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Länderreport / Archiv | Beitrag vom 06.04.2020

Hebamme in der CoronakriseLeerstehende Hotels werden zu Geburtshäusern

Von Nadine Wojcik

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Kareen Dannhauer in ihrer Wohnung (Frank Eidel)
Ruhe bewahren in der Pandemie: Kareen Dannhauer ist freie Hebamme in Berlin. (Frank Eidel)

Kontaktsperren, fehlende Schutzausrüstung, Ungewissheit über Kapazitäten im Kreißsaal. Für gebärende Frauen bleibt in Zeiten von Corona eigentlich nur eine Konstante: die Hebamme. Erfahrungsbericht einer Alltagsheldin.

"In diese Welt, wo der Boden quasi unter den Füßen schwankt, ein Baby zu setzen, das hat im Moment schon wirklich etwas Absurdes", sagt Kareen Dannhauer.

Seit 20 Jahren arbeitet sie als freiberufliche Hebamme. Die Coronapandemie stelle ihre Arbeit derzeit auf den Kopf, erzählt sie: "Die Maßgabe ist ganz klar, dass wir alle persönlichen Kontakte reduzieren, soweit es möglich ist." Das ist leichter gesagt als getan.

Masken täglich waschen und bügeln

"Wir kommen den Frauen und den Babys mit unseren körperlichen Untersuchungen ja sehr nahe", erklärt Dannhauer. "Und in all diesen Bereichen sind wir einfach vollkommen unzureichend ausgestattet mit Schutzmaterialien. Ich habe mir tatsächlich jetzt Stoffmasken bestellt, die ich jeden Morgen heiß bügele und natürlich einmal am Tag heiß wasche. Das ist besser als nix."

Coronavirus-NewsletterIn der achtteiligen Reihe "Wer die Welt zusammenhält" stellt Deutschlandfunk Kultur Menschen vor, die während der Pandemie eine besondere Verantwortung tragen. Als Hebamme sei es ja ohnehin ihre Aufgabe, Gebärende gegen äußere Stressfaktoren abzuschirmen, sagt Kareen Dannhauer: "Wir wissen, dass Frauen während der Geburt quasi eine innere Welt betreten, und dass das Außen, wenn man so will, vor der Kreißsaaltür bleibt."

"Du kannst gebären - egal, was draußen los ist"

Angesichts der vielen Unwägbarkeiten der Pandemie sei es umso wichtiger, aufgeregte und aufgebrachte Frauen zu beruhigen und ihnen sagen zu können: "Du kannst gebären, egal, was da gerade draußen los ist", erklärt Dannhauer. "Dieses 'Grounding', das ist im Moment eine ganz zentrale Aufgabe für uns Hebammen, die Frauen da ein bisschen zu stabilisieren."

Dabei seien die organisatorischen Herausforderungen immens: "Ich erlebe es wirklich so, dass viel, viel getan wird in den Kliniken, an Umschichtungen. Auch in der Gynäkologie werden ja im Moment alle geplanten OPs abgesagt. Es gibt Zentralisierung, oder es werden sogar Hotels umgebaut, die alle leer stehen im Moment, zu sowas wie Geburtshäusern mit ein bisschen mehr Infrastruktur."

Endlich: "Baby-Flitterwochen"

Etwas Gutes kann Kareen Dannhauer den aktuellen Beschränkungen aber doch abgewinnen: "Im Moment ist das Wochenbett quasi zwangsweise so, wie wir Hebammen es schon immer predigen: Die Männer bleiben zu Hause, der Besuch hält sich zurück, und alles wird runtergefahren."

Eigentlich wünsche sie jeder Mutter solche "Baby-Flitterwochen", sagt Dannhauer, und fügt hinzu: "Ich will wirklich gar nichts beschönigen für die momentane Situation, aber im Moment sieht das Wochenbett so aus, wie es sich gehört."

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