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Konzert / Archiv | Beitrag vom 06.01.2018

Hebräische Kammeropern in ThüringenErzählungen über Saul und Abraham

Aus der Bühne am Park, Gera

Die Ikone "Apa Abraham" in der Ausstellung "Ein Gott" im Berliner Bode-Museum. Ein gemaltes Bild eines Mannes mit grauem Bart auf rotem Stein, in einer Glasvitrine. (dpa/picture alliance/Felix Zahn)
Die Ikone "Apa Abraham" in der Ausstellung "Ein Gott" im Berliner Bode-Museum: Abraham gilt sowohl im Judentum als auch im Christentum und Islam als Stammvater. (dpa/picture alliance/Felix Zahn)

In Weimar gibt es zwar auch den deutschlandweit ersten Lehrstuhl für jüdische Musik; doch die Beschäftigung mit der Kultur – und damit auch der Klangwelt – des jüdischen Volkes ist in Thüringen durchaus nicht nur ein akademische Angelegenheit.

Im September fanden die Achava-Festspiele statt, dann im Oktober und November – bereits zum 25. Mal – die Thüringer Tage der jüdisch-israelischen Kultur. Der Beitrag der Bühnen Gera/ Altenburg zum letztgenannten Ereignis war die Wiederentdeckung zweier selten gespielter Kammeropern zu Stoffen aus dem Alten Testament – aufgeführt im originalen Hebräisch und im Falle Gnesins zum ersten Mal überhaupt.

Josef Tal (1910-2008) musste 1934 vor dem Nazi-Terror nach Palästina fliehen und avancierte dort nach dem II. Weltkrieg zu einem Mitbegründer der israelischen klassischen Musik. 'Saul in Ein Dor' wurde 1955 uraufgeführt. Die Opera Concertante schildert die Begegnung des ersten Königs Israels mit der Wahrsagerin von Ein Dor, die ihm ein tragisches Schicksal prophezeit. "Die Bibel als Opernlibretto zu verwerten, war riskant. Judaisten sahen die Gefahr weltlicher Profanierung. Das Gegenteil stellte sich heraus: Zu hören war jüdische Musik ohne jedes Melodiezitat aus traditioneller Liturgie, israelische Musik ohne nationale Symbole und obendrein in modernistischer Atonalität", berichtet Tal in seiner Autobiografie.

Die symbolisch aufgeladene Geschichte über die Jugend des Stammvaters Israels und dessen Streben nach Welterkenntnis diente Michail Gnesin (1883-1957) als Inspirationsquelle für seine Kammeroper. 1922 komponierte er den größten Teil des Werks in Palästina und beendete den Klavierauszug der Oper Anfang Januar 1923 in Moskau. Jascha Nemtsov hat das Manuskript dieser ersten explizit jüdischen Oper in hebräischer Sprache in einem Moskauer Archiv wiederentdeckt. Nemtsov: "Gnesins Grundgedanke zum Wesen der Musik besteht darin, dass die musikalische Sprache einerseits geeignet ist, außermusikalische Bilder plastisch vorstellbar zu gestalten, und dass sie andererseits einen stark ausgeprägten philosophischen Aspekt beinhaltet."


Bühne am Park, Gera

Aufzeichnung vom 10.11.2017


Hebräische Kammeropern


Josef Tal

"Saul in Ein Dor", Opera concertante

Text: Samuel I, 28:3-25


Michail  Gnesin

"Die Jugend Abrahams"

Kammeroper in drei Szenen nach den Legenden aus der Aggada für Tenor, Bariton und Klavier


Peter Prautsch - Sprecher

János Ocsovai - Saul/Abraham

Ayala Zimbler-Hertz - Die Frau

Alejandro Lárraga Schleske - Samuel/Terach, Abrahams Vater


Yuka Beppu, Klavier

Philharmonisches Orchester Altenburg-Gera

Leitung: Laurent Wagner

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