischbecken, das als Tünche den immer noch lebendigen Hippie-Vibe der Siebziger in Kalifornien nutzt. Aber auch, wenn die Klischees der Digitalwelt messerscharf seziert und kommentiert werden, sind die Protagonisten der Serie in ihrer Unbeholfenheit gerade deswegen Helden. Weil sie die Mär des amerikanischen Traums 2.0 Folge für Folge mit irre komischen Gags dekonstruieren.

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